Direkt zum Inhaltsbereich

„Unverschuldete Schieflage“

Nord-Kliniken funken an neue Bundesregierung: Finanzierung reformieren!

In den Kliniken ist die finanzielle Lage angespannt: Die Krankenhausgesellschaft Schleswig-Holstein appelliert deshalb an die nächste Regierung, schnell zu handeln. Und sie hat eine Wunschliste.

Dirk SchnackVon Dirk Schnack Veröffentlicht:
Schleswig-Holsteins Kliniken „am Tropf“ – die finanzielle Lage ist erheblich angespannt.

Schleswig-Holsteins Kliniken „am Tropf“ – die finanzielle Lage ist erheblich angespannt.

© Arne Dedert / dpa

Kiel. Die neue Bundesregierung steht noch nicht – die Erwartungen an sie aus dem Kliniksektor aber sind hoch. Die Krankenhausgesellschaft Schleswig-Holstein (KGSH) verweist auf den hohen Handlungsdruck und legt eine lange Wunschliste vor. Grund für die ungewöhnlich frühe Vorlage der Forderungen ist die angespannte finanzielle Situation der Kliniken, die insbesondere im Norden hoch ist. Dort erhalten viele Krankenhäuser wegen vergleichsweise geringer Zahlen an Pandemiepatienten wie berichtet nur unzureichende Kompensationszahlungen, obwohl sie die gleichen Vorhaltekosten und Patientenrückgange verkraften müssen wie Kliniken in anderen Regionen.

Die KGSH spricht deshalb von einer „unverschuldeten Schieflage“ und von Millionenausfällen, die nicht gedeckt seien. „Die Lage vieler Kliniken ist akut sehr angespannt. Wir brauchen daher schnell eine handlungsfähige Regierung, die noch für das laufende Jahr Regelungen zur finanziellen Absicherung der Kliniken trifft“, sagte der Geschäftsführer der Krankenhausgesellschaft, Patrick Reimund.

Pauschalen für Vorhaltekosten

Ganz oben steht der Wunsch nach einer grundlegenden Reform der Klinikfinanzierung. Damit unterstützt die KGSH eine Forderung ihres Landesgesundheitsministers Dr. Heiner Garg (FDP), der dieses Thema schon vor der Pandemie in Berlin in die politische Diskussion eingebracht hatte. Bei einer Reform müssten aus KGSH-Sicht die besonderen Bedingungen von kleinen Kliniken auf dem Land stärker berücksichtigt werden.

„Bislang sieht das rein leistungsbezogene System der DRG-Fallpauschalen keine Absicherung der Kosten für die Vorhaltung insbesondere von Personal rund um die Uhr vor. Kleinere Krankenhäuser, deren Einzugsgebiet begrenzt ist, stellt dies vor massive Probleme“, sagte Reimund. Er hält es für notwendig, dass das derzeitige System um Pauschalen für diese Vorhaltekosten ergänzt wird.

Zur Not muss der Bund einspringen

Der Verband wünscht sich außerdem eine „aktivere Krankenhausplanung“ in Verantwortung der Länder. Gemeint ist eine Verständigung mit anderen Akteuren über die bedarfsnotwendigen Krankenhäuser und damit ein Strukturwandel als „Ergebnis nachvollziehbarer fachlicher und politischer Entscheidungen“ und nicht als Folge von Unterfinanzierung und bürokratischen Vorgaben – also eines „kalten Strukturwandels“.

Bislang sieht das rein leistungsbezogene System der DRG-Fallpauschalen keine Absicherung der Kosten für die Vorhaltung insbesondere von Personal rund um die Uhr vor.

Patrick Reimund. Geschäftsführer der Krankenhausgesellschaft Schleswig-Holstein

Zur Absicherung der Krankenhäuser gehört aus KGSH-Sicht zudem eine ausreichende und verlässliche Finanzierung der Krankenhausinvestitionen. Die Bundesländer sind ihrer gesetzlichen Verpflichtung in dieser Frage nach KGSH-Lesart „oft nur unzureichend nachgekommen“. Sollte sich dies nicht ändern, hält Reimund eine Diskussion über eine Beteiligung des Bundes für erforderlich – genauso wie die über eine Finanzierung der Digitalisierung in Kliniken.

