Versorgungsatlas

Zahlen zu RA sorgfältig interpretieren!

Die Zahl der RA-Patienten ist nach Daten des Versorgungsatlas‘ stark gestiegen. Doch ist tatsächlich eine Zunahme der Krankheit die Ursache? Rheumatologen raten zur gewissenhaften Interpretation.

Veröffentlicht: 12.12.2017, 13:35 Uhr

BERLIN. Das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (ZI) hat aktuelle Zahlen vorgelegt, die für eine kontinuierlich steigende Krankheitshäufigkeit der rheumatoiden Arthritis (RA) sprechen (die "Ärzte Zeitung" berichtete). Das Institut nutzte als Grundlage für die Berechnungen die vertragsärztlichen Abrechnungsdaten von 2009 bis 2015 (ICD10-Kodierung).

Im Ergebnis schätzt das ZI die epidemiologische RA-Prävalenz im Jahr 2014 auf 1,23 Prozent (1,7 Prozent bei Frauen und 0,7 Prozent bei Männern) – und damit deutlich höher als angenommen: Auf Basis älterer Studien gingen Forscher bisher davon aus, dass die Erkrankungshäufigkeit bei 0,8 bis 0,9 Prozent der Bevölkerung liegt. Auffällig war auch ein "Diagnose-Gefälle" von Nord/Nordost nach Süd/Südwest.

Die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) weist darauf hin, dass die Gründe für ein solches Ergebnis vielfältig sein können. Zweifelsohne sei bei zunehmend guten Behandlungsmöglichkeiten auch der Behandlungsbedarf gestiegen. Umso wichtiger sei es, dass Rheumatologen die richtige Diagnose stellen beziehungsweise bestätigen, um Betroffene früh zu behandeln und Fehlbehandlungen zu vermeiden. Das ZI selbst interpretiere die Ergebnisse als Hinweis auf eine wachsende Bedeutung der RA in der vertragsärztlichen Versorgung, berichtet die DGRh in einer Mitteilung. "Wir wissen jedoch nicht, ob der beobachtete Anstieg auf eine tatsächliche Zunahme der Krankheit zurückgeht", wird DGRh-Expertin Professor Angela Zink zitiert.

Dies könne ebenso an einem veränderten Kodierverhalten der Ärzte liegen. Rheuma werde früher erkannt und die Lebenserwartung habe sich dank neuer Therapien gebessert, auch dies könne zu einem Patientenanstieg führen. Einfluss habe auch die Qualität der Diagnosen, die selbst nicht immer sicher seien. "Deshalb ist es wichtig, dass internistische Rheumatologen die Patienten versorgen", so Professor Hanns-Martin Lorenz, Präsident der DGRh. (eb)

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