Kontaktnachverfolgung unmöglich

In Berlin ist Corona-Selbstquarantäne angesagt

Die steigende Zahl der Corona-Neuinfektionen überfordert die Gesundheitsämter in Berlin. Eine lückenlose Kontaktnachverfolgung ist nicht mehr möglich. Jetzt setzt die Hauptstadt auf die Eigenverantwortung der Bürger.

Von Madlen Schäfer Veröffentlicht: 28.10.2020, 13:44 Uhr
Maske auf: Die Berliner Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) berichtet, dass die Gesundheitsämter die Kontakte von infizierten Personen nicht mehr alle nachverfolgen können.

Maske auf: Die Berliner Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) berichtet, dass die Gesundheitsämter die Kontakte von infizierten Personen nicht mehr alle nachverfolgen können.

© Paul Zinken / dpa

Berlin. Die Berliner Gesundheitsämter können aus Kapazitätsgründen nicht mehr jede Corona-Neuinfektion nachverfolgen und wollen sich daher künftig vor allem auf Risikogruppen fokussieren.

Mit der neuen Strategie setzt Berlin vor allem auf die Eigenverantwortung der Bürger, bei einem positiven Corona-Ergebnis selbst Kontaktpersonen zu informieren und sich selbst in Quarantäne zu begeben. „Die Bezirke fahren eine Doppelstrategie, die mit uns abgestimmt ist.

Die neuen Allgemeinverfügungen bringen Vorteile: Ressourcen in den Gesundheitsämtern werden geschont und Prozesse werden optimiert. Fast alle Bezirke haben diese schon auf den Weg gebracht“, sagt Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD).

Auch Labore arbeiten an der Kapazitätsgrenze

Auch wenn eine lückenlose Kontaktnachverfolgung nicht mehr möglich sei, werden die Gesundheitsämter künftig weiterhin Betroffene informieren, eventuell aber mit Zeitverzug. „Die Amtsärzte werden entlastet, weil keine Einzelanordnung mehr notwendig ist und nun auch Dritte dies vornehmen dürfen“, so Kalayci.

Die Berliner Labore kämen auch nicht mehr hinterher. „Die Zahl der Einsendungen schrammt an der Oberkante ihrer Kapazität. Wenn die Labore 85 Prozent der Kapazität erreicht haben, sind sie eigentlich bereits ausgelastet. Erstens gibt es dort Personalausfälle, zweitens werden bei voller Auslastung die Reserven der Reagenzien aufgebraucht“, sagte der Berliner Amtsarzt Patrick Larscheid dem „Tagesspiegel“.

Außerdem ist nun in einer Allgemeinen Verfügung eine Pflicht zur Selbstquarantäne festgelegt worden. Menschen mit einem positiven Corona-Testergebnis sind ab sofort verpflichtet, sich selbstständig in die Quarantäne zu begeben.

„Allgemeinverfügungen regeln das, was selbstverständlich sein sollte: Ich begebe mich in Selbstisolierung, wenn ich Kenntnis habe, dass ich positiv getestet bin. Ebenso bin ich verpflichtet, meine Kontakte zu informieren, die sich in Quarantäne begeben müssen“, sagte Kalayci am Montag im Berliner Abgeordnetenhaus.

Kaum noch Ausbrüche, viele Einzelfälle

In Berlin ist ein Bild ähnlich wie in anderen Metropolen zu beobachten: So sind immer weniger Neuinfektionen auf Ausbrüche zurückzuführen – aktuell gilt das für nur noch sieben Prozent. Hingegen gebe es viele Einzelfälle und damit eine sehr dynamische Infektionslage.

Die Auslastung der Intensivbetten werde weiter zunehmen, wenn es nicht gelinge, das Infektionsgeschehen auszubremsen, so die Senatorin. Deshalb habe der Gesundheitssenat mit den Berliner Krankenhäusern Vorgaben zur Vorhaltung von Kapazitäten für Intensivbetten ausgearbeitet. „15 Prozent der Intensivbetten sollen für COVID-19-Patienten vorgehalten werden, fünf Prozent müssen generell vorgehalten sein“, so Kalayci.

Zuletzt belief sich die Auslastung der Intensivbetten laut Berliner Corona-Lagebericht auf 9,2 Prozent.

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