Corona-Pandemie

Baden-Württembergs Kliniken driften mit Volldampf in die roten Zahlen

Baden-Württembergs Krankenhäuser fordern einen vollständigen Ausgleich der Einbußen, die sie durch die Pandemie gegenüber 2019 erleiden. Die neuen Versorgungszuschläge für Corona-Patienten seien nicht genug.

Von Christoph WinnatChristoph Winnat Veröffentlicht:

Stuttgart. Nicht wenige Kliniken Baden-Württembergs stehen schon seit geraumer Zeit mit dem Rücken an der Wand. Nun gräbt die Corona-Pandemie den Häusern zusätzlich das Wasser ab.

Pünktlich zur heißen Phase des Regierungswechsels schlägt die Landeskrankenhausgesellschaft (BWKG) Alarm: „Das Pandemiejahr 2021 droht für die Krankenhäuser zum finanziellen Desaster zu werden. Die Politik muss hier umgehend tätig werden, und zwar auf der Bundes- und der Landesebene“, so jetzt der BWKG-Vorsitzende Heiner Scheffold.

Zum Beleg führt Scheffold die Ergebnisse des jüngsten „BWKG-Indikators“ an, einer seit 2010 alljährlichen Umfrage, wie Klinik-Geschäftsführern die wirtschaftliche Lage ihrer Häuser beurteilen. Danach erwarten 65 Prozent der bis November befragten Klinikmanager, dass ihr Haus 2021 unterm Strich mit einem Minus schließen wird.

Verlust-Erwartung hoch wie nie zuvor

Scheffold: „Eine derartig hohe Defizitquote gab es noch nie bei den Indikator-Umfragen.“ Im Vorjahr (2020) kam die Defizit-Erwartung mit 35 Prozent auf den niedrigsten Wert seit 2016, was vermutlich nicht zuletzt dem neunmonatigen Rettungsschirm geschuldet war.

Lediglich 13 Prozent der Kliniken im Ländle erwarten für 2021 ein positives, knapp 22 Prozent ein ausgeglichenes Nettoergebnis. Auch der Indikator für den Fachkräftemangel erreiche aktuell einen neuen Höchststand, heißt es weiter. 92,6 Prozent der Kliniken hätten derzeit Schwierigkeiten, offene Stellen in der Pflege zu besetzen.

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Währenddessen gebe es staatlicherseits keine nachhaltige Hilfe. „Inmitten einer Pandemie, in der die Krankenhäuser eine zentrale Rolle einnehmen, lässt die Politik die Kliniken bisher finanziell im Regen stehen!“, beklagt der BWKG-Vorsitzende. Über den bis Mitte dieses Jahres laufenden Krankenhaus-Rettungsschirm würden zunächst nur 98 Prozent des stationären Leistungsniveaus von 2019 abgesichert.

Von Zuschlägen bleibt nicht viel

Die im Zuge des überarbeiteten Infektionsschutzgesetzes jetzt für die Zeit vom 1. November 2021 bis 19. März 2022 eingeführten „Versorgungsaufschläge“ (§21a Krankenhausfinanzierungsgesetz) hätten zwar „eine kleine Verbesserung für die Krankenhäuser gebracht, die COVID-19-Patientinnen und -Patienten behandeln“, konzediert Scheffold.

Doch bleibe davon nicht viel hängen. So könne eine Klinik von 7800 Euro Versorgungszuschlag pro Corona-Fall lediglich 15 Prozent als Erlös verbuchen. Der Rest, argumentiert Scheffold, stütze nur kurzfristig die Liquidität, müsse schlussendlich „aber wieder zurückgegeben werden“.

Ein weiteres Problem seien darüber hinaus die unsicheren Aussichten für 2022, wie Richard Wentges, Vorstandsvorsitzender der Vincentius-Diakonissen-Kliniken, Karlsruhe, der „Ärzte Zeitung“ sagte. Die Krankenhäuser seien „vollgestopft mit Corona-Patienten – und wir wissen nicht, wie das kommende Jahr noch werden wird.“ Politische Signale zugunsten eines längerfristig tragenden Ausgleichs gebe es bis dato keine.

Corona hat prekäre Lage verschärft

Zugleich bestreitet Wentges den Eindruck, die Pandemie könnte lediglich altbekannte Struktur- und Finanzprobleme der baden-württembergischen Kliniken forderungswirksam überdecken. Vielmehr habe Corona „eine deutliche Verschärfung gebracht“.

So sei nach bisheriger Bekundung der Geschäftsführer 2021 die Inanspruchnahme anderer als coronabedingter stationärer Leistungen landesweit um durchschnittlich zehn Prozent gegenüber 2019 zurückgegangen. Und dieser Befund, so Wentges, resultiere noch aus der Situation vor der 4. Welle.

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