Kognitive Fähigkeiten im Test

Wer keine Zöliakie hat, braucht auch keinen Glutenverzicht

Bei Frauen, die nicht an Zöliakie leiden, hat der Verzicht auf Gluten einer US-Studie zufolge auch langfristig keinen Einfluss auf die kognitiven Fähigkeiten.

Von Dr. Christine Starostzik Veröffentlicht:
Glutenfreie Produkte – wie hier Brot – liegen im Trend. Wirklich nötig sind sie nur für einen geringen Teil der Bevölkerung.

Glutenfreie Produkte liegen im Trend. Wirklich nötig sind sie nur für einen geringen Teil der Bevölkerung.

© Peter Endig / dpa

Wichtiges in Kürze

  • Frage: Beeinflusst die Glutenzufuhr die kognitive Funktion in der Allgemeinbevölkerung?
  • Antwort: In der Kohortenstudie konnte kein Zusammenhang zwischen einer kurz- oder langfristigen Glutenaufnahme und der kognitiven Funktion festgestellt werden.
  • Bedeutung: Ohne bestehende Zöliakie ist die Glutenrestriktion zur Vermeidung kognitiver Probleme wirkungslos.
  • Einschränkung: Es wurden nur Frauen im mittleren Lebensalter untersucht.

Boston. Glutenfreie Diäten werden ja immer populärer, unter anderem soll sich damit die kognitive Funktion verbessern. So berichten es zumindest einige Bücher im Handel, die das Klebeeiweiß für allerhand Gesundheitsprobleme verantwortlich machen, unter anderem auch für Depressionen und Angstzustände. Wie sich ein solcher Verzicht auf Menschen auswirkt, die nicht an einer Glutenunverträglichkeit leiden, darüber ist bislang jedoch wenig bekannt.

Dieser Frage sind nun Dr. Yiqing Wang von der Harvard Medical School in Boston und Kollegen nachgegangen. In einer Kohortenstudie wurden die Daten aus der Nurses‘ Health Study II von insgesamt 13 .494 Frauen im Alter von durchschnittlich 61 Jahren ausgewertet, bei denen keine Zöliakie diagnostiziert worden war. Die Ernährungsgewohnheiten der Teilnehmerinnen waren von 1991 bis 2015 und deren kognitive Funktion (drei standardisierte Scores) von 2014 bis 2019 dokumentiert worden. Analysiert wurden psychomotorische Geschwindigkeit, Aufmerksamkeit, Gedächtnisleistung sowie die globale Wahrnehmung. Die Glutenaufnahme war alle vier Jahre aufgrund einer Befragung eingeschätzt worden.

Die durchschnittliche Glutenzufuhr lag bei 6,3 g/Tag (4,3 bis 8,6 g/Tag). In der multivariablen Analyse konnten Wang und Kollegen keine kognitiven Unterschiede zwischen den Teilnehmerinnen mit der höchsten und der niedrigsten Glutenaufnahme feststellen (JAMA Network Open 2021; online 21. Mai).

Allgemeine Empfehlungen nicht sinnvoll

Auch nach Berücksichtigung von Variablen wie beispielsweise gemahlenem Getreide beziehungsweise Vollkorn oder Veränderungen der Glutenaufnahme im Zeitverlauf blieb in verschiedenen Modellberechnungen das Ergebnis unverändert. Zu vergleichbaren Ergebnissen kamen die Studienautoren auch, wenn bei einer Sensitivitätsanalyse Frauen mit Krebserkrankungen, Demenz oder mangelnder Compliance von der Analyse ausgeschlossen wurden.

Das Fazit von Wang und Kollegen lautet: Allgemeine Empfehlungen, die Glutenzufuhr für Menschen ohne Zöliakie oder Glutensensitivität zu begrenzen, können aufgrund der Ergebnisse nicht befürwortet werden. Allerdings sollte die Analyse in weiteren Untersuchungen mit einer diverseren Gruppe von Studienteilnehmern bestätigt werden. (Mitarbeit: mmr)

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