Landtagsdebatte

Hebammenzentralen sollen in Rheinland-Pfalz Versorgungslücken verhindern

In Rheinland-Pfalz wurden seit 2017 sechs Abteilungen für Geburtshilfe geschlossen. Das Gesundheitsministerium hält die Hebammen-Versorgung „in vertretbarer Fahrzeit“ noch für sichergestellt.

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Weil in Rheinland-Pfalz Abteilungen für Geburtshilfe geschlossen wurden, werden die Wege für Schwangere mitunter weit. Das Land will nun mit Hebammenzentralen gegensteuern.

Weil in Rheinland-Pfalz Abteilungen für Geburtshilfe geschlossen wurden, werden die Wege für Schwangere mitunter weit. Das Land will nun mit Hebammenzentralen gegensteuern.

© Oliver Berg / dpa

Mainz. Im Idealfall soll jede Frau in Rheinland-Pfalz bei einer Geburt von einer sich ihr widmenden Hebamme unterstützt werden – der tatsächliche Betreuungsschlüssel liegt aber laut Gesundheitsministerium „zwischen 1:1 und 1:2, in Einzelfällen auch 1:3“.

Eine 1:1-Betreuung im Kreißsaal werde grundsätzlich von allen angestrebt, heißt es in der Antwort des Ministeriums auf eine parlamentarische Anfrage der SPD-Fraktion, die am Donnerstag (15. September) auf der Tagesordnung des Landtags Rheinland-Pfalz steht.

Seit 2017 wurden in Rheinland-Pfalz in sechs Kliniken die Abteilungen für Geburtshilfe geschlossen. Als Grund sieht die Landesregierung die unzureichende Vergütung im bestehenden System der Fallpauschalen. Trotz der Konzentration auf nunmehr 30 Kliniken sei aber „die Erreichbarkeit der Geburtshilfen in vertretbarer Fahrzeit auch in ländlichen Regionen weiterhin sichergestellt“, so das Ministerium.

Drei Hebammenzentralen springen mit Dienstleistungen ein

Wenn das nächste Krankenhaus mit Geburtshilfestation nicht in mindestens 30 Minuten zu erreichen ist, kann eine Hebammenzentrale helfen. Kapazitäten gebe es etwa noch in der Eifel oder im Westerwald, sagte die SPD-Fraktionsvorsitzende und ehemalige Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler.

Zurzeit gibt es drei Hebammenzentralen in Rheinland-Pfalz, die unter anderem Hebammen vermitteln, ambulante Dienste bereitstellen, Familien beraten und Kurse zur Geburtsvorbereitung anbieten. Standorte sind Daun, Trier und seit diesem Jahr auch Mainz. Sie erhalten bislang Landesmittel von mindestens 30.000 Euro im Jahr. „Durch ihre Arbeit konnte eine hohe Zahl an schwangeren Frauen Hebammenhilfe erhalten, die zuvor unversorgt waren bzw. ohne die Vermittlungsleistung der Hebammenzentrale unversorgt geblieben wären“, heißt es in der Antwort des Gesundheitsministeriums.

Die drei Fraktionen der Ampel-Koalition in Rheinland-Pfalz setzen sich für einen Ausbau der Hebammenzentralen ein. Deren Förderung werde sich auch im Landeshaushalt für die beiden nächsten Jahre wiederfinden, sagte Bätzing-Lichtenthäler in Mainz. Sinnvoll sei der Aufbau einer Struktur, die sowohl vom Land als auch von der Kommune getragen werde. Aus dem Norden des Landes liegt nach Angaben des Ministeriums bereits eine Anfrage für die Gründung einer weiteren Hebammenzentrale vor.

Mehr Hebammen-Studienplätze geplant

Zurzeit gibt es nach Angaben des Hebammen-Landesverbands 727 freiberuflich tätige Hebammen in Rheinland-Pfalz. Mit dem vor einem Jahr eingerichteten Studiengang Hebammenwissenschaften an der Hochschule für Wirtschaft und Gesellschaft Ludwigshafen hat das Land die Umsetzung des Hebammengesetzes eingeleitet, das ein duales Hochschulstudium vorsieht.

Die Zahl der Studienplätze solle in den nächsten Jahren weiter ausgebaut werden, kündigte das Gesundheitsministerium in seiner Antwort an. Zum Wintersemester 2023/24 sei auch ein Studiengang an der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz geplant. (dpa)

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