Hessen

Uni-Ärzte wollen mehr als nur Applaus in Corona-Krise

Eine Ärzte-Initiative der Unikliniken des Landes und der Marburger Bund pochen auf Übernahme des bundesweiten Tarifvertrags. Die Landesregierung bietet unterdessen nur ein Zückerchen an.

Von Christoph BarkewitzChristoph Barkewitz Veröffentlicht:
Von wegen eitel Sonnenschein: Die Ärzte an den hessischen Unikliniken Marburg, Gießen und Frankfurt fordern angesichts ihres Engagements in der Corona-Krise nicht nur nette Worte, sondern die Übernahme des bundesweiten Tarifabschlusses.

Von wegen eitel Sonnenschein: Die Ärzte an den hessischen Unikliniken Marburg, Gießen und Frankfurt fordern angesichts ihres Engagements in der Corona-Krise nicht nur nette Worte, sondern die Übernahme des bundesweiten Tarifabschlusses.

© Uwe Zucchi / dpa / picture alliance

Wiesbaden/Marburg. Die Ärzte an Hessens Unikliniken fühlen sich in der Corona-Krise von Arbeitgeberseite – Land Hessen und Rhön Klinikum AG – im Stich gelassen. Es reiche nicht, wenn Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) in der Öffentlichkeit davon rede, deren großartiges Engagement in der Bekämpfung der COVID-19-Pandemie verdiene unser aller Dank und Anerkennung, heißt es in einem am Freitag veröffentlichten offenen Brief an den Regierungschef. Das Schreiben haben bis dato rund 1000 Ärzte der Unikliniken Frankfurt und Gießen/Marburg unterzeichnet.

Die Verhandlungsstrategie in den seit Oktober 2019 laufenden Tarifverhandlungen spiegele die vermeintliche Anerkennung nicht wider, heißt es in dem Brief. Die dabei praktizierte Hinhaltetaktik erwecke vielmehr den Eindruck, dass die Verhandlungsführer seitens Land und Rhön-Klinikum die derzeitige Situation ausnutzten. Denn sie wüssten, dass Tarifverhandlungen aktuell nicht möglich seien und Arbeitskampfmaßnahmen wie Streiks nicht in Frage kämen.

„Arbeitgeber nutzen Situation aus“

Dabei wäre mit der Übernahme der Kompromisslösung zwischen der Tarifgemeinschaft der Länder (TdL) und den anderen 23 Universitätskliniken in Deutschland eine rasche und pragmatische Beilegung des Tarifkonflikts möglich, heißt es weiter. Dies werde aber durch die Verhandlungsführer der Arbeitgeberseite ohne jede Begründung abgelehnt.

Vorige Woche hatte bereits der Landesverband des Marburger Bundes kritisiert, Hessen hänge die Uni-Ärzte in der Krise ab. Statt dem Vorschlag der Übernahme der bundesweiten Regelung zu folgen, werde lediglich eine „Zwischenlösung angeboten, nach der die Uni-Ärzte allerdings weniger Geld bekommen sollten und über Arbeitszeit- und Dienstplanregelungen erst im Jahr 2021 verhandelt würde.

Gratis-Bahnticket für Ärzte

Der Verhandlungsführer des Landes, Innenstaatssekretär Stefan Heck (CDU), zeigte sich indessen am Freitag nach einer Telefonkonferenz mit der Ärztegewerkschaft zuversichtlich: Das Gespräch sei konstruktiv gewesen; „wir wollen so schnell wie möglich einen fairen Tarifabschluss vereinbaren und sind dabei auf einem guten Weg“.

Um „den Ärztinnen und Ärzten aber schon jetzt ein positives Signal zu senden“, sollten sie schon vor Tarifabschluss das „LandesTicket Hessen“ erhalten. Damit solle die herausragende Arbeit der Landesbeschäftigten in der Corona-Krise gewürdigt werden.

Mit dem Ticket können Tarifbeschäftigte und Auszubildende des Landes seit 2018 kostenfrei den öffentlichen Nah- und Regionalverkehr in ganz Hessen nutzen. Für die 2200 Uni-Ärzte gilt allerdings ein eigener Tarifvertrag, in dem das Landesticket bislang nicht enthalten war.

Widerspruch des Marburger Bunds

Die Interpretation Hecks zum Verhandlungsstand stieß bei der MB-Landevorsitzenden Dr. Susanne Johna jedoch umgehend auf Unverständnis. Im Gegensatz zur Landesregierung sähen die Vertreter der Ärzteschaft die Verhandlungen auf keinem guten Weg.

„Wir sind ganz im Gegenteil noch weit von einer fairen Lösung entfernt“, sagte Johna die auch den Bundesvorsitz des MB inne hat. „Während Bürger den Ärztinnen und Ärzten Applaus spenden oder Gastronomen sich mit Essenslieferungen in die Kliniken bedanken, gewährt ihnen die Landesregierung nicht die gleichen Tarifregelungen wie in den übrigen Bundesländern.“

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