Corona-Splitter der KW 39/2021

Thrombosen nach Vaxzevria®-Impfung: Studienergebnisse publiziert

Ein Team um die Professoren Renné und Greinacher aus Hamburg und Greifswald hat den Mechanismus hinter den teils schweren Impfkomplikationen mit der Vakzine Vaxzevria® aufgeklärt. Nun sind die Studienergebnisse vollständig publiziert worden.

Von Anne BäurleAnne Bäurle und Wolfgang GeisselWolfgang Geissel und Marco MrusekMarco Mrusek Veröffentlicht:
Welcher ist immunogener – der Corona-Impfstoff von BioNTech oder der von Moderna?

Eine COVID-Impfung mit Vaxzevria® wird in Deutschland derzeit nur für Personen über 60 Jahre empfohlen. Grund sind seltene Fälle von Sinusvenenthrombosen, die nach der Impfung bei wenigen Geimpften aufgetreten sind.

© Nicolas Armer / dpa / picture alliance

Update vom 1. Oktober

Forschungsergebnisse zu Thrombosen nach Impfung publiziert: Ein internationales Team von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern hat den Mechanismus hinter den teilweise schweren Komplikationen mit Sinusvenenthrombosen nach COVID-19-Impfung mit der Vakzine Vaxzevria® von AstraZeneca aufgeklärt. Bereits im April waren erste Preprint-Ergebnisse dazu veröffentlicht worden. Nun haben Seniorautor Professor Thomas Renné vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf und Erstautor Professor Andreas Greinacher von der Universität Greifswald ihre Studienergebnisse vollständig publiziert. Demnach ist für die Häufung von Sinusvenenthrombosen nach der Impfung mit Vaxzevria® eine ungünstiges Zusammenspiel verantwortlich: Durch eine Interaktion mit dem Impfstoff wird ein verändertes Protein von körpereigenen Thrombozyten (dem Plättchenfaktor 4) von den Antikörper-bildenden Zellen des Immunsystems erkannt. In der Folge kommt es zu Entzündungsreaktionen (die sich auch in Impfreaktionen in den ersten Tagen nach der Injektion niederschlagen) sowie der Produktion von Antikörpern, die in manchen Fällen den Plättchenfaktor 4 auf Thrombozyten erkennen und die Bildung von Thrombosen anstoßen. „Unsere Ergebnisse können jetzt dafür genutzt werden, den Impfstoff weiter zu verbessern und noch sicherer zu machen“, wird Renné in einer Mitteilung zur Veröffentlichung der Studie zitiert. Außerdem sei es nun möglich, Patienten mit dieser Komplikation Immunglobuline zu verabreichen, die die Thrombose-Bildung verhindern und das Mortalitätsrisiko infolge dieser Komplikation um 90 Prozent senken (Blood 2021; online 29. September).

Update vom 30. September

Phase-III-Ergebnisse für REGN-COV2®: Die Antikörper-Kombination Casirivimab/Imdevimab reduziert offenbar bei ambulanten, mit SARS-CoV-2 infizierten Patientinnen und Patienten mit Risikofaktoren für schwere COVID-19 (etwa Übergewicht, kardiovaskuläre Erkrankungen und Alter über 50 Jahre) die Wahrscheinlichkeit für Hospitalisierung und Tod. Das ist das Ergebnis einer vom Hersteller Regeneron finanzierten Phase-III-Studie mit 2696 ambulanten, infizierten Patienten mit hohem Risiko für einen schweren Verlauf. Hospitalisierung oder Tod traten in der Verumgruppe, die den Antikörper-Cocktail REGN-COV2® in einer Dosis von 2,4 g i.v. erhielt, bei 18 von 1355 Patienten (1,3 Prozent) und in der Placebogruppe bei 62 von 1341 Patienten (4,6 Prozent) auf. Das entspricht einer relativen Risikoreduktion von 73,1 Prozent. Weitere Ergebnisse: Im Median sistierten die Symptome vier Tage früher mit Verum (10 versus 14 Tage), außerdem reduzierte sich die Viruslast der Patienten früher. Vergangene Woche hatte die Weltgesundheitsorganisation WHO die Antikörper-Kombination präventiv für infizierte Risikopatienten empfohlen, um einer schweren COVID-19 vorzubeugen (New Engl J Med 2021; online 29. September).

Update vom 29. September

Fast jeder zweite mit COVID-19 Hospitalisierte in China gibt noch ein Jahr später mindestens ein Symptom an. Das ist das Ergebnis einer retrospektiven Kohortenstudie an zwei chinesischen Krankenhäusern in Wuhan mit 2433 konsekutiven Patienten, die wegen COVID-19 hospitalisiert und zwischen Februar und April 2020 wieder entlassen worden waren. Die Patienten sind median 60 Jahre alt und wurden im März 2021 zu ihrem aktuellen Zustand befragt. Ergebnis: 45 Prozent gaben an, immer noch mindestens ein Symptom zu haben, am häufigsten genannt wurden Fatigue, Schweißausbrüche, Engegefühl in der Brust, Angstzustände oder Myalgie (JAMA Netw Open 2021; online 29. September).

