Studien in Großbritannien

Absichtliche Corona-Infektionen für Impfstofftests geplant

Die Welt kämpft mit den Folgen der Corona-Pandemie. Die Sehnsucht nach einem wirksamen Impfstoff gegen das Virus ist groß. Das führt dazu, dass einige auch auf umstrittene Methoden setzen.

Veröffentlicht: 27.09.2020, 15:25 Uhr
Sollen Menschen absichtlich dem Virus ausgesetzt werden, um festzustellen, ob ein Impfstoff dagegen wirksam ist?

Sollen Menschen absichtlich dem Virus ausgesetzt werden, um festzustellen, ob ein Impfstoff dagegen wirksam ist?

© tomertu / stock.adobe.com

London. In London sollen einem Bericht zufolge Menschen für Impfstoff-Tests absichtlich mit dem Coronavirus infiziert werden. Gesunde, erwachsene Freiwillige sollen dabei im neuen Jahr unter kontrollierten Quarantäne-Bedingungen dem Coronavirus ausgesetzt werden, nachdem sie einige Wochen zuvor einen potenziellen Impfstoff verabreicht bekommen haben, wie die „Financial Times“ unter Berufung auf Projektbeteiligte schreibt.

Man arbeite mit Partnern zusammen, um mithilfe von „Human Challenge“-Tests die Entwicklung von Impfstoffen zu beschleunigen, bestätigte ein Regierungssprecher der Deutschen Presse-Agentur in London.

„Human Challenge Trials“ – so lautet der englischsprachige Fachbegriff – haben den Vorteil, dass die Wirksamkeit eines Impfstoffs unmittelbar festgestellt werden kann. Im Gegensatz dazu sieht das übliche Verfahren vor, oft Zehntausende Menschen zu impfen und dann zu schauen, ob sich weniger Menschen auf natürliche Weise infizieren als in einer ungeimpften Kontrollgruppe.

Ethische Bedenken

„Human Challenge Trials“ sind unter Wissenschaftlern allerdings umstritten. Einige betonen den großen Nutzen, den solche Studien für eine ganze Gesellschaft haben könnten. Andere äußern ethische Bedenken und verweisen auf enorme gesundheitliche Risiken, die die Infektion mit einem in vieler Hinsicht noch unerforschten Erreger wie Sars-CoV-2 haben könnte.

Das federführend von dem Londoner Imperial College geleitete Projekt soll in der kommenden Woche offiziell vorgestellt werden und im Januar beginnen. Dem Bericht zufolge handelt es sich dabei um die ersten Versuche dieser Art weltweit.

2000 Freiwille stehen angeblich bereit

Über die US-amerikanische Organisation 1DaySooner, die sich für Challenge-Studien am Menschen stark macht, sollen sich bereits rund 2000 Freiwillige für ein solches Projekt in Großbritannien gefunden haben. Bislang waren Pläne für solche Tests vor allem theoretischer Natur.

Etliche potenzielle Impfstoffe gegen das Coronavirus werden weltweit bereits getestet. Einige aussichtsreiche Vakzine befinden sich bereits in der wichtigen Testphase III, in der überprüft wird, ob das Mittel nicht nur verträglich, sondern auch tatsächlich wirksam ist. (dpa)

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