Zunehmende Aggressivität

Brandenburger Polizei wendet sich mit Präventionsflyer an impfende Arztpraxen

Weil die Vorfälle mit Coronaleugnern und die generelle Aggressivität gegenüber Praxen und Impfteams zunehmen, hat Brandenburgs Polizei nun einen speziellen Präventions- und Deeskalationsflyer für Arztpraxen aufgelegt.

Von Benjamin LassiweBenjamin Lassiwe Veröffentlicht:
Selbstbewusst auftreten – das soll aggressive Patienten im Zaum halten.

Selbstbewusst auftreten – das soll aggressive Patienten im Zaum halten.

© kues1 / stock.adobe.com

Potsdam. „Treten Sie gegenüber aufgebrachten oder aggressiven Menschen ruhig, sicher und selbstbewusst auf. Sie wirken damit auch beruhigend auf Andere.“ Diese Sätze finden sich in einem neuen Flyer, mit dem das Brandenburger Polizeipräsidium den Mitarbeitern der impfenden Arztpraxen im Land Verhaltensempfehlungen für den Umgang mit schwierigen Zeitgenossen geben will. „Sollten Sie den Konflikt nicht beilegen, beenden Sie das Gespräch mit höflichen, aber bestimmten Worten. Fordern Sie die Person auf, den Behandlungsraum oder die Arztpraxis zu verlassen“, heißt es weiter.

Verschickt wird der Flyer von der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg (KVBB). Auch zum Vorgehen bei Strafanzeigen, etwa wegen Beleidigung oder Bedrohung, gibt der Flyer, der der „Ärzte Zeitung“ vorliegt, Hinweise. Denn das Klima im Land ist rauher geworden: Die Vorfälle mit Coronaleugnern und die generelle Aggressivität nehmen zu.

DRK: Mitarbeiter werden zunehmend zur Zielscheibe

Das Deutschen Rote Kreuz (DRK), das in Brandenburg Test- und Impfstellen sowie die mobilen Impfteams betreibt, erklärte am Donnerstag, dass es an verschiedenen Standorten zu teils aggressivem Verhalten gegenüber den Mitarbeitenden gekommen sei. „Es ist inakzeptabel, dass unsere Rotkreuzkameradinnen und -kameraden zur Zielscheibe von verbalen oder sogar tätlichen Angriffen werden“, sagte der Präsident des DRK-Landesverbands Brandenburg, Dr. Frank-Walter Hülsenbeck. „Wir appellieren daher ganz deutlich an alle Menschen in Brandenburg: Auch wenn die Situation derzeit angespannt und herausfordernd ist, gehen Sie respektvoll miteinander und mit unseren Ehrenamtlichen und Mitarbeitenden um!“ Die Mitarbeitenden vor Ort würden nur die geltenden Bestimmungen umsetzen, sagt Hülsenbeck. „Es gibt keinen Grund, sie hierfür anzugreifen.“

Und auch die Kassenärztliche Vereinigung Brandenburg (KVBB) appellierte am Freitag zu mehr Rücksichtnahme beim Impfen. „Diskutieren Sie nicht über den angebotenen Impfstoff“, sagte der KV-Vorsitzende, MU Dr./CS Peter Noack. „Beide zugelassenen mRNA-Impfstoffe sind hoch wirksam und sehr sicher – medizinisch spricht nichts gegen eine Kreuzimpfung.“

Großer Impf-Andrang

Denn in den Praxen gebe es immer noch erstaunlich viele Menschen, die nur wenig über die Wirkung der Impfstoffe wüssten, sagt die Vorsitzende des Brandenburger Hausärzteverbands, Karin Harre. Gleichzeitig erlebe man einen unglaublichen Andrang. Von Aggressivitäten in den Praxen oder gegenüber Praxismitarbeitern habe sie selbst aber noch nichts gehört. Der Sprecher des Potsdamer Polizeipräsidiums, Torsten Herbst, sagte am Freitag, in Brandenburg habe es bis zum 31.10. insgesamt 187 Straftaten im Zusammenhang mit Corona gegeben. Neben 54 Verstößen gegen das Versammlungsgesetz wurden etwa 35 Fälle von Sachbeschädigung, 13 Fälle von Beleidigungen, sieben Fälle von Nötigung, drei Bedrohungen und zwei Fälle von Körperverletzung erfasst. „Wir dürfen nicht verkennen, dass es diese Fälle ohne den Unmut Einzelner gegen die Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung nicht gäbe“, sagt Herbst. „Und insofern ist das sehr wohl ein Beleg dafür, dass die Aggressivität im Land zunimmt – bis hin zur Begehung von Straftaten.“

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