Teledermatologie

Hautärzte mit heißem Draht zu Häftlingen

Hamburger Dermatologen zeigen, wie in der Zusammenarbeit mit Justizvollzugsanstalten mittels teledermatologischer Sprechstunden nicht nur Transportkosten für kranke Inhaftierte entfallen können.

Von Matthias WallenfelsMatthias Wallenfels Veröffentlicht:
Auch Häftlinge haben Anspruch auf eine medizinische Versorgung. Hier könnte die Telemedizin effiziente Systemlösungen offerieren.

Auch Häftlinge haben Anspruch auf eine medizinische Versorgung. Hier könnte die Telemedizin effiziente Systemlösungen offerieren.

© Uwe Zucchi / picture alliance

Hamburg/Frankenthal. Kostensparend, schnell und diskret – diese Vorteile der teledermatologischen Behandlung bietet die Arbeitsgruppe um Dr. Brigitte Stephan vom Institut für Versorgungsforschung in der Dermatologie und bei Pflegeberufen am UKE Hamburg Häftlingen in Justizvollzugsanstalten (JVA) an.

Rund 150 Inhaftierte haben das seit 2019 offerierte Angebot bereits wahrgenommen, wie es jüngst bei der Fachtagung „DERM“ in Frankenthal hieß, bei der Stephan den Innovationspreis Dermatologie entgegennahm. Die Auszeichnung des Berufsverbandes der Deutschen Dermatologen (BVDD) wird in Kooperation mit der Professor Paul Gerson Unna Akademie vergeben und ist mit einem Preisgeld von 5000 Euro dotiert.

Stephan und ihr Team setzen mit dem teledermatologischen Angebot für die spezielle Klientel ein Zeichen. Denn in diesem Bereich steckt die Telemedizin praktisch oft noch in den Kinderschuhen. Sofern die Anstalt Telemedizin als Teil der Regelversorgung oder in Pilotphasen etabliert habe, nutzten die Dermatologen die vorhandene Infrastruktur und böten digitale Sprechstunden an, so der BVDD.

Allgemeinmediziner mit im Boot

Unterstützt werden die Dermatologen von den Allgemeinmedizinern vor Ort, die die Konsultation begleiten. Ob Live-Vorstellung von Patienten, Fallbesprechungen oder kollegiale Beratung, alles sei möglich und decke so auch Fälle schambehafteter Erkrankungen ab und wahre die Anonymität außerhalb der JVA.

Das teledermatologische Angebot mache sich auch für die betreffende JVA bezahlt, fielen aufwändige Transporte zu medizinischen Einrichtungen sowie lange Wartezeiten auf Termine weg. Auch das baden-württembergische Justizministerium hat bereits eine positive Zwischenbilanz der dortigen Tele-Visiten in Haftanstalten gezogen.

„Das Projekt der dermatologischen Betreuung für JVA zeigt eindrucksvoll, welche Möglichkeiten die Telemedizin insbesondere in der Dermatologie bietet und wo wir selbst als Fachgruppe Versorgungslücken schließen können“, hob BVDD-Präsident Dr. Ralph von Kiedrowski bei der Preisverleihung in Frankenthal hervor.

Der Innovationspreis Dermatologie wird jährlich ausgeschrieben. Zur Teilnahme aufgerufen sind Dermatologinnen und Dermatologen mit innovativen Konzepten und Strategien in den Bereichen Patientenversorgung, Praxismanagement, Vernetzung sowie Diagnose- und Behandlungsformen.

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