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Prostatakrebs

Zigaretten ebnen aggressiven Tumoren den Weg

Zigarettenqualm erhöht das Krebsrisiko für eine ganze Reihe von Organen, bei der Prostata ist das aber noch nicht erwiesen. Überraschende Erkenntnisse liefert nun eine US-Studie.

Von Thomas Müller Veröffentlicht:
Vor allem bei dünnen Tabakkonsumenten scheint das Risiko für aggressive Tumoren in der Prostata erhöht zu sein.

Vor allem bei dünnen Tabakkonsumenten scheint das Risiko für aggressive Tumoren in der Prostata erhöht zu sein.

© Hannes Strasser/Fotolia.com

DURHAM. Die beim Rauchen inhalierten Karzinogene vermögen das Krebsrisiko für eine ganze Reihe von Organen zu erhöhen, ob die Prostata dazu gehört, ist aber nach wie vor unklar. Große Kohortenstudien lieferten keine klaren Ergebnisse: So war in vielen Studien die Tumorinzidenz bei Rauchern nicht erhöht, aber die Tumormortalität.

Möglicherweise erhöht Rauchen also die Gefahr für aggressive Tumoren. Andere Erklärungen wären, dass Raucher seltener am Screening teilnehmen oder erst zum Arzt gehen, wenn die Erkrankung schon weit fortgeschritten ist.

Biopsien ausgewertet

Einen Hinweis, aus welcher Richtung der Wind weht, haben US-amerikanische Forscher um Tammy Ho von der Universität in Durham nun durch die Studie REDUCE* bekommen. Primäres Ziel der Untersuchung war, den Nutzen des 5a-Reduktase-Hemmers Dutasterid in der Krebsprävention zu prüfen.

Da aber alle teilnehmenden Männer zu ihrem aktuellen und vergangenen Nikotinkonsum befragt wurden und Biopsien einmal vor und zweimal während der Studie geplant waren, konnte das Team um Ho nun in einer Anschlussanalyse auch die Biopsiebefunde mit den Rauchgewohnheiten in Verbindung bringen.

Weil sich alle Männer gleichermaßen Folgebiopsien unterziehen sollten, müsste nun erkennbar sein, ob Raucher tatsächlich riskantere Tumoren bekommen oder nur seltener zum Screening erscheinen (Clinical Cancer Research 2014; ePub 19. August).

An der Studie hatten über 8100 Männer aus Europa und den USA teilgenommen. Sie waren im Alter über 50 Jahren und zeigten zumindest leicht erhöhte PSA-Werte (über 2,5 ng/ml bei 50- bis 60-Jährigen, mehr als 3,0 ng/ml bei über 60-Jährigen).

Voraussetzung für die Teilnahme war eine Biopsie mit negativem Befund in den sechs Monaten vor Studienbeginn. Geplant waren unabhängig vom PSA-Wert zwei weitere Biopsien nach zwei und vier Jahren.

Ho und Mitarbeiter hatten nur solche Männer berücksichtigt, die mindestens eine weitere Biopsie über sich ergehen ließen - das waren 6420 Teilnehmer. Von diesen hatte etwas weniger als die Hälfte nie geraucht (46 Prozent), etwas über 14 Prozent rauchten aktuell und 40 Prozent waren ehemalige Raucher.

Erhöhtes Risiko für dünne Raucher

Wie sich herausstellte, zeigten bei der ersten Folgebiopsie 17,2 Prozent ein positives Ergebnis, 6 Prozent aller Teilnehmer hatten einen wenig differenzierten Tumor.

Wurde nun eine Reihe von Faktoren wie Alter, BMI, PSA-Spiegel oder Wohnort berücksichtigt, dann ließ sich weder für aktuelle noch für ehemalige Raucher ein erhöhtes Prostatakrebs-Risiko feststellen, allerdings war die Rate an wenig differenzierten Tumoren bei den aktuellen Rauchern um 45 Prozent höher als bei Nichtrauchern, und bei den ehemaligen Rauchern offenbarte sich eine um 21 Prozent erhöhte Rate solcher Tumoren.

Der Unterschied war jedoch nur bei den aktuellen Rauchern signifikant und auch nur dann, wenn der BMI unter 25 lag. Bei dünnen oder normalgewichtigen Rauchern war die Rate an niedrig differenzierten Tumoren sogar um über 80 Prozent erhöht, bei dicken Rauchern gab es keine Unterschiede zu dicken Nichtrauchern.

Vor allem bei dünnen Tabakkonsumenten scheint also das Risiko für aggressive Tumoren erhöht zu sein. Erklärt dies nun das erhöhte Sterberisiko für Raucher mit Prostatakrebs? Vermutlich nicht ganz.

Das Team um Ho stellte auch fest, dass Nikotinliebhaber seltener zu den geplanten Folgebiopsien erschienen. Die Beteiligung war bei ihnen um 36 Prozent geringer als bei Nichtrauchern.

Es dürften also beide Faktoren von Bedeutung sein: Raucher entwickeln häufiger aggressive Tumoren, zugleich gehen sie seltener zum Urologen als Nichtraucher.

*REDUCE: Reduction by Dutasteride of Prostate Cancer Events

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