Corona-Splitter der KW 18/2021

Comirnaty® schützt auch vor asymptomatischer Infektion

Einer israelischen Studie zufolge liegt die Schutzwirkung vor asymptomatischer SARS-CoV-2-Infektion nach vollständiger Immunisierung mit Comirnaty® bei 86 Prozent.

Von Anne BäurleAnne Bäurle und Wolfgang GeisselWolfgang Geissel und Marco MrusekMarco Mrusek Veröffentlicht:
Die Erbanlagen von SARS-CoV-2 im Blick: Mutierte Virusvarianten könnten den Impfschutz unterlaufen!

Für die vollständige Grundimmunisierung sind zwei Dosen Corminaty® nötig. Dann besteht eine hohe Schutzwirkung sowohl vor symptomatischer als auch asymptomatischer Infektion.

© Eibner-Pressefoto / Fleig / picture alliance

Update vom 7. Mai

Comirnaty® schützt sowohl vor symptomatischer als auch vor asymptomatischer COVID-19. Das legt eine Studie aus Israel mit Daten von über 6000 Klinikmitarbeitern nahe. 88,7 Prozent hatten zumindest eine Dosis des Impfstoffs von BioNTech/Pfizer erhalten, darunter 82,2 Prozent, die die vollständige Grundimmunisierung mit zwei Dosen erhalten hatten. 11,3 Prozent der Klinikmitarbeiter waren ungeimpft. Alle Mitarbeiter wurden regelmäßig per PCR auf eine SARS-CoV-2-Infektion gescreent, daher konnten in allen Gruppen sowohl symptomatisch als auch asymptomatisch verlaufende Infektionen erfasst werden. Ergebnis: Der Schutz vor symptomatischer Infektion lag ab Tag 7 nach der 2. Impfdosis bei 97 Prozent, vor asymptomatischer Infektion bei 86 Prozent (JAMA 2021; online 6. Mai).

Update vom 6. Mai

Der mRNA-Impfstoff von BioNTech/Pfizer ist offenbar auch gut wirksam gegen die Coronavirus-Problemvarianten aus Großbritannien (B.1.1.7) und Südafrika (B.1.351). Das berichten Ärzte der „Weill Cornell Medicine-Qatar“. In dem Emirat waren ab März fast ausschließlich die beiden Varianten von SARS-CoV-2 aufgetreten. So wurden B.1.351 Anfang des Monats in etwa 50 Prozent und B.1.1.7 in 44,5 Prozent der Stichproben nachgewiesen. Anhand landesweiter Registerdaten ergab sich in dieser Zeit zwei Wochen nach der zweiten Dosis eine Impfstoff-Wirksamkeit allgemein gegen B.1.1.7-Infektionen von 89,5 Prozent, gegen B.1.351 waren es 75,0 Prozent. Insgesamt ergab sich ein genereller Impfschutz gegen schwere (und tödliche) COVID-19-Verläufe im März von 97,4 Prozent. Etwas geringer sei der Impfschutz nach den Daten in einer Kohortenstudie gewesen, so die Autoren: 87 Prozent gegen B.1.1.7 und 72 Prozent gegen B.1351. Bis Ende März waren nahezu 386.000 Einwohner einmal und 265.00 zweimal geimpft worden. Durchbruchsinfektionen wurden dabei selten registriert: 6689 bei einmal und 1616 bei zweimal Geimpften. Die reduzierte Wirksamkeit bei B.1.351 scheine nicht zur Zunahme schwerer Erkrankungen und Todesfälle zu führen, so die Ärzte (NEJM 2021; online 5. Mai).

