Kritik

Hessische Heimbetreiber: Besuchsregeln zu rasch gelockert!

Zu wenig Zeit zur Umsetzung, zu wenig Personal und zu wenig Schutzmasken – bpa und Wohlfahrt fühlen sich von Bouffier überrumpelt.

Christoph BarkewitzVon Christoph Barkewitz Veröffentlicht:
Woher sollen die Schutzmasken für die wieder zugelassenen Besucher in den Heimen kommen?

Woher sollen die Schutzmasken für die wieder zugelassenen Besucher in den Heimen kommen?

© dpa

Wiesbaden. Private wie gemeinnützige Betreiber von Pflegeheimen in Hessen haben die am Dienstag verkündeten Erleichterungen für Besuche in Heimen kritisiert.

In einem offenen Brief an Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) wiesen der Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste (bpa) und die Liga der Freien Wohlfahrtspflege in Hessen darauf hin, die Umsetzung der Lockerungen bereits zum 4. Mai erfolge viel zu kurzfristig. Sie plädieren auf eine 14-tägige Vorbereitungszeit.

Bouffier und Sozialminister Kai Klose (Grüne) hatten angekündigt, von kommenden Montag an wieder Besuche von einer Stunde pro Woche für nahe Angehörige erlauben zu wollen.

„Besonders die alten und kranken Menschen, die in Heimen keine Besuche mehr von ihren Ehepartnern, Kindern oder Enkeln empfangen durften, leiden sehr unter der Situation“, hatte Klose die Lockerung begründet.

Erhebliche räumliche Anpassungen

„Völlig unverständlich ist uns, warum diese Öffnung praktisch ohne Vorbereitungszeit vollzogen wird“, heißt es in dem Schreiben vom Donnerstag. Der Schritt erfolge gegen die wiederholte Einschätzung der Einrichtungsvertretungen, dass es für die Umsetzung Zeit brauche. So müssten erhebliche räumliche Anpassungen erfolgen, Besucherzimmer müssten hergerichtet werden und es bedürfe einer Personalplanung zur Begleitung der Besucher in den Heimen.

Die von Bouffier und Klose genannte Bedingung des individuellen Schutzkonzepts jeder Einrichtung, stelle nur eine trügerische Sicherheit dar. Zwar verfüge jedes Heim über ein solches Konzept, dies sei aber nicht auf zusätzliche Besucher eingestellt. Um dies auf die neuen Besuchsregeln umzustellen, bedürfe es mehr Zeit.

450 Pflegekräfte in Quarantäne

Erschwerend käme hinzu, dass aktuell rund 450 Pflegekräfte in hessischen Pflegeheimen in Quarantäne seien. Dabei bedürfe es zur Begleitung der Besucher sogar mehr Personals. Nötig sei ebenso eine regelmäßige Testung der Pflege- und Betreuungskräfte wie auch der Bewohner auf das Coronavirus.

Auch das als weitere Bedingung genannte Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes mindestens auf OP-Masken-Standard sei nicht zu gewährleisten. Die Lieferungen reichten nicht ansatzweise aus, um neben der vorrangigen Versorgung von Bewohnern und Pflege- und Betreuungskräften auch noch Besucher auszustatten.

Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
Alarmierender Anstieg: Hautpilz aus dem Barbershop

© David Pereiras | iStock (Symboldbild mit Fotomodell)

Dermatomykosen

Alarmierender Anstieg: Hautpilz aus dem Barbershop

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Effektive Therapie von Nagelpilz: Canesten® EXTRA Nagelset

© Irina Tiumentseva | iStock

Onychomykosen

Effektive Therapie von Nagelpilz: Canesten® EXTRA Nagelset

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Für Menschen ab 60 Jahren sind die Impfungen gegen Influenza, Corona, Pneumokokken und Herpes zoster (beide nicht im Bild) Standard-Impfungen. Für Menschen ab 75 Jahren kommt die RSV-Impfung hinzu.

© angellodeco / stock.adobe.com

Respiratorisches Synzytial Virus

STIKO: Alle Menschen ab 75 gegen RSV impfen!

Blickdiagnose: klinisches Bild mit typischen Effloreszenzen bei Herpes zoster.

© Mumemories / Getty Images / iStock

Zoster-Impfung

Schutz vor Herpes zoster und Rezidiven

Kommentare
* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema
Detailansicht eines Windrades: Bringt eine ökologisch nachhaltige Geldanlage auch gute Rendite? Anleger sollten auf jeden Fall genau hinschauen.

© Himmelssturm / stock.adobe.com

Verantwortungsbewusstes Investment

„Nachhaltig – das heißt nicht, weniger Rendite bei der Geldanlage!“

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: der Deutschen Apotheker- und Ärztebank (apoBank)
Abb. 1: Zeitaufwand pro Verabreichung von Natalizumab s.c. bzw. i.v.

© Springer Medizin Verlag GmbH, modifiziert nach [9]

Familienplanung und Impfen bei Multipler Sklerose

Sondersituationen in der MS-Therapie

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Biogen GmbH, München
Protest vor dem Bundestag: Die Aktionsgruppe „NichtGenesen“ positionierte im Juli auf dem Gelände vor dem Reichstagsgebäude Rollstühle und machte darauf aufmerksam, dass es in Deutschland über drei Millionen Menschen gebe, dievon einem Post-COVID-Syndrom oder Post-Vac betroffen sind.

© picture alliance / Panama Pictures | Christoph Hardt

Symposium in Berlin

Post-COVID: Das Rätsel für Ärzte und Forscher

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: vfa und Paul-Martini-Stiftung
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Lesetipps
Junge mit Druckverband um den Kopf

© Simon Coste / stock.adobe.com

Wohl mehr Schaden als Nutzen

Kopfverband nach Mittelohr-Operation: Braucht es das wirklich?

Ein älterer Mann muss stark husten und hält eine Hand auf seine Brust.

© Getty Images

Infektionsmanagement

Keuchhusten: Was bei der Behandlung Erwachsener wichtig ist