Corona-Splitter der KW 12/2021

Fast jeder achte Corona-Patient mit „Long-COVID“

Auch nach vier, acht oder zwölf Wochen berichten Patienten noch über Symptome von COVID-19, die sie nicht loswerden – bestimmte Symptome scheinen dabei besonders stark mit „Long-COVID“ assoziiert zu sein.

Von Wolfgang GeisselWolfgang Geissel und Anne BäurleAnne Bäurle und Marco MrusekMarco Mrusek Veröffentlicht:
Kleine Kinder haben binnen 30 Minuten keine Atemprobleme mit einer Op-Maske, haben italienische Forscher herausgefunden.

Kopfschmerzen in der ersten Woche der Symptome bei COVID-19 waren mit „Long-COVID“ assoziiert.

© bluefern / stock.adobe.com

Update vom 26. März

Etwa jeder achte Patient mit COVID-19 gab in einer Studie langanhaltende Symptome („Long COVID“) über eine Dauer von mindestens 28 Tagen an. Für die Studie wurden Daten von 4182 britischen COVID-19-Patienten aus der Zeit von März bis September 2020 ausgewertet. Der Studie zufolge gaben 558 Patienten (13,3 Prozent) Symptome über eine Dauer von 28 Tagen an, 189 Patienten (4,5 Prozent) über 56 Tage und 108 (2,6 Prozent) über eine Symptomdauer von 84 Tagen. Betroffen waren vor allem Frauen sowie ältere oder übergewichtige Patienten. Wurde nur die erste Woche nach Symptombeginn betrachtet, hatten Patienten, die über mehr als fünf COVID-19-Symptome klagten, ein fast vierfach erhöhtes Risiko für eine Symptomdauer von 28 Tagen (Odds Ratio [OR] 3,95). Die fünf Symptome, die in der ersten Woche am stärksten mit einer Symptomdauer von 28 Tagen assoziiert waren, sind Fatigue (OR 2,83), Kopfweh (OR 2,62), Dyspnoe (OR 2,36), Heiserkeit (OR 2,33) und Myalgie (OR 2,22) (Nature 2021; online 10. März).

In einer weiteren, noch nicht publizierten Studie aus Großbritannien gaben 71 Prozent der hospitalisierten Patienten mit COVID-19 an, sich auch nach fünf Monaten noch nicht wieder vollständig erholt zu haben. Für die Studie wurden Daten von 1077 Patienten aus der Zeit von März bis November 2020 ausgewertet. 18 Prozent gaben an, seit der Infektion nicht mehr arbeiten zu können. Als die zehn häufigsten Symptome nach fünf Monaten wurden angegeben: Myalgie, Fatigue, langsamere Bewegungen, schlechtere Schlafqualität, Gelenkschmerzen oder -schwellungen, Schwäche in den Gliedmaßen, Dyspnoe, Schmerzen, Verlust des Kurzzeitgedächtnisses und verlangsamtes Denken („brain fog“) (Pre-print medRxiv 2021; online 24. März).

Update vom 25. März

Antigen-Schnelltests erkennen mehr SARS-CoV-2-Infizierte korrekt, wenn sie bei Personen mit Symptomen vorgenommen werden (72 Prozent der Infizierten korrekt erkannt) als bei Personen ohne Symptome (58 Prozent). Zu diesem Schluss kommt ein aktualisierter Cochrane-Review auf Basis von 64 Studien. Danach sinkt bei einer niedrigen Vortestwahrscheinlichkeit die Aussagekraft der Schnelltests dramatisch. Auch vom Vorhandensein von Symptomen abhängt die Aussagekraft der Schnelltests danach stark ab. Beträgt die Prävalenz fünf Prozent, liegt der positive Vorhersagewert (PPV) der empfindlichsten Tests für symptomatische Personen bei 84 bis 90 Prozent. Das bedeutet: Jedes zehnte bis sechste positive Testergebnis ist falsch-positiv und jeder achte bis vierte tatsächlich Infizierte wird übersehen. Werden dieselben empfindlichen Tests bei einer Prävalenz von nur noch 0,5 Prozent und bei asymptomatischen Patienten verwendet, liegt der PPV bei elf bis 28 Prozent. Das bedeutet: 70 bis 90 Prozent der positiven Testergebnisse sind falsch-positiv und jeder zweite bis dritte eigentlich Infizierte wird übersehen (Cochrane Database of Systematic Reviews 2021, Issue 3. Art. No.: CD013705).

Die Antikörperkombi Casirivimab und Imdevimab reduziert bei Risikopatienten das Risiko für einen schweren Verlauf oder Tod um 70 Prozent, teilt der Hersteller Roche mit. Damit sei der primäre Studienendpunkt der Phase-II/III-Studie REGN-COV 2067 erreicht worden. Für die Studie waren 4500 nicht-hospitalisierte COVID-19-Patienten mit erhöhtem Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf untersucht worden. Die Patienten hatten entweder Verum (Dosierung 1200mg oder 2400mg) oder Placebo erhalten. Analysen zu den sekundären Studienendpunkten kommen zu dem Ergebnis, dass die Kombination die Dauer der Symptome signifikant von 14 auf zehn Tage verkürze. Außerdem reduzierten die Wirkstoffe die Viruslast signifikant und seien gleichbleibend wirksam gegen die häufigsten Virusvarianten (unter anderem B.1.1.7, B.1.351 und P1), heißt es in der Mitteilung. Die Kombination ist bislang noch nicht in der EU zugelassen. Bekannt geworden war die Antikörper-Kombination im Oktober 2020, als der an COVID-19 erkrankte damalige US-Präsident Donald Trump damit behandelt wurde (Mitteilung von Roche vom 23. März 2021).

