Direkt zum Inhaltsbereich

Hintergrund

Weniger Benachteiligung bei Seltener Krankheit gefordert

Die ungleiche Versorgung der Patienten rückt in den Fokus: Heute ist der "Tag der Seltenen Krankheit".

Dr. Marlinde LehmannVon Dr. Marlinde Lehmann Veröffentlicht:
Für seltene Leiden gibt es oft nur selten Arzneien: Der "Tag der Seltenen Krankheit" will unter anderem darauf aufmerksam machen.

Für seltene Leiden gibt es oft nur selten Arzneien: Der "Tag der Seltenen Krankheit" will unter anderem darauf aufmerksam machen.

© Hugh O'Neill / fotolia.com

Der "Tag der Seltenen Krankheit" am 28. Februar soll wieder die Aufmerksamkeit auf Betroffene und ihre Angehörigen lenken.

Das gilt für die Öffentlichkeit, die europäischen, nationalen und örtlichen Gesundheitsbehörden und Politiker, für Menschen in medizinischen Berufen, für Forscher, die pharmazeutische und biotechnische Industrie sowie die Medien.

Im einzelnen geht es 2011 speziell um folgende Punkte:

  • Gleicher Zugang für Patienten mit Seltenen Krankheiten zu medizinischer Versorgung und sozialen Diensten,
  • gleicher Zugang zu den elementaren sozialen Rechten: Gesundheit, Bildung, Arbeit und Wohnung,
  • gleicher Zugang zu Orphan-Medikamenten und Therapien.

Menschen, die mit Seltenen Krankheiten leben, sollten das gleiche Recht auf Einsatz und Qualität medizinischer Behandlung haben wie andere Patienten auch.

"Aber die Realität ist davon heute noch weit entfernt", sagt Yann Le Cam, Vorstandsvorsitzender der Europäischen Organisation für Seltene Erkrankungen EURORDIS.

Die Seltenheit der Patienten und der Mangel an Experten, Wissen und Ressourcen erhöhten die Verletzlichkeit der Patienten mit Seltenen Krankheiten, die ohnedies schon unter lebensbedrohlichen, invalidisierenden, chronischen Krankheiten litten.

"Keineswegs verlangen wir, dass sie mehr und besser als andere chronisch Kranke behandelt werden", so Le Cam in einer Mitteilung seiner Organisation. "Im Gegenteil, sie haben die gleichen Bedürfnisse wie alle chronisch Kranken".

Seltene Krankheiten gehörten gegenwärtig aber zu den deutlichen Beispielen für unterschiedliche Gesundheitsversorgung - weltweit und auch in Europa.

In Europa leben nach Angaben von EURORDIS zum Beispiel 40  000 Patienten mit Zystischer Fibrose (CF). Aber je nachdem, in welchem Land sie geboren werden, stürben einige vor ihrem zehnten Geburtstag, wohingegen andere noch als Erwachsene leben, im Mittel bis zum 40. Lebensjahr.

Eine von der Europäischen Kommission finanzierte und 2010 im "Lancet" veröffentlichte Studie über die Situation CF-Kranker in mehreren europäischen Ländern habe in Hinblick auf die Zahl der lebenden Patienten und dem Sterbealter schockierende Unterschiede ergeben zwischen den älteren und neueren Mitgliedstaaten - unabhängig von der Bevölkerungszahl des Landes und der Häufigkeit der CF-Allele, erinnert EURORDIS.

Die wahrscheinliche Erklärung dafür, dass in einigen EU-Ländern viele Kinder mit CF schon in der frühen Kindheit sterben, sei der Mangel an angemessener Diagnostik und medizinischer Versorgung.

Durch die im Jahr 2000 in Kraft getretene europäische Verordnung zu Arzneien gegen Seltene Krankheiten stehen nach Angaben des vfa in der EU jetzt gut 60 Orphan-Drugs zur Verfügung.

Zudem hätten bis November 2010 rund 800 noch nicht abgeschlossene Entwicklungsprojekte für weitere Arzneitherapien den Orphan-Drug-Status erhalten. Diese Projekte könnten in den nächsten Jahren zu weiteren Zulassungen führen.

