Krebsmedizin

Kompetenzverbund für personalisierte Onkologie in Baden-Württemberg am Start

In Baden-Württemberg soll ein spezialisiertes Kliniknetzwerk die innovative Krebsversorgung der Zukunft gewährleisten – mit personalisierten Therapien.

Von Matthias WallenfelsMatthias Wallenfels Veröffentlicht:
Krebspatienten im Ländle sollen von maßgeschneiderten Therapien profitieren.

Krebspatienten im Ländle sollen von maßgeschneiderten Therapien profitieren.

© NCT Heidelberg

Heidelberg. Die Zeichen der Zeit stehen auf personalisierte onkologische Versorgungsangebote. Nicht nur im europäischen Krebsplan, der am 9. Dezember in Brüssel vorgestellt werden soll, wird das Potenzial der maßgeschneiderten Therapien hervorgehoben – abseits des Eingeständnisses, dass in vielen Teilen Europas die onkologische Versorgung schon strukturell mehr als defizitär ist.

In Deutschland soll die Wissenschaft im Rahmen der Nationalen Dekade gegen Krebs unter anderem die Leistungsfähigkeit maßgeschneiderter Krebsdiagnostik und -therapie demonstrieren – selbiges gilt für die Nationale Strategie zur Künstlichen Intelligenz. Bleibt die Frage, wie dies in der Realität von onkologischer Forschung und Versorgung aussehen soll.

In Baden-Württemberg schicken sich nun die Comprehensive Care Center (CCC) und Zentren für Personalisierte Medizin (ZPM) der Universitätsklinika Freiburg, Heidelberg, Tübingen und Ulm an, diese Herausforderung im neu gegründeten „Kompetenzverbund Personalisierte Onkologie Baden-Württemberg“ anzugehen. Fördermittel dafür gibt es von der Deutschen Krebshilfe und dem Landes Baden-Württemberg.

Molekulare Tumorboards im Fokus

Durch Bündelung der Expertise an den vier onkologischen Spitzenzentren und ZPM wird nach Angaben des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen (NCT) ein Netzwerk für Studienaktivitäten eingerichtet, welches das Diagnostik- und Behandlungsangebot für Patienten mit fortgeschrittener Krebserkrankung nachhaltig verbessern soll.

Unterstützt durch Drittmittelförderungen baue der ZPM-Verbund Versorgungsstrukturen für die Personalisierte Medizin auf, um neue Diagnostik- und Therapiemöglichkeiten möglichst allen Patienten verfügbar zu machen.

Die vier baden-württembergischen Universitätskliniken haben in den vergangenen Jahren interdisziplinäre ZPM aufgebaut und in die Klinik- und CCC-Strukturen integriert, um aktuelle molekulare Diagnostikmethoden und individualisierte Therapien in die Versorgung zu überführen und gemeinsam neue Maßstäbe in der Personalisierten Medizin zu setzen.

Die vier ZPM haben dazu gemeinsame Standards und Qualitätsmerkmale für Molekulare Tumorboards (MTB) abgestimmt, die ein zentrales Element der Patientenversorgung an den Zentren darstellen.

Die Zentren für Personalisierte Medizin sind ein entscheidender Schritt, um die Errungenschaften der modernen molekularen Diagnostik mit neuen gezielten Behandlungsansätzen zu verbinden.

Professor Peter Schirmacher, Sprecher des ZPM Heidelberg und Direktor des Pathologischen Instituts am Universitätsklinikum Heidelberg

Darüber hinaus werden, wie es heißt, im ZPM-Verbund die molekularen und klinischen Daten erfasst, um den Erkenntnisgewinn zur Wirksamkeit neuer Arzneimittel zu beschleunigen. Durch die ZPM solle zunächst die Diagnose und Behandlung von Patienten mit fortgeschrittener Krebserkrankung durch maßgeschneiderte Therapieentscheidungen verbessert werden. Im nächsten Schritt sei eine Ausweitung der Personalisierten Medizin auf weitere Krankheitsgebiete, wie Erkrankungen des Immunsystems vorgesehen.

„Die Zentren für Personalisierte Medizin sind ein entscheidender Schritt, um die Errungenschaften der modernen molekularen Diagnostik mit neuen gezielten Behandlungsansätzen zu verbinden und möglichst vielen Patientinnen und Patienten mit fortgeschrittenen Krebsleiden anzubieten“, verdeutlicht Professor Peter Schirmacher, Sprecher des ZPM Heidelberg und Direktor des Pathologischen Instituts am Universitätsklinikum Heidelberg.

Und ergänzt: „Sie stellen dank der Unterstützung des Ministeriums für Soziales und Integration und der Krankenkassen das erste nachhaltige Konzept der Personalisierten Medizin dar und sind damit ein Meilenstein auf dem Weg, die neuen Ergebnisse der Molekularen Tumorforschung in gesicherte Therapiekonzepte zu überführen.“

„Gemeinsam mit dem ZPM werden wir die Struktur unserer molekularen Tumorboards ausbauen, um den Anteil an Patienten zu erhöhen, die von einer individualisierten Therapie ihrer Krebserkrankung profitieren“, weist Professor Stefan Fröhling, Geschäftsführender Direktor am NCT Heidelberg, Leiter Translationale Medizinische Onkologie am DKFZ und stellvertretender Sprecher des ZPM am Standort Heidelberg, hin.

Größere Kliniken als Partner gesucht

Der Kompetenzverbund Personalisierte Onkologie solle in den nächsten drei Jahren eine vernetzte Studienstruktur aufbauen. Durch ein breites Studienangebot und neue Studienformate sollten möglichst viele Patienten Zugang zu klinischen Studien und neuen Medikamenten erhalten, so die Zielsetzung.

Um die Angebote der Personalisierten Krebsmedizin landesweit verfügbar zu machen, würden sich die ZPM bis 2022 mit großen Krankenhäusern in der Region, die hohe Expertise in der Versorgung von Krebspatienten aufweisen, vernetzen.

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