Zwei Konfessionen, eine Klinik

Flensburg baut bi-konfessionelles Krankenhaus

Erstmals einigen sich ein evangelischer und ein katholischer Krankenhausträger auf einen gemeinsamen Neubau.

Von Dirk SchnackDirk Schnack Veröffentlicht:
Freuen sich auf ein Zentralklinikum in Flensburg: Klaus Deitmaring (Geschäftsführer Malteser Krankenhaus), Landessozialminister Dr. Heiner Garg (FDP), Pastor Wolfgang Boten (Vorstandsvorsitzender Diako), Flensburgs OberbürgermeisterinSimone Lange (SPD) und Diako-Geschäftsführer Martin Wilde (von links).

Freuen sich auf ein Zentralklinikum in Flensburg: Klaus Deitmaring (Geschäftsführer Malteser Krankenhaus), Landessozialminister Dr. Heiner Garg (FDP), Pastor Wolfgang Boten (Vorstandsvorsitzender Diako), Flensburgs Oberbürgermeisterin Simone Lange (SPD) und Diako-Geschäftsführer Martin Wilde (von links).

© Dirk Schnack

Flensburg. Das katholische Malteser St. Franziskus Krankenhaus und die evangelisch-lutherische Diakonissenanstalt in Flensburg haben sich für ein neues, gemeinsam betriebenes Zentralkrankenhaus entschieden. Damit wird erstmalig in Deutschland ein Krankenhaus entstehen, das von beiden Kirchen gemeinsam getragen wird.

Von einem „historischen Schritt“ sprach Pastor Wolfgang Boten bei der Bekanntgabe der Entscheidung in Flensburg- Der Diako-Vorstandsvorsitzende sieht in dem neu zu errichtenden Zentralkrankenhaus einen „medizinischen, aber auch kirchlichen Leuchtturm“, weil es bislang kein vergleichbar betriebenes Klinikum in Deutschland gibt. Beide Krankenhausträger werden künftig jeweils 50 Prozent an der noch zu gründenden Betriebsgesellschaft halten, die Träger für das „Malteser-Diako Klinikum“ sein wird.

Einzug frühestens 2026

Baubeginn auf einem von der Stadt zur Verfügung gestellten Grundstück wird frühestens 2022 sein, Einzug voraussichtlich nicht vor 2026. Bislang betreiben beide Träger jeweils ein großes Krankenhaus in der Flensburger Innenstadt an fast benachbarten und beide an beengten Standorten. Beide Krankenhäuser hatten in den vergangenen Jahren hohen Investitionsbedarf angemeldet. Schon diese Überlegungen waren unter anderem von Ärzteseite mit der Mahnung begleitet worden, über eine neue Lösung nachzudenken. Der damaligen SPD/Grünen/SSW-Landesregierung galt dieser Ansatz jedoch als unrealisierbar.

Malteser-Diako Klinikum

  • 7 Jahre dauerte die Diskussion mit und zwischen den Trägern zur Zukunft der Krankenhausstandorte in Flensburg.
  • 835 Betten haben die beiden Kliniken derzeit zusammen.
  • Mehr als 100.000 Patienten werden in beiden Kliniken zusammen ambulant und stationär pro Jahr behandelt.

Nach dem Regierungswechsel in Kiel und mit der neuen Flensburger SPD-Oberbürgermeisterin Simone Lange wurden die Karten neu gemischt: In einer Einwohnerversammlung zum Thema überzeugten insbesondere die Argumente der Ärzte aus beiden Krankenhäusern für ein Zentralkrankenhaus. Hinzu kam der finanzielle Aspekt: Zwar steht nicht fest, wie teuer das Zentralkrankenhaus wird. Die in den kommenden Jahren zu leistenden Investitionen an den alten Standorten hätten aber voraussichtlich im dreistelligen Millionenbereich gelegen.

Landesgesundheitsminister Dr. Heiner Garg (FDP) versprach neben Fördermitteln eine enge Begleitung des Flensburger Projektes und kündigte an, Mittel aus dem Krankenhausstrukturfonds zu beantragen. Er ist überzeugt, dass die Träger richtig entschieden haben und dass die Menschen in Flensburg und den angrenzenden Kreisen von dem dann nicht nur modernsten, sondern landesweit auch größten Krankenhaus nach den Universitätsklinika in Kiel und Lübeck profitieren werden.

Klinik ist „Ideallösung“

Nach Gargs Ansicht haben sich die Träger für die „Ideallösung“ entschieden. „Hier entsteht das, worüber bundesweit immer geredet wird“, sagte Garg mit Blick auf gesundheitspolitische Diskussionen über Klinikkonzentrationen und -kooperationen. Eine enge Zusammenarbeit hatten beide Träger schon zuvor praktiziert. Ihr Leistungsspektrum war aufeinander abgestimmt, um Doppelstrukturen zu vermeiden.

Alle Seiten versprechen sich von dem Zentralklinikum auch einen Attraktivitätsschub für die Mitarbeiter. Die sollen bei der Planung und Entwicklung einbezogen werden. Das neue Haus wird nach Überzeugung von Garg einen Sogeffekt für neue Mitarbeiter haben. Mögliche Hürden, die aus unterschiedlichen kirchlichen Auffassungen resultieren könnten, sind bereits aus dem Weg geräumt. So steht für die beiden Träger fest, dass in dem neuen Krankenhaus keine Schwangerschaftsabbrüche vorgenommen werden.

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Hürden auf dem Weg zum Zentralkrankenhaus sehen beide Träger – vorbehaltlich der Entscheidung des Kartellamtes – nicht mehr. Angaben über Kosten, Größe oder künftige Mitarbeiterzahlen können zum jetzigen Stand noch nicht gemacht werden. Fest steht aber, dass die neue Betreibergesellschaft schon Jahre vor der Eröffnung der neuen Klinik gegründet und dann für die Übergangsphase für beide alten Kliniken zuständig sein wird.

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