Gesundheitskongress des Westens

Termine in Praxen künftig komplett über die 116 117 buchen?

Die Ärzteschaft sieht bei der 116 117 in Gemeinschaft mit SmED viel Potenzial, das bislang brach liegt. Die zentrale vertragsärztliche Service-Hotline könnte gar neuer Telefonassistent der Praxen werden, heißt es auf dem „Gesundheitskongress des Westens“.

Von Ilse SchlingensiepenIlse Schlingensiepen Veröffentlicht:
Die 116117 ist gut von Patienten angenommen worden.

Die 116117 ist gut von Patienten angenommen worden.

© Daniel Reinhardt/picture alliance

Köln. Mit der Steuerung von Patienten in die richtige Versorgungsebene beim Notdienst sowie der Terminvermittlung für Arztbesuche und für Corona-Impfungen sind die Möglichkeiten der zentralen vertragsärztlichen Service-Hotline 116 117 noch lange nicht ausgereizt. „Die 116 117 kann mehr, und sie hat noch viel vor sich“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein (KVNo), Dr. Frank Bergmann, beim „Gesundheitskongress des Westens 2021“ in Köln.

Die KVNo werde das Angebot in Nordrhein weiterentwickeln und die verschiedenen Funktionen des Systems nutzen, kündigte er an. Zurzeit sei die 116 117 noch „work in progess“, betonte er. Es habe Zeit gebraucht, bis sich die Rufnummer als Anlaufstelle für den ärztlichen Bereitschaftsdienst durchgesetzt habe, dann sei die Funktion als Terminservicestelle hinzugekommen.

Diese Funktionen sollen kontinuierlich weiterentwickelt und verbessert werden, betonte Bergmann. Gleichzeitig kommen neue Angebote wie die „Strukturierte medizinische Ersteinschätzung in Deutschland“ (SmED) hinzu.

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116 117  könnte Praxen entlasten

Die verschiedenen Angebote der Plattform sind langfristig auch für die Arztpraxen von Interesse, sagte Dr. Dominik Graf von Stillfried, Vorstandsvorsitzender des Zentralinstituts für die Kassenärztliche Versorgung (Zi). „Ich könnte mir vorstellen, dass wir die 116 117 in Zukunft als Dienstleistung für das Terminmanagement der Praxen anbieten.“

Die Vorstellung: Die Patienten können über die Plattform direkt einen Termin beim Arzt ihrer Wahl buchen. Das Zi erhalte zunehmend Anfragen von großen Praxen, die das SmED-System nutzen wollen, berichtete er. Auch die qualifizierte Medizinische Fachangestellte, die in der Praxis die Telefonanrufe annimmt, müsse die Dringlichkeit der Beschwerden einschätzen, sagte er. Ein strukturiertes System wie SmED könne eine hilfreiche Entlastung sein.

Der Zi-Chef geht von einer wachsenden Bedeutung der Plattform aus. Der Zugang zum Gesundheitswesen könnte sich schrittweise auf Funktionen der 116 177 verlagern. Dann müssten die Anlaufstellen aber deutlich aufgerüstet werden.„Wir haben bereits verschiedene Angebote, die noch bekannter gemacht werden müssen“, betonte Miriam Mauss, stellvertretende Geschäftsführerin des Geschäftsbereichs Medizin und Versorgung bei der KVNo. Die Arztsuche werde bereits sehr gut angenommen. „Das sollten wir noch weiter ausbauen.“

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Wichtig sei eine permanente Qualitätssicherung, vor allem über die Schulung und Stärkung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. „Man muss ihnen optimale Rahmenbedingungen zur Verfügung stellen“, betonte Mauss. Dazu gehöre auch SmED.

Die Einrichtung der 116 117  sei aus Sicht der Patienten ein großer Fortschritt gewesen, lobte Sabine Wolter, Referentin für Gesundheitsrecht der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Auch die Vermittlung von Terminen bei Fachärzten und Psychotherapeuten bewertete sie positiv. „Wir haben über die Verbraucher die Rückmeldung bekommen, dass es gut läuft.“

Unzufriedenheit in der Pandemie

Allerdings sei die Zufriedenheit der Nutzer bei der Buchung von Terminen für die Corona-Impfung gesunken. Da habe es vermehrt Beschwerden über Wartezeiten und unfreundliches Personal gegeben. Wolter plädierte dafür, dass Nutzer über die 116 117 Zugang zu qualitätsgesicherten, leicht verständlichen Informationen über medizinische Themen erhalten. Das sei insbesondere für Menschen mit geringer Gesundheitskompetenz wichtig. Viele Informationen sind bereits auf der Plattform hinterlegt, auch in leichter Sprache, sagte Mauss.

Auf alle Fragen werden die Service-Stellen aber nie eine Antwort finden können. So wollte ein Anrufer aus Aachen von der Hotline wissen: „Können Sie mir sagen, wann während Corona die Müllabfuhr kommt?“. Auch eine ältere Dame hatte eine ganz praktische Frage: „Ich wollte mir ein Hühnchen braten. Wie lange muss ich das im Backofen lassen, damit die Coronaviren abgetötet werden?“ (iss)

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Kommentare
Veröffentlichte Meinungsäußerungen entsprechen nicht zwangsläufig der Meinung und Haltung der Ärzte Zeitung.
Carsten Windt

Ausgerechnet diese Telefonnummer!
Nicht nur in der Pandemie (auch vorher) ist eine Erreichbarkeit unter 116117 praktisch nicht gegeben. Und jetzt soll dieses untaugliche Medium auch auf allgemeine Terminvergaben ausgedehnt werden?


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