Prävention

Neue Berliner Fachstelle Suizidprävention geht an den Start

Suizide sind in Deutschland eine häufige Todesursache – dennoch gelten sie als Tabuthema. Wie Fachleute die Berliner Zahlen senken und Menschen Auswege aufzeigen wollen.

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Berlin. Die Zahl der Selbsttötungen in Berlin soll bis 2030 um ein Drittel gesenkt werden. Dieses Ziel hat sich die neue Berliner Fachstelle Suizidprävention gesetzt, wie deren Leiter Markus Geißler der Deutschen Presse-Agentur sagte. Die Einrichtung will sich am Montag der Fachöffentlichkeit vorstellen. „Eine unserer zentralen Aufgaben ist es, über das Thema zu informieren und alle Menschen in Berlin zu ermutigen und zu befähigen, mit suizidalen Krisen umzugehen“, sagte Geißler. „Betroffene halten ihre Situation häufig für aussichtslos, aber Hilfe ist da und möglich“, appelliert er. Das 30-Prozent-Ziel ist laut Geißler angelehnt an Ziele der Vereinten Nationen.

Die Fachstelle geht mit einer Öffentlichkeitskampagne („Schweigen kostet Leben“), einer neuen Webseite und weiteren Angeboten wie etwa im Bode-Museum an den Start. „Wir sehen unseren Auftrag darin, ein gesellschaftliches Klima zu schaffen, in dem das Sprechen über Suizide möglich ist“, sagte Geißler. Man versuche, Freunde, Angehörige und weitere Gruppen wie Fachpersonal zu erreichen und ihnen Tipps zu geben, wie man Menschen auf mutmaßliche Suizidgedanken ansprechen kann. „Es ist wichtig, sensibel für Warnsignale und Verhaltensänderungen zu sein und offen nach suizidalen Gedanken zu fragen“, sagte Geißler.

Am Montag soll zunächst eine Webseite mit Informationen, Video-Tutorials und Tipps zum Umgang mit Suizidgedanken online gehen: www.suizidpraevention-berlin.de. Dort sollen Menschen in Krisen, deren Angehörigen und Hinterbliebene auch gebündelt Hilfsangebote finden. Das Netzwerk Suizidprävention Berlin vereint mehr als 50 Hilfsorganisationen im Stadtgebiet. Die Fachstelle ist daraus hervorgegangen. Offiziell gibt es sie seit Ende 2022, finanziert von der Senatsgesundheitsverwaltung und getragen vom Caritasverband für das Erzbistum Berlin.

Kooperation mit Bode-Museum soll für Thema sensibilisieren

Eine Kooperation mit dem Bode-Museum auf der Museumsinsel in Mitte soll helfen, das Thema mehr in die Öffentlichkeit zu rücken. Das Museum stelle Besuchern auf seinem Multimedia-Guide eine eigens entwickelte Tour zu Kunstobjekten zur Verfügung, die Hoffnung vermitteln sollen. „Wir wollen erreichen, dass psychische Krisen nicht mehr nur ein Thema in der kleinen fachlichen Blase sind, sondern auch in anderen Lebensbereichen, in denen suizidale Gedanken vorhanden sind“, sagte Geißler. Die Fachstelle dringe unter anderem auf eine Stärkung der Versorgungssituation, den Ausbau von Fort- und Weiterbildung und auf eine bessere Datenlage. So wolle man etwa Orte identifizieren, an denen Suizide gehäuft auftreten, um gezielter vorbeugen zu können.

Bundesweit sind nach aktuellsten Zahlen des Statistischen Bundesamts 2021 mehr als 9000 Menschen an Suizid gestorben - laut der Fachstelle sind das mehr als durch Unfälle, illegale Drogen und Mord zusammen. In Berlin sind rund 430 Fälle erfasst, also im Schnitt mehr als einer pro Tag. „Am häufigsten betroffen sind in Berlin Männer zwischen 50 und 60“, sagte Geißler. Die Suizidrate (Fälle pro 100 000 Einwohner) in der Hauptstadt liegt mittlerweile deutlich niedriger als noch Anfang und Mitte der 1990er Jahre, ist aber seit 2017 wieder im Anstieg. Wie sich die Corona-Pandemie auf die Entwicklung ausgewirkt hat, lasse sich noch nicht abschließend beurteilen, sagte Geißler.

Ein Suizid ist laut Fachleuten nie auf eine einzelne Entwicklung, ein einzelnes Ereignis oder eine psychische Erkrankung allein zurückzuführen. „Er ist immer der Endpunkt einer komplexen und krisenhaft erlebten inneren Entwicklung, an deren Ende der oder die Betroffene psychisch nicht mehr in der Lage ist, einen anderen Ausweg für sich zu erkennen“, erklärt das Nationale Suizidpräventionsprogramm auf seiner Webseite. Es gelte zudem als ein Mythos, dass durch das Ansprechen der Suizidgefährdung ein Suizid erst ausgelöst wird. (dpa)

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