Update vom 24. März

CED-Patienten unter TNF-α-Blocker-Therapie könnten ein erhöhtes Corona-Reinfektionsrisiko haben: Für TNF-α-Blocker ist ja bekannt, dass deren Anwendung die Effektivität von Pneumokokken-, Influenza- und Hepatitis-Impfungen beeinträchtigt und die Anfälligkeit für schwere respiratorische Infektionen erhöht. Britische Forscher haben jetzt geprüft, ob dies auch für die Immunreaktion gegen SARS-CoV-2 zutrifft. Dafür haben sie 6935 Patienten an 92 britischen Krankenhäusern zwischen September und Dezember 2020 untersucht, die wegen einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung mit dem TNF-α-Blocker Infliximab oder dem Integrin-Hemmer Vedolizumab behandelt wurden. Ergebnis: Bei bestätigter SARS-CoV-2-Infektion hatten unter Infliximab-Therapie weniger Patienten Antikörper entwickelt (39/81, entspricht 48 Prozent) als unter Vedolizumab (30/36, entspricht 83 Prozent). Außerdem war die Intensität der Immunreaktion gegen SARS-CoV-2 bei den Infliximab-Patienten geringer. Die geringere Zahl der Antikörper könnte das Risiko einer Reinfektion für Patienten mit einer TNF-α-Blocker-Therapie erhöhen, diskutieren die Forscher (Gut 2021; online 22. März).

Update vom 23. März

Multisystem Inflammatory Syndrome bei Erwachsenen: Bisher war das multisystemische Entzündungssyndrom als seltene, aber schwere Komplikation von COVID-19 vor allem bei Kindern bekannt (MIS-C). Seit Juni 2020 gibt es eine Handvoll Berichte von Fällen bei Erwachsenen (MIS-A), vor allem aus den USA und dem Vereinigten Königreich. Mediziner der DRK-Klinik Berlin-Westend berichten nun von zwei Fällen, nach eigenen Angaben den ersten Fällen, von MIS-A in Deutschland. Den Ärzten zufolge stellten sich die Patienten mit folgenden Symptomen vor: ein 27-jähriger Mann mit hohem Fieber bis 40°C, Erbrechen, Durchfall und starken Bauch-, Kopf- und Gliederschmerzen sowie eine 21-jährige Frau mit starken Kopf- und Nackenschmerzen, hohes Fieber bis 40°C, Bauchschmerzen und Durchfall. Beide Patienten entwickelten im weiteren Infektionsverlauf zusätzlich eine Herzschwäche. Die Therapie bestand aus Hydrokortison, Immunglobulinen und ASS zur Thromboseprävention. Beide Patienten konnten nach zwei Wochen die Klinik beschwerdefrei verlassen. Bei mehr als fünf Tage anhaltendem Fieber, einem ausgeprägten Abfall des Blutdrucks mit Schockgefahr, stark erhöhten Entzündungswerten im Blut ohne Hinweis auf die zugrunde liegende Infektion sowie einem erhöhten NT-proBNP-Wert im Blut sollte an die Möglichkeit von MIS-A gedacht werden, schreiben die Mediziner (DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift 2021; online 11. März).

Update vom 22. März

Die AstraZeneca-Vakzine AZD1222 schützt zu 79 Prozent vor einer symptomatischen SARS-CoV-2-Infektion, zu 100 Prozent vor schwerer COVID-19 oder Hospitalisierung und ist zu 80 Prozent effektiv in der Subgruppe der Über-65-Jährigen. Das sind Zwischenergebnisse der Phase-III-Studie D8110C00001 des Herstellers mit 32.449 Teilnehmern, wie das Unternehmen mitteilt. Ein Datenüberwachungskomitee habe keine Hinweise auf ein erhöhtes Risiko für Thrombosen oder Thrombose-ähnliche Ereignisse unter den 21.583 Probanden gefunden, die Verum erhalten hatten. Es habe darüber hinaus keine zerebralen Sinusvenenthrombosen bei den Teilnehmern gegeben. Nach Angaben des Herstellers waren 20 Prozent der Studienteilnehmer 65 Jahre und älter, 60 Prozent hatten Komorbiditäten, die mit einem erhöhten Risiko für schwere COVID-19 assoziiert sind. Die Probanden waren mit zwei Impfdosen im Abstand von vier Wochen geimpft worden. Das Unternehmen weist darauf hin, dass ein Abstand von bis zu zwölf Wochen die Effektivität weiter erhöhen und mehr Menschen den Zugang zur Impfung ermöglichen könnte (Mitteilung des Unternehmens AstraZeneca, veröffentlicht am 22. März 2021).

Verglichen mit Schwangeren ohne SARS-CoV-2-Infektion ist eine Infektion während der Schwangerschaft mit einem erhöhten Risiko für Präeklampsie (Odds Ratio [OR] 1,33), Frühgeburt (OR 1,82) und Totgeburt (OR 2,11) assoziiert. Das sind Ergebnisse einer kanadischen Metaanalyse von 42 Beobachtungsstudien mit insgesamt 438.548 Schwangeren (CMAJ 2021; online 19. März).

Liebe Leser, wir fassen die Corona-Studienlage nun wöchentlich zusammen. Eine Übersicht mit allen bereits veröffentlichten COVID-19-Splittern der vergangenen Wochen und Monate finden Sie hier:

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