Schleswig-Holstein

Konfessionsübergreifende Klinik in der Kritik

Im geplanten Flensburger Zentralklinikum soll es keine Schwangerschaftsabbrüche geben. Das ruft Kritiker auf den Plan.

Von Dirk Schnack Veröffentlicht: 12.11.2019, 12:24 Uhr

Kiel/Flensburg. Das geplante ökumenische Zentralklinikum in Flensburg sieht sich noch vor Gründung der neuen Trägergesellschaft heftiger Kritik ausgesetzt. Grund ist die Entscheidung, im Klinikum keine Schwangerschaftsabbrüche vorzunehmen. Dies war wie berichtet Bedingung für die Einigung zwischen dem katholischen Partner Malteser mit dem evangelischen Partner Diako.

Inzwischen hat die Entscheidung Verbände und Politik auf den Plan gerufen. In einer Anhörung des Sozialausschusses im Kieler Landtag wurde allerdings deutlich, dass das Klinikum nicht zu Schwangerschaftsabbrüchen gezwungen werden kann. Gesundheitsminister Dr. Heiner Garg (FDP) wird als Ergebnis der Anhörung Gespräche mit allen Beteiligten führen.

Oft ambulante Eingriffe

Der evangelische Partner Diako versicherte in einer gemeinsamen Erklärung mit den Maltesern, dass alle Frauen in Konfliktsituationen in Flensburg Unterstützung bekommen und nach einer entsprechenden Beratung auch Schwangerschaftsabbrüche in der Stadt möglich sein sollen. Dafür wollen beide Träger gemeinsam mit der Stadt Flensburg, dem Land, den niedergelassenen Gynäkologen und Beratungsstellen nach Lösungen an einem Runden Tisch suchen. Sie verwiesen außerdem darauf, dass Schwangerschaftsabbrüche bei Frauen in Konfliktsituationen grundsätzlich ambulante Eingriffe seien, „die keinen Klinikaufenthalt voraussetzen und für die das Krankenhaus keinen Versorgungsauftrag erfüllen muss“.

Sozialpolitikerin Birte Pauls (SPD) ist mit der Entscheidung aus Flensburg nicht einverstanden. „Das gehört zur öffentlichen Daseinsvorsorge dazu. Es kann nicht sein, dass Klinikbetreiber sich aus bestimmten Bereichen zurückziehen dürfen“, sagte Pauls. Der Paritätische Wohlfahrtsverband Schleswig-Holstein verfolgt die Entscheidung aus Flensburg „mit großer Besorgnis“. „Damit wird es kein Krankenhaus mehr in der gesamten Region geben, an das sich Frauen bei einer ungewollten Schwangerschaft wenden können“, teilte der Verband mit.

Verband sieht Widerspruch

Die Entscheidung sei ein „Angriff auf die Selbstbestimmung der Frau.“ Der Verband verwies zudem auf einen nach seiner Ansicht bestehenden Widerspruch von finanzieller Förderung des neuen Flensburger Krankenhauses durch den Steuerzahler und einer „einseitigen Weltanschauung“ des Trägers, heißt es.

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