Daten aus Israel sprechen für hochwirksamen Schutz von Comirnaty® gegen die britische Problemvariante B.1.1.7. Israelische Forscher haben sich Surveillance-Daten von Ende Januar bis Anfang April aus dem Impfprogramm mit der BioNTech/Pfizer-Vakzine angeschaut. In dieser Zeit war B.1.1.7 die dominierende Variante, und es gab bereits über 6,5 Millionen komplett Geimpfte im Alter ab 16 Jahre. In der Bevölkerung wurden in dieser Zeit registriert: 232.268 SARS-CoV-2-Infekte, 7694 COVID-19-Hospitalisierungen, 4481 schwere bis kritische Verläufe und 1113 COVID-19-Todesfälle. Daraus ergaben sich tägliche Inzidenzen von 91,5 SARS-CoV-2-Infektionen pro 100.000 Ungeimpfte und von 3,1/100.000 Geimpfte (ab sieben Tage nach der zweiten Dosis). Insgesamt wurden ermittelt: 97 Prozent Schutz vor symptomatischer COVID-19, 97,2 Prozent vor Hospitalisierung, 97,5 Prozent vor schweren und 96,7 Prozent vor tödlichen Verläufen. Nach der ersten Dosis betrugen die Schutzraten: 58 Prozent (vor Infektion), 76 Prozent (vor Hospitalisierung) und 77 Prozent (vor tödlichem Verlauf) (Lancet 2021; online 5. Mai).

Update vom 4. Mai

Im Lockdown mit Ausgangssperre reduzierten Jugendlichen ihren Drogenkonsum nicht. Außerdem haben körperliche Aktivitäten in dieser Zeit deutlich abgenommen. Forscher aus Kalifornien haben in einer prospektiven Kohortenstudie etwa 1000 Schüler der 9. und 10. Klassen vor der Pandemie (März 2019 bis Februar 2020) und danach (bis September 2020) regelmäßig zum Konsum von E-Zigaretten, Tabak, Alkohol und Cannabis sowie zu Sport und Bewegung befragt (über „personalized survey links“). Mitte März 2020 war in dem US-Staat eine Ausgangssperre verfügt worden. Während des Lockdown nahm der Konsum von Freizeitdrogen (binnen 30 Tagen vor einem Interview) nach Angaben der Jugendlichen nicht wesentlich ab. Der Anteil körperlich aktiver Jugendlicher (≥5 Tage mit Aktivitäten/Woche) ging aber deutlich zurück, von 53 Prozent vor Ausgangssperre auf 38 Prozent danach. Drogen-Prävention und Ausstiegshilfen bei Jugendlichen seien während des Lockdown unbedingt weiterzuführen, so die Forscher. Zudem seien verstärkte Maßnahmen zur Steigerung von Sport und Bewegung in der Altersgruppe nötig (JAMA Pediatr 2021; online 3. Mai).

Bewegungsmangel ist mit einem höheren Risiko für schwere COVID-Verläufe assoziiert. Das haben Forscher des US-Krankenversicherers Kaiser Permanente anhand der Registerdaten von über 48.000 corona-kranken Erwachsenen aus der Zeit von Januar bis Oktober 2020 belegt. Die Patienten waren anhand eigener Angaben zu regelmäßiger körperlicher Aktivität drei Gruppen zugeordnet (Pro Woche ≤10 Minuten Aktivität; 11-149 Minuten; ≥150 Minuten [Leitlinien]). Die weitgehend Inaktiven hatten im Vergleich zu den leitlinien-konformen Patienten ein mehr als verdoppeltes Risiko für Klinikeinweisungen (odds ratio, OR: 2,26) sowie für einen tödlichen Verlauf (OR 2,49). Auch das Risiko für die Verlegung auf die Intensivstation war deutlich höher (OR 1,73). Etwas weniger erhöht waren die Risiken der Inaktiven im Vergleich mit mäßig Aktiven. Die Forscher appellieren an Gesundheitsdienste, verstärkt den Schutz durch körperliche Bewegung anzusprechen (Br J Sports Med 2021; online 13. April).

Update vom 3. Mai

Eine SARS-CoV-2-Infektion bei Schwangeren ist mit Komplikationen beim Neugeborenen assoziiert. Das bestätigt eine prospektive Kohortenstudie aus Schweden von Forschern des Karolinska Instituts. Anders als in der „INTERCOVID Multinational Cohort Study“ mit (zum Teil) Daten aus Entwicklungsländern, liegt hier eine Studie aus einem Industrieland vor. Analysiert wurden Daten von über 88.000 Neugeborenen. Darunter waren 2323 Babys (1,6 Prozent) von SARS-CoV-2–positiven Müttern. Bei den Kindern infizierter Mütter gab es im Vergleich zu Kindern nicht-infizierter Mütter etwas mehr Frühgeburten <37 SSW (8,8 vs. 5,5 Prozent), Aufnahmen auf die Neonatologie (11,7 vs 8,4 Prozent) sowie Fälle von Lungenversagen (1,2 vs 0,5 Prozent) und Hyperbilirubinämie (3,6 vs 2,5 Prozent). Auch war die Mortalität bei Kindern infizierter Mütter leicht erhöht (0,30 vs 0,12 Prozent), dieser Unterschied war aber statistisch nicht signifikant. 21 Kinder infizierter Mütter waren selbst SARS-CoV-2-positiv, 12 davon gesund. Angeborene Pneumonie trat nicht auf. Die neonatale Morbidität bei SARS-CoV-2-Infektion in der Schwangerschaft war damit in der Studie signifikant, aber gering erhöht, so die Autoren (JAMA 2021; online 29. April).