Um den bereits erkennbaren Fachkräftemangel in den Kliniken abzumildern, hält der Verband die Entlastung der Mitarbeitenden „von unnötigen und überzogenen bürokratischen Belastungen“ für erforderlich. Dazu zählt er unter anderem, die Vorgaben des Gemeinsamen Bundesausschusses zur Strukturqualität in den Krankenhäusern kritisch zu hinterfragen. Stattdessen müssten Kliniken in die Lage versetzt werden, attraktive Arbeitsplätze anzubieten.

Zur Bemessung des Pflegepersonalbedarfs empfiehlt die KGSH, das Konzept „PPR 2.0“ – erarbeitet von Deutscher Krankenhausgesellschaft, Deutschem Pflegerat und Verdi – umzusetzen.

Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
Überzeugende Real-World-Daten zur Langzeitprophylaxe

© AndreasReh, Ljupco, tinydevil, shapecharge | istock

rHWI

Überzeugende Real-World-Daten zur Langzeitprophylaxe

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Antibiotikum mit antimykotischen Zusatznutzen

© Dr_Microbe | Adobe Stock

In vitro-Studien

Antibiotikum mit antimykotischen Zusatznutzen

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Therapie bei unkomplizierter Zystitis

© Dr_Microbe | Adobe Stock

Evidenz, Resistenz & Wirksamkeit

Therapie bei unkomplizierter Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
DMykG 2025: So dringt Bifonazol effektiv in die Nagelplatte ein

© Matt LaVigne | iStock

Neue in-vitro-Daten

DMykG 2025: So dringt Bifonazol effektiv in die Nagelplatte ein

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Bifonazol: Antimykotikum mit antientzündlicher Wirkung

© Irina Esau | Getty Images/iStockphoto

Fokus: Integrität der Haut

Bifonazol: Antimykotikum mit antientzündlicher Wirkung

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Die Bedeutung von Bifonazol in der Therapie der Tinea capitis

© Prof. Dr. med. Hans-Jürgen Tietz

Pilzinfektion Kopfhaut

Die Bedeutung von Bifonazol in der Therapie der Tinea capitis

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Zeitaufwand pro Verabreichung von Natalizumab s.c. bzw. i.v.

© Springer Medizin Verlag GmbH, modifiziert nach [9]

Familienplanung und Impfen bei Multipler Sklerose

Sondersituationen in der MS-Therapie

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Biogen GmbH, München
Protest vor dem Bundestag: Die Aktionsgruppe „NichtGenesen“ positionierte im Juli auf dem Gelände vor dem Reichstagsgebäude Rollstühle und machte darauf aufmerksam, dass es in Deutschland über drei Millionen Menschen gebe, dievon einem Post-COVID-Syndrom oder Post-Vac betroffen sind.

© picture alliance / Panama Pictures | Christoph Hardt

Symposium in Berlin

Post-COVID: Das Rätsel für Ärzte und Forscher

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: vfa und Paul-Martini-Stiftung

Symposium der Paul-Martini-Stiftung

COVID-19 akut: Früher Therapiestart effektiv

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: vfa und Paul-Martini-Stiftung
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Differenzierung ist entscheidend

INOCA/ANOCA: Welche Therapie ist die richtige?

Apps auf Rezept im Visier

Schutz vor Regress bei der DiGA-Verordnung

Lesetipps
Nahaufnahme eines Patient, der den Gesundheitsbereich der ChatGPT-App verwendet.

© Azulblue / stock.adobe.com

Digitalisierung

KI-Chatbots bieten 24/7-Sprechstunde für Patienten

Dass Sport einen positiven Effekt bei Patienten mit Depressionen hat, ist nichts Neues. Der Casus Knacksus ist die Motivation.

© Rifqi Muflih / stock.adobe.com

Motivierende Gesprächsführung

Wie motiviere ich Patienten mit Depression zu Sport?

Ein Arzt arbeitet mit einer KI-Anwendung.

© Deemerwha studio / stock.adobe.com

Von DiGA bis Chatbot

Wie KI hilft, die rheumatologische Versorgung zu verbessern