Hepatitis

Wie kann ein effektives Screening aussehen?

Die Elimination der Hepatitis ist ein Ziel der WHO. Doch in Deutschland wissen bis zu 50 Prozent der HCVInfizierten nicht von ihrer Erkrankung.

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NEU-ISENBURG. Bis zum Jahr 2030 sollen nach dem Willen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) Hepatitis B und C eliminiert sein. Damit das Ziel auch in Deutschland erreicht werden kann, ist ein effektives Screening-Programm nötig, betonte Professor Claus Niederau, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Leberhilfe in einer Mitteilung zum Deutschen Lebertag im November.

Knapp 250.000 Menschen sind in Deutschland mit dem Hepatitis CVirus infiziert. Es wird jedoch davon ausgegangen, dass etwa 40 bis 50 Prozent der Infizierten nicht bekannt sind.

Gelinge es, alle diese Menschen durch ein Screening in den bekannten Risikogruppen frühzeitig in die Therapie zu bringen, reduziere sich mit den Jahren zwangsläufig die Zahl der Neuinfektionen, hieß es bei der Vorstellung des "Eco-Hep-Reports" der Deutschen Leberhilfe in diesem Jahr.

Nur noch 834 Infizierte bis 2040?

Werden auf heutigem Niveau bis 2023 jährlich 25.000 Eradikations-Therapien vorgenommen, könne es dem Report zufolge gelingen, die Zahl der HCV-Infizierten bis 2025 auf 5500 und bis 2040 auf nur noch 834 zu senken.

Wie eine Screening-Strategie aussehen kann, wurde in einer deutschen Studie untersucht (J Hepatol 2015; 62: 1256-1264). In 51 Hausarztpraxen in Nordrhein-Westfalen wurden beim Check-up 35 über 21.000 Personen auf eine HBV- und HCV-Infektion gescreent. Anhand eines Fragebogens wurden potenzielle Risikofaktoren erhoben.

Die Prävalenz von Patienten, die positiv auf HBsAg, anti-HCV oder HCV-RNA getestet wurden, betrug 0,52, 0,95 und 0,43 Prozent. 85 Prozent der HBsAg- und 65 Prozent der Anti-HCV-positiven Personen war die Infektion zuvor unbekannt.

Signifikant mit einer HBV-Infektion assoziiert waren Immigration, HBV-Infektion im Haushalt und männliches Geschlecht. Bei der HCV-Infektion wurden ein (Zustand nach) i.v.-Drogenabusus, Bluttransfusionen vor 1992 und Immigration als wichtigste Risikofaktoren in der Fragebogenauswertung ermittelt.

Nur 26 Prozent der Bevölkerung müssten gescreent werden

Die Studienautoren um Dr. Johannes Wiegand vom Universitätsklinikum Leipzig haben nun errechnet, dass ein Screening bei Anwesenheit eines der Hepatitis-B-Risikofaktoren oder erhöhter Alanin-Aminotransferase (ALT)-Werte, die in der Studie ebenfalls untersucht wurden, 82 Prozent der bisher unentdeckten Hepatitis-B-Patienten identifizieren könnte.

Würden Personen mit einem der drei HCV-Risikofaktoren oder erhöhtem ALT-Wert untersucht, könnten 83 Prozent der unentdeckten HCV-Infizierten detektiert werden. Dazu müssten nur 26 Prozent der Bevölkerung gescreent werden, so die Autoren.

"Die Daten dieser Analyse weisen den Weg für eine rationale Screening-Strategie, die den neuen Therapieoptionen Rechnung trägt", kommentiert Professor Jürgen Pohl von der Asklepios Klinik Altona, Hamburg, im Manuskript zum Internisten Update 2016 die Studie. (grz)

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