Diagnostik

Wie gut ist eine leichte COPD im Röntgen-Thorax erkennbar?

Ein ausreichender Anteil korrekt erkannter leichterer COPD-Fälle im Thorax-Röntgen ist nur um den Preis vieler falsch-positiver Ergebnisse zu haben, wie eine niederländische Studie zeigt.

Von Robert BublakRobert Bublak Veröffentlicht:
Kritischer Blick auf das Thorax-Röntgenbild.

Kritischer Blick auf das Thorax-Röntgenbild.

© DragonImages/stock.adobe.com

UTRECHT. Chronisch obstruktive Lungenerkrankungen (COPD) gelten als erheblich unterdiagnostiziert, die Suche nach einem effizienten Screening hat indes noch nicht zu überzeugenden Ergebnissen geführt. Zur Diagnose wie auch Klassifikation einer COPD wird dabei üblicherweise die Spirometrie herangezogen.

Womöglich stellte sich die Situation anders dar, wenn das Screening auf Patienten beschränkt würde, die bereits erste respiratorische Symptome aufweisen. Weil solche Patienten häufig zunächst zur Röntgenuntersuchung des Thorax geschickt werden, hat sich eine Gruppe niederländischer Radiologen um Annemarie den Harder von der Universitätsklinik Utrecht gefragt, ob sich leichte bis mittelschwere Fälle von COPD (Stadien GOLD I und II) vielleicht schon anhand der Standardaufnahmen des Röntgen-Thorax diagnostizieren lassen (Eur J Radiol 2017; 92: 159–165).

Typische radiologische Merkmale

Tatsächlich stellten sich einige radiologische Merkmale als recht charakteristisch für eine COPD im GOLD-Stadium I oder II und auch als relativ unabhängig vom einzelnen Begutachter der Aufnahmen heraus. Dazu gehörten

» der Abstand zwischen rechter Zwerchfellhälfte und erster Rippe rechts in der Aufnahme p.a. sowie

» die Höhe des rechten Diaphragmas,

» der Winkel zwischen Sternum und Diaphragma und

» der Retrosternalraum in der lateralen Aufnahme, zudem

» der allgemeine, für COPD typische Eindruck.

Wichtig schien es den Forschern um den Harder, in der klinischen Routine mit ihren vielen Thorax-Röntgenaufnahmen möglichst wenige falsch positive Ergebnisse zu erzielen. In der Festlegung der Schwellenwerte der genannten radiologischen Parameter wurden daher positive prädiktive Werte (PPV) von mindestens 80 Prozent angestrebt.

Sodann probierten die Radiologen ihre Kriterien an den Röntgenbildern von 155 Patienten mit spirometrisch nachgewiesener COPD im Stadium I oder II und von 155 lungengesunden Kontrollpersonen aus. Bei den Aufnahmen handelte es sich um Routinediagnostik vor kardiothorakalen Operationen.

Ein Viertel korrekt identifiziert

26 Prozent der COPD-Patienten konnten auf diese Weise korrekt klassifiziert werden. Allerdings wurde auch bei 22 Prozent der Gesunden fälschlich eine COPD diagnostiziert.

Der Versuch, die Zahl der falsch positiven Resultate zu senken, indem in einem sämtliche radiologischen Parameter und zusätzlich noch Alter, Geschlecht und Art der Op umfassenden komplexen Modell die Ausgangswahrscheinlichkeit für eine COPD auf 97 Prozent geschraubt wurde, gelang zwar.

Am PPV war ebenso wie an der Spezifität nun nichts mehr auszusetzen; sie lagen bei 100 Prozent, falsch positive Ergebnisse gab es nicht mehr. Richtig positive Resultate waren dadurch aber ebenfalls rar geworden: Die Sensitivität erreichte nur noch 10 Prozent.

Der Anteil richtig positiver Befunde ließ sich nur durch einen überproportionalen Anstieg falsch positiver Diagnosen steigern. Angesichts dessen fällt die Bilanz von den Harder und Mitarbeitern wenig überraschend aus.

"Von einer Diagnose leichterer COPD-Formen anhand der Standardröntgenbilder des Brustraums ist abzuraten", schreiben die Wissenschaftler. Und mittelschwere sowie schwere Fälle seien normalerweise bereits aufgrund der klinischen Befunde bekannt.

Mehr zum Thema

Charakterisierung der Atemwegsentzündung

Was bei Asthma der Blick durchs Mikroskop verrät

Kommentare

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Jetzt anmelden »Kostenlos registrieren »

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

» kostenlos und direkt in Ihr Postfach

Am Morgen: Ihr individueller Themenmix

Zum Feierabend: das tagesaktuelle Telegramm

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Tendenz weiter nach oben: Mit bis zu 400.000 Infektionen durch Omikron pro Tag rechnen Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach und RKI-Präsident Lothar Wieler (l.).

© Wolfgang Kumm / dpa

Neue Testverordnung

PCR-Tests: Details zur Priorisierung kommen nächste Woche

Für Frauen gelten andere Impfregeln als für Männer, etwa beim Schutz gegen sexuell übertragbare Krankheiten. (Symbolbild mit Fotomodellen)

© Djomas / stock.adobe.com

Neue STIKO-Empfehlungen

Welchen Impfschutz junge Frauen brauchen

Erst lokale Modellprojekte zur Grippeimpfung, jetzt bundesweit mit COVID-Vakzinen am Start: Die Apotheker haben erfolgreich einen Fuß in die ambulante Versorgung gesetzt.

© David Inderlied/picture alliance

Impfkampagne

Apotheker ready für die Corona-Impfung to go