Zu den 2010 eingeführten Orphan-Drugs zählen Mifamurtid (Mepact®) zur Therapie von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit nicht metastasierten, resezierbaren hochmalignen Osteosarkomen, der Thrombopoetin-Rezeptor-Agonist Eltrombopag (Revolade®) zur Therapie bei chronischer immunthrombozytopenischer Purpura (ITP) und Amifampridin (Firdapse™) zur symptomatischen Therapie von Erwachsenen mit Lambert-Eaton Myasthenischem Syndrom (LEMS).

In Europa gilt eine Krankheit als selten, wenn nicht mehr als fünf von 10 000 Einwohnern betroffen sind, erinnert der vfa. In Europa leiden etwa 30 Millionen Menschen an einer von etwa 6000 Seltenen Krankheiten, davon rund vier Millionen in Deutschland.

www.achse.info, www.eurordis.org, www.vfa.de/orphans

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Hantavirus und Ebolavirus

Was Patienten brauchen, die Sorge vor einem neuen Virusausbruch haben

Vielfalt der Musikermedizin

Ihr Patient ist Musiker? Was dann relevant werden könnte

Das könnte Sie auch interessieren
Welche Rolle spielt Zink?

© Tondone | AdobeStock

Immunsystem unterstützen:

Welche Rolle spielt Zink?

Anzeige | Wörwag Pharma GmbH & Co. KG
Impf- und Zinkstatus im Blick

© Wörwag Pharma | KI-generiert

Bei Risikogruppen:

Impf- und Zinkstatus im Blick

Anzeige | Wörwag Pharma GmbH & Co. KG
Wann die Zinkversorgung knapp werden könnte

© artemidovna | AdobeStock

Ernährungsfallen:

Wann die Zinkversorgung knapp werden könnte

Anzeige | Wörwag Pharma GmbH & Co. KG
DMykG 2025: So dringt Bifonazol effektiv in die Nagelplatte ein

© Matt LaVigne | iStock

Neue in-vitro-Daten

DMykG 2025: So dringt Bifonazol effektiv in die Nagelplatte ein

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Bifonazol: Antimykotikum mit antientzündlicher Wirkung

© Irina Esau | Getty Images/iStockphoto

Fokus: Integrität der Haut

Bifonazol: Antimykotikum mit antientzündlicher Wirkung

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Die Bedeutung von Bifonazol in der Therapie der Tinea capitis

© Prof. Dr. med. Hans-Jürgen Tietz

Pilzinfektion Kopfhaut

Die Bedeutung von Bifonazol in der Therapie der Tinea capitis

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Aktuelle explorative Ad-hoc-Analysen der Studien SPOTLIGHT und GLOW: mOS vor und nach Zensierung†

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

CLDN18.2+, HER2− Adenokarzinom des Magens/gastroösophagealen Übergangs

Mit optimiertem Therapiemanagement den Behandlungserfolg mit Zolbetuximab unterstützen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Astellas Pharma GmbH, München
Tab. 1: Stufentherapieschema zur verlaufsmodifizierenden Therapie der generalisierten Myasthenia gravis

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [6]

Generalisierte Myasthenia gravis

Krankheitssymptome und Therapielast wirksam lindern

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Alexion Pharma Germany GmbH, München
Abb. 1: OS von Patientinnen mit Endometriumkarzinom und Mismatch-Reparatur-Profizienz bzw. Mikrosatellitenstabilität

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

Primär fortgeschrittenes/rezidivierendes Endometriumkarzinom

Nachhaltiger Überlebensvorteil durch Immuntherapie plus Carboplatin-Paclitaxel

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: GlaxoSmithKline GmbH & Co. KG, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Hantavirus und Ebolavirus

Was Patienten brauchen, die Sorge vor einem neuen Virusausbruch haben

Motivierende Gesprächsführung

Wie motiviere ich Patienten mit Depression zu Sport?

Lesetipps
Ein Stapel mit vielen Büchern

© Frank Rumpenhorst/dpa

State-of-the-Art

Was in den Praxisempfehlungen und Leitlinien der DDG neu ist

Blick über die Schulter eines Trompeters, der ein Konzert spielt.

© Kitreel / Stock.adobe.com

Vielfalt der Musikermedizin

Ihr Patient ist Musiker? Was dann relevant werden könnte