Immunologie

Wie Sport Rheuma-Kranken nützt

Viele Rheuma-Patienten bewegen sich zu wenig – oft aus Sorge, dass sich die Gelenkfunktion dadurch verschlechtern könnte. Dabei kann Sport die Krankheit positiv beeinflussen.

Von Wiebke Kathmann Veröffentlicht: 17.10.2019, 12:56 Uhr
Wie Sport Rheuma-Kranken nützt

Bei körperlicher Aktivität setzen Muskeln Myokine frei, die sich bei RA positiv auf den Krankheitsverlauf auswirken.

© Monkey Business / stock.adobe.com

Dresden. Sportliche Aktivität sollte zum menschlichen Leben dazu gehören. Die WHO empfiehlt mindestens 150 Minuten moderater oder 75 Minuten intensiver körperlicher Aktivität pro Woche für jeden.

Diese Empfehlung gilt explizit auch für Patienten mit chronischen Erkrankungen, wie Dr. Philipp Sewerin, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, in der Sitzung „Schmerz und Aktivität in der Rheumatologie“ beim DGRh-Kongress in Dresden hervorhob.

Dieses Ziel ist heute mehr Vision oder Wunsch als Wirklichkeit, wie eine Umfrage einer deutschen Krankenkasse bei 3000 Versicherten ergab. Diese Aktivitätsziele erreichten nur 54 Prozent der Befragten.

Sorge vor schädlichen Effekten

Nicht anders sieht es in internationalen Kohorten von an einer Rheumatoiden Arthritis (RA) Erkrankten aus. Der allergrößte Teil der Befragten bewegte sich nicht regelmäßig. Außer in Finnland erfüllten weniger als 20 Prozent das Ziel eines mindestens dreimal wöchentlichen körperlichen Trainings.

Inaktivität war generell bei Frauen, älteren RA-Patienten und niedrigem Bildungsniveau häufiger. Die Inaktivität korrelierte mit Gesundheitsaspekten wie Übergewicht, Komorbiditäten, niedrigem funktionellen Status, höherer Krankheitsaktivität, Schmerzen und Fatigue – so die weitergehende Analyse.

Die Sorge vor schädlichen Effekten des körperlichen Trainings ist sicherlich ein Faktor für die Inaktivität von RA-Patienten. Weitere sind laut Sewerin Schmerzen und unkontrollierte Krankheitsaktivität, eine schon lange bestehende RA und letztlich auch die Tatsache, dass das Thema im Arztgespräch bisher eine eher untergeordnete Rolle spielt. Und dies, obwohl inzwischen ausreichend Evidenz für einen positiven Effekt von angemessener sportlicher Aktivität auf die Krankheitsaktivität vorliegt.

Wie Sewerin sagte, macht Sport über Endorphine nicht nur glücklich, sondern über Serotonin und Dehydroepiandrosteron auch selbstbewusst und leistungsfähiger.

Myokine werden freigesetzt

Viel wichtiger aber sei, dass er über von den Muskeln bei körperlicher Aktivität freigesetzte Zytokine, sogenannte Myokine, die Krankheit positiv beeinflusse. Diese Peptidhormone führen in Makrophagen zur Freisetzung von antientzündlichen Zytokinen, unterstützen den Knochenstoffwechsel, verbessern über Effekte auf die Bauchspeicheldrüse, die Leber und den Darm den Glukosestoffwechsel, regen im Fettgewebe den Fettstoffwechsel an und steigern in den Blutgefäßen die Endothelfunktion.

Zudem verbessern Myokine auch die kognitiven Fähigkeiten, wie die Protagonistinnen der Myokinforschung, Fabiana Benatti aus Sao Paulo und Bente Pedersen aus Kopenhagen zeigen konnten (Nat Rev Rheumatol 2015; 11: 86-97).

Inaktivität begünstigt dagegen ein entzündliches Synovium und die Akkumulation von viszeralem Fett, das wiederum zur Makrophageninfiltration und letztlich chronisch-systemischen Entzündung führt.

Wichtige Säule im RA-Management

Regelmäßiges Training und sportliche Aktivität sollten daher als notwendige und wichtige Säule im Management von RA-Patienten betrachtet werden und im Arzt-Patienten-Gespräch mehr Raum einnehmen.

Dabei sollte das Bild nicht mehr von Seniorinnen bei der Wassergymnastik, sondern für junge Rheumapatienten durchaus von athletische Vorbildern geprägt sein.

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