Niedersächsischer Digitalgipfel Gesundheit

Digitale Brücke zwischen ÖGD und Hausärzten braucht stabiles Fundament

Gerade die Corona-Pandemie zeigt, wie eng Hausärzte und Gesundheitsämter in Krisensituationen verzahnt sein müssten. Eine Osnabrücker Hausärztin plädiert für die fundierte Digitalisierung der Versorgung.

Christian BenekerVon Christian Beneker Veröffentlicht:
Keine Info vom Gesundheitsamt über den nächsten Patienten erhalten? Hier könnte der sinnvolle Einsatz der Digitalisierung helfen, hieß es beim Digitalgipfel Gesundheit in Hannover.

Keine Info vom Gesundheitsamt über den nächsten Patienten erhalten? Hier könnte der sinnvolle Einsatz der Digitalisierung helfen, hieß es beim Digitalgipfel Gesundheit in Hannover.

© Monkey Business / stock.adobe.com

Hannover. Die persönliche Zusammenarbeit sei hervorragend, aber die digitale Kommunikation laufe schleppend. So beschrieb die Internistin und stellvertretende Vorsitzende der Bezirksstelle Osnabrück der Ärztekammer Niedersachsen (ÄKN), Dr. Karin Bremer, beim „Niedersächsischen Digitalgipfel Gesundheit“ am Mittwoch in Hannover die Zusammenarbeit mit den Gesundheitsämtern.

„Angenommen, ein Patient ist eine COVID-Kontaktperson, und das Gesundheitsamt ordnet einen Test an. Der Test ist positiv und der Mann erkrankt“, berichtet Bremer ein Beispiel. „Über all das wird die Hausärztin zu keinem Zeitpunkt unterrichtet! Wenn es dann zu einer plötzlichen Verschlechterung seines Gesundheitszustandes kommt, besteht für den Patienten vor Ort keine optimale Versorgung, weil die Hausärztin nicht involviert ist.“

Mehr digitale Zusammenarbeit nötig

Kurz: Das Gesundheitsamt und die Hausarztpraxis arbeiten nebeneinander her. „Deshalb brauchen wir mehr digitale Zusammenarbeit“, forderte Bremer. Nur so könnte die Versorgung effizienter werden und Doppeluntersuchungen vermieden werden. Auch die Dokumentation bräuchte nur einmal zu erfolgen.

An den Hausärzten soll es jedenfalls nicht liegen, wenn der digitale Kontakt stottert. Die Hausärzte seien aufgeschlossen und freuten sich, dass es – befördert von der Corona-Pandemie – endlich weitergehe mit der Digitalisierung. „Im hausärztlichen Bereich haben wir bereits in etlichen Sparten auf die papierlose Praxis umgestellt“, so Bremer.

Die elektronische Patientenakte wurde weitgehen zwanglos eingeführt, wenn auch mit mehreren nebeneinanderher laufenden Lösungen. „Die digitale Herausforderung ist die Speicherung und der Transfer von Wissen zwischen Organisationen und Institutionen.“

TI-Sanktionen wenig hilfreich

Wenig hilfreich sei es, wenn die Ärzte dabei mit Geldstrafen zur Installation der Telematikinfrastruktur gezwungen werden sollen. Bei allem Fortschritt müsse klar sein: „Die Entscheidungsfindung durch Ärzte kann nicht durch die Digitalisierung ersetzt werden“, so Bremer. „Aber die Einzelschritte der klinischen Entscheidung können digital optimiert werden.“

Der Mehrwert im Sinne einer besseren Patientenversorgung und Arbeitserleichterung werde den Unterschied machen, ob digitale Anwendungen ein Erfolg würden. So lange es diesen Mehr wert nicht klar gebe, würden die Hausärzte in den letzten Berufsjahren „die Frage der Digitalisierung einfach aussitzen oder früher aus der Patientenversorgung ausscheiden“, so Bremer. „Das kann angesichts des Ärztemangels nicht in Kauf genommen werden.“

Es brauche neue Systeme, die mit unseren Systemen nahtlos zusammenarbeiten, frei verfügbar seien und Ärzten und Mitarbeiterinnen möglichst viel Arbeit abnehmen, sagt Bremer. Dann würden Hausärzte diese Systeme ganz von alleine einsetzen. Denn sie bedeuten bessere Patientenbetreuung, mehr Umsatz, mehr Sicherheit und mehr Handlungsspielraum für das Unternehmen Praxis.

Hoffen auf Strahlkraft von SORMAS

Dr. Fabian Feil, Leiter des Niedersächsischen Landesgesundheitsamtes, verwies auf die hohe Bedeutung der Kontaktnachverfolgung in der Pandemie. Das SORMA-System (Surveillance Outbreak Response Management and Analysis System) unterstützt die Gesundheitsämter dabei, Kontaktpersonen zu identifizieren und zu überwachen. 347 Ämter sind angeschlossen.

Wie wichtig und aufwändig die Kontaktnachverfolgung sei, habe der erste Corona-Ausbruch in Bayern im vergangenen Jahr gezeigt, so Feil. „Da wurde schon deutlich, mit was für einem riesigen Arbeitsaufwand wir es zu tun bekommen würden!“

Digitalisierungskonzept entwerfen

Damit die Digitalisierung in den Gesundheitsämtern vorankommt, hat die Bundesregierung im Rahmen des Paktes für den öffentlichen Gesundheitsdienst in den kommenden vier Jahren vier Milliarden Euro zugesagt, betonte Feil. Auf dem Boden eines sogenannten „Reifegradmodells“ etwa sollen die Ämter den Status quo der digitalen Entwicklung in ihrem Haus erheben und die „digitalen Bedarfe“.

In Niedersachsen hätten sich dazu das Gesundheitsministerium, das Innenministerium, das Landesgesundheitsamt und die kommunalen Spitzenverbände zusammengesetzt, um ein Digitalisierungskonzept zu entwerfen.

Das Ziel sei, die bessere Kommunikation untereinander. „Wir haben kein Problem, mit dem Computer umzugehen“, sagte Feil. „Aber wir haben ein Problem, über Computer und Medien miteinander zu kommunizieren.“

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