Bei MS-Patienten mit B-Zell-Depletion ist die Produktion von SARS-CoV-2-Antikörpern reduziert. Das berichten niederländische Forscher vom „MS Center Amsterdam“. Sie haben 546 Patienten in dem Zentrum auf SARS-CoV-2-Antikörper untersucht, um die Prävalenz asymptomatischer Infektionen und die Immunantwort auf COVID-19 zu untersuchen. Ergebnis: 64 MS-Patienten waren Antikörper-positiv (12 Prozent), neun davon hatten keinerlei COVID-Symptome gehabt. Die Rate asymptomatischer COVID sei damit ähnlich hoch wie in der Normalbevölkerung. Bei Therapie mit injizierbaren Medikamenten (Interferon β und Glatiramer-Acetat) fanden sich seltener Antikörper als bei anderen Therapien. Zudem war der Median der Antikörper-Antwort bei Patienten mit Ocrelizumab-Therapie deutlich geringer als bei Patienten mit anderen Therapien. Bei allen diesen Patienten war im Vorfeld eine B-Zell-Depletion festgestellt worden. Eine Hypogammaglobulinämie lag bei ihnen nicht vor. Fazit der Autoren: B-Zell-Depletion könnte sowohl den Schutz nach durchgemachter Krankheit als auch nach Impfung beeinträchtigen (JAMA Neurology 2021; online 30. April).

Liebe Leser, wir fassen die Corona-Studienlage nun wöchentlich zusammen. Eine Übersicht mit allen bereits veröffentlichten COVID-19-Splittern der vergangenen Wochen und Monate finden Sie hier:

Lesen sie auch
Mehr zum Thema

Charity Award 2021

Spahn: Der Sozialstaat schafft Sicherheit

Das könnte Sie auch interessieren
Die Chancen der Vitamin-C-Hochdosis-Therapie nutzen

© Pascoe Naturmedizin

Vitamin-C-Therapie

Die Chancen der Vitamin-C-Hochdosis-Therapie nutzen

Anzeige | Pascoe Naturmedizin
Claudia Vollbracht, Humanbiologin und medizinische Wissenschaftlerin beim Unternehmen Pascoe

© [M] Privat; Levan / stock.adobe.com

„ÄrzteTag extra“-Podcast

Wie Vitamin-C-Infusionen bei COVID-19 helfen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Pascoe
Long-COVID-Syndrom: Warum Frauen häufiger betroffen sind

© Pascoe Naturmedizin

Vitamin-C-Infusionen bei Long-COVID

Long-COVID-Syndrom: Warum Frauen häufiger betroffen sind

Anzeige | Pascoe Naturmedizin
Kommentare

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Jetzt anmelden / registrieren »

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

» kostenlos und direkt in Ihr Postfach

Am Morgen: Ihr individueller Themenmix

Zum Feierabend: das tagesaktuelle Telegramm

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Im Rahmen eines Festaktes in Berlin wurden die Preisträger des Galenus-von-Pergamon-Preises und des Springer Medizin Charity Awards gekürt.

© Marc-Steffen Unger

Preisträger gekürt

Galenus-Preis und Charity Award: Das sind die Gewinner

Will beim 125. Deutschen Ärztetag Vizepräsident der Bundesärztekammer werden: Dr. Günther Matheis, Thoraxchirurg und Kammerchef Rheinland-Pfalz.

© Ines Engelmohr

Exklusiv Dr. Günther Matheis im Interview

„Hedgefonds werden auch im KV-System zu einem Problem“