Junge Männer und Alkoholkonsum

Zu viel Alkohol geht auf die Hoden

Je höher der Alkoholkonsum, umso kleiner sind die Hoden junger Männer, haben italienische Forscher festgestellt. Ihre plausible Erklärung: Alkohol stört die Hodenentwicklung. Vielleicht verleiten aber auch kleinere Hoden zu einem stärkeren Alkoholgenuss.

Von Thomas Müller Veröffentlicht: 20.06.2019, 14:33 Uhr
Zu viel Alkohol geht auf die Hoden

Das hört Mann nicht gern: Alkohol könnte die Hodenentwicklung stören.

© diy13 / stock.adobe.com

Das Wichtigste in Kürze

Frage: Wie hängen Hodengröße und Risikoverhalten junger Männer zusammen?

Antwort: Männer mit kleineren Hoden trinken mehr Alkohol.

Bedeutung: Alkohol könnte die Hodenentwicklung stören.

Einschränkung: Kausalität bleibt unklar, vielleicht steigern kleine Hoden das Risikoverhalten. Resultate basieren auf subjektiven Fragebogenangaben.

ROM. Junge Männer sind nicht gerade dafür bekannt, sorgsam mit ihrer Gesundheit umzugehen – Sex, Drogen und Alkohol gehören nun einmal zum Alltag vieler Heranwachsenden.

Die meisten legen ihr riskantes Gesundheitsverhalten zwar später wieder ab, allerdings können einige Spätfolgen persistieren. So steht möglicherweise eine reduzierte Fertilität im Zusammenhang mit einem ungesunden Lebenswandel in der Jugend, geben Ärzte um Dr. Daniele Gianfrilli von der Sapienza-Universität in Rom zu bedenken.

Sie verweisen auf die besondere Vulnerabilität des sich entwickelnden Urogenitalsystems im Jugendalter. Alkohol, illegale Drogen oder sexuell übertragene Krankheiten (STI) könnten dieses empfindlich stören.

In einer großen Querschnittsuntersuchung fanden sie in der Tat einen Zusammenhang zwischen hohem Alkoholkonsum und kleinen Hoden. Wer als heranwachsender ordentlich ins Glas schaut, muss daher vielleicht um seine Fruchtbarkeit fürchten (Andrology 2019; online 11. Juni).

23 Prozent mit zu kleinen Hoden

Die Hinweise basieren zum einen auf der Befragung von knapp 10.000 italienischen Abiturienten, zum anderen auf einer urologischen Untersuchung von rund 3800 der Interviewten.

Die Forscher verwendeten den Risikoverhaltensfragebogen der US-Behörde CDC (CDC YRBS).

Von den zumeist 18-Jährigen rauchte danach ein Drittel regelmäßig, vier von fünf tranken Alkohol, 28 Prozent konsumierten im Schnitt fünf oder mehr alkoholische Getränke am Wochenende, rund die Hälfte hatte schon einmal illegale Drogen probiert, 29 Prozent auch im Monat vor der Befragung.

60 Prozent waren bereits sexuell aktiv, 13 Prozent hatten im Jahr vor der Befragung vier oder mehr Geschlechtspartner. Im Schnitt erfolgte der erste Sexualakt nach Angaben der Befragten im Alter von 16 Jahren, rund die Hälfte gab zu, schon einmal ungeschützt Sex gehabt zu haben.

Die urologische Untersuchung per Orchidometer ergab für 23 Prozent der jungen Männer eine Hodenhypotrophie, dabei war meistens der linke Hoden kleiner als der rechte. 14 Prozent der Männer präsentierten beidseitig zu kleine Hoden.

Eine Varikozele fanden die Ärzte unter 27 Prozent der Untersuchten, eine Phimose bei rund 7 Prozent. Etwa 5 Prozent beklagten eine vorzeitige Ejakulation und ebenso viele nannten eine STI.

Risiken addieren sich

Die Forscher um Gianfrilli konzentrierten sich vor allem auf das Hodenvolumen, welches sie als wichtigsten Indikator für die andrologische Gesundheit erachteten. Dieses korrelierte vor allem mit dem BMI und dem Alkoholkonsum.

So hatten besonders dünne Männer häufiger zu kleine Hoden, aber auch solche mit hohem Alkoholkonsum. Wer am Wochenende im Schnitt zwei oder mehr alkoholische Getränke konsumierte, hatte ein etwa 5 ml kleineres Hodengesamtvolumen (30 versus 35 ml) als junge Männer mit geringerem Konsum.

Starkes Rauchen und regelmäßiger Genuss illegaler Drogen gingen mit einem marginal um 1,5–2 ml reduzierten Hodenvolumen einher.

Eine ausgeprägte Varikozele war erwartungsgemäß ebenfalls mit kleineren Hoden verbunden (minus 5–6 ml), und das Hodenvolumen war noch kleiner, wenn solche Männer stark rauchten oder viel Alkohol tranken. Dies spricht dafür, dass sich die jeweiligen Risiken addieren.

Ähnliches konnten die Ärzte um Gianfrilli beobachten, wenn sie den Konsum von Zigaretten und illegalen Drogen analysierten: Wer beiden Lastern frönte, hatte kleinere Hoden als Männer mit nur einem.

Alkohol ungünstig für Hodenentwicklung

Allerdings lassen sich nach den Berechnungen der Forscher nur rund 10 Prozent der Variabilität bei der Hodengröße mit Lebensstilfaktoren erklären. Das Alter beim Beginn der Pubertät, der BMI oder zurückliegende Erkrankungen haben zusammengenommen einen weit größeren Einfluss.

Nichtsdestotrotz sehen die Studienautoren ein beachtliches Risiko für die Sexualentwicklung vor allem bei hohem Alkoholkonsum. Alkohol könne die Produktion von Sexualhormonen stören und sei daher für die Hodenentwicklung eher ungünstig.

Ob ein hoher Alkoholkonsum von Heranwachsenden tatsächlich die Fruchtbarkeit mindert, müsse aber erst in prospektiven Studien gezeigt werden.

Nicht ausschließen lässt sich zudem, dass kleinere Hoden zu einem gesteigerten Risikoverhalten führen. Vielleicht müssen Männer mit kleineren Hoden und dadurch verminderter Fertilität mehr Risiken eingehen, um ihre Spermien an die Frau zu bringen.

Ein solches Verhalten könnte ebenfalls über Sexualhormone gesteuert werden. Dann wäre ein hoher Alkoholkonsum eher die Folge als die Ursache kleiner Hoden.

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Kommentare
Dr. Horst Grünwoldt

Alkohol

Wenn in D über Alkohol gesprochen wird, dann i.d.R. undifferenziert über Bier-Wein- und Schnaps-Konsum.
Dabei macht es doch pharmakologisch (-kinetisch) einen riesigen Unterschied, ob jemand nach der Arbeit oder dem Sport eine 5-13%ige wäßrig-alkoholische Lösung genießt, oder sich das 40%ige Lösungsmittel (Spirituosen aller Art) "hinter die Binde" oder "auf die Lampe" gießt!
Dass letztere nicht nur die Lipoproteine der Hirnsubstanz schädigen können, sondern in der hämatogenen Verteilung auch negative Wirkung auf alle Gewebe mit hoher Zellteilung haben -wie die spermatogenen Hodenendothelien- dürfte evident sein.
Davon sind gewiß auch Ältere betroffen, wenn die zu ihrer testosteronabhängigen "Gonadenschwäche" sich auch noch dem regelmäßigen Schnapskonsum hingeben.
Dr. med. vet. Horst Grünwoldt, Rostock


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