Kommentar

Androgene als Nachteil

Androgendeprivationstherapie gegen Prostatakrebs hat sich in einer Studie als Vorteil im Fall von SARS-CoV-2-Infektionen erwiesen. Was folgt daraus? Wenn man das wüsste.

Von Robert Bublak Veröffentlicht: 07.05.2020, 13:58 Uhr

Frauen sind in vieler Hinsicht gesundheitlich robuster als das männliche Geschlecht. Auch im Fall der COVID-19-Pandemie erweisen sie sich als widerstandsfähiger: Erkrankte Frauen müssen seltener stationär behandelt werden, sie werden weniger oft intensivpflichtig und ihre Mortalitätsrate ist niedriger.

Dies bestätigen die Ergebnisse einer nun vorliegenden italienischen Studie. Sie zeigen aber noch mehr – nämlich dass eine Androgendeprivationstherapie (ADT) von Männern mit Prostatakarzinom eine geringere Rate an SARS-CoV-2-Infektionen nach sich zieht, wenn man die Rate von Prostatakrebskranken ohne ADT dagegenhält.

Von schweren Verläufen waren Männer ohne ADT viermal so häufig betroffen wie Patienten mit ADT. Die Forscher erklären das mit der Funktion von Androgenen und ihrem Rezeptor. Der nämlich kontrolliert die Serin-Protease TMPRSS2, die wiederum das Anheftungsprotein Spike des Virus aktiviert. ADT reguliert TMPRSS2 herunter. Es ist daher vorstellbar, dass dadurch die Infektionschancen von SARS-CoV-2 sinken.

Nebenbei wirken Androgene auch noch immunsuppressiv. Alles gute Gründe, weshalb ADT im Fall von SARS-CoV-2 nützlich sein könnte. Könnte – denn sicher ist das keineswegs. Die Ergebnisse sind nicht für multivariable Einflüsse korrigiert und bedürfen der Prüfung in großen Kohorten. Sicher ist vorläufig nur eines: Um in puncto COVID-19 besser dazustehen als die Männer, benötigen Frauen keine ADT.

Schreiben Sie dem Autor: robert.bublak@springer.com

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