Update vom 28. September

Infektionen mit SARS-CoV-2 bei Schülern und deren Familien sind selten und produzieren wenige Sekundärfälle. Das ist das Ergebnis einer Berliner Studie mit 338 Schülern, 140 Lehrern und 611 Haushaltsmitgliedern, die zwischen Juni 2020 und März 2021 auf SARS-CoV-2 getestet wurden. Dabei gab es bei 24 untersuchten Schulklassen insgesamt 32 Infektionsfälle (elf Schüler, drei Lehrer, 18 Haushaltsmitglieder, entspricht 2,9 Prozent). Weitere Ergebnisse: 40 Prozent der Kinder gaben an, moderate bis große Angst vor einer Infektion zu haben, 44 Prozent hatten eine niedrige Gesundheits-bezogene Lebensqualität (HRQOL-Test), 78 Prozent gaben an, ihre Freunde nur noch selten oder gar nicht mehr zu besuchen, 56 Prozent gaben an, gar nicht mehr oder nur noch selten Sport zu betreiben, 54 Prozent beziehungsweise 86 Prozent gaben an, häufig Computerspiele zu spielen beziehungsweise fern zu sehen. Die Autoren betonen, erneute Schulschließungen dürften nur ultima ratio sein (JAMA Netw Open 2021; online 28. September).

Update vom 27. September

In Schulen ohne Maskenpflicht für Kinder und Lehrpersonal ist das Risiko für einen Corona-Ausbruch 3,7-mal höher als in Schulen, in denen eine Maskenpflicht gilt. Das hat eine Studie der US-Seuchenbehörde CDC ergeben, die das Ausbruchsgeschehen nach Beginn des diesjährigen Schuljahres Mitte Juli bis Ende August an rund 1000 US-Schulen untersucht hat. An 21 Prozent der Schulen galt von Beginn des Schuljahres an eine Maskenpflicht, an fast der Hälfte der Schulen (48 Prozent) waren keine Masken für Kinder und Lehrpersonal vorgeschrieben. An den restlichen 31 Prozent wurde eine Maskenpflicht erst nach Schulstart eingeführt, im Mittel 15 Tagen später. In den Tagen 7 bis 14 nach Schulbeginn wurden 191 Corona-Ausbrüche mit mehr als zwei Infektionsfällen gemeldet, die in Zusammenhang mit dem Schulbesuch standen. Lediglich 16 Ausbrüche (8,4 Prozent) traten an Schulen mit Maskenpflicht auf, wohingegen 113 Ausbrüche (59,2 Prozent) in Schulen auftraten, in denen das Tragen einer Maske nicht vorgeschrieben war. Zu 62 Corona-Ausbrüchen (32,5 Prozent) kam es an Schulen, die die Maskenpflicht erst nach Beginn des Schuljahres eingeführt hatten (Morbidity and Mortality Weekly Report 2021; online 24. September).

Die Lebenserwartung hat im Zuge der Corona-Pandemie in vielen Ländern so stark abgenommen wie zuletzt in Westeuropa nach dem Zweiten Weltkrieg. Für ihre Studie untersuchte ein Team des Leverhulme Centre for Demographic Science an der Universität Oxford Mortalitätsdaten aus 29 Ländern, darunter neben Deutschland viele andere europäische Staaten und die USA. Ergebnis: In 22 der 29 Länder habe die Lebenserwartung 2020 im Vergleich zu 2019 um mindestens ein halbes Jahr abgenommen. „In westeuropäischen Ländern wie Spanien, England und Wales, Italien oder Belgien wurde ein solcher Rückgang der Lebenserwartung in nur einem Jahr zuletzt während des Zweiten Weltkriegs beobachtet“, wird Studienautor Dr José Manuel Aburto in einer Mitteilung aus Anlass der Publikation zitiert. Am stärksten sank dabei die Lebenserwartung US-amerikanischer Männer, und zwar um 2,2 Jahre im Vergleich zu 2019. In den USA sei vor allem die gestiegene Sterblichkeit im erwerbsfähigen Alter unter 60 Jahren bemerkenswert, so Studienautorin Dr. Ridhi Kashyap. In den meisten europäischen Ländern hingegen habe dagegen vor allem die Mortalität bei den über 60-Jährigen zugenommen (Int J Epidemiol 2021; online 26. September). (dpa)

Liebe Leser, wir fassen die Corona-Studienlage wöchentlich zusammen. Eine Übersicht mit allen bereits veröffentlichten COVID-19-Splittern der vergangenen Wochen und Monate finden Sie hier:

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