SARS-CoV-2

In Hessen werden Corona-Testzentren aufgewertet

In Hessen sollen künftig positiv auf Sars-CoV-2 getestete Patienten mit leichten Symptomen in neu zu schaffende „Behandlungszentren“ gehen können.

Von Christoph Barkewitz Veröffentlicht: 16.04.2020, 16:28 Uhr
Hessen richtet neue Behandlungszentren ein, die für positiv auf SARS-CoV-2 getestete Menschen offen stehen sollen. Das gab Sozialminister Kai Klose (l., neben dem Ministerpräsident Volker Bouffier) bekannt. (Archivbild)

Hessen richtet neue Behandlungszentren ein, die für positiv auf SARS-CoV-2 getestete Menschen offen stehen sollen. Das gab Sozialminister Kai Klose (l., neben dem Ministerpräsident Volker Bouffier) bekannt. (Archivbild)

© Frank Rumpenhorst/dpa Pool/dpa

Wiesbaden. In Hessen sollen in Kürze sogenannte COVID-19-Behandlungszentren die bisherigen Testzentren ersetzen. Dazu sei das Land in Gesprächen mit der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen, teilte Sozialminister Kai Klose (Grüne) am Donnerstag mit.

Den Zeitpunkt der Inbetriebnahme könne er noch nicht nennen, es würden aber wohl mehr als die zuletzt 16 von der KV betriebenen Testzentren werden. Die Behandlungszentren sollen demnach für positiv auf SARS-CoV-2 getestete Menschen offen sein, die nur leichte Symptome zeigen. Ziel: Krankenhäuser und Arztpraxen frei halten.

Kliniken noch nicht überlastet

Die Situation in den hessischen Krankenhäusern ist laut Klose derzeit noch nicht besorgniserregend. Stand Donnerstagmittag seien 12.661 Betten frei (stationäre Betten inklusive der Beatmungs- und Intensiv-Überwachungsbetten) gewesen, davon 844 freie Beatmungsbetten. Die Zahl der beatmungspflichtigen Patienten habe bei 253 gelegen.

Zuletzt hatte es wieder etwas mehr tägliche Neuinfektionen im Land gegeben. Stand Donnerstag waren in Hessen 6950 Menschen positiv auf SARS-CoV-2 getestet worden, die Zahl der Todesfälle lag bei 192. Die Basisreproduktionszahl liegt laut Klose in Hessen aktuell bei schätzungsweise 1 zu 1,1.

Virologin Ciesek: Müssen noch lange mit Virus leben

Die Leiterin der Virologie an der Frankfurter Uniklinik, Professor Sandra Ciesek, sagte, die bisherigen Maßnahmen hätten die Kurve zwar abgeflacht, „aber wir müssen noch lange mit dem Virus leben“. Die jetzt beschlossenen Lockerungsmaßnahmen würden zwangsläufig zu mehr Infektionen führen.

Trotzdem befürwortete sie diese im Grundsatz: „Ich bin ein vorsichtiger Mensch, daher halte ich schrittweise Lockerungen für vernünftig.“ Wozu das führen werde, wisse allerdings im Moment keiner. „Wir müssen mehr testen“, so Ciesek

In ihrem Labor an der Frankfurter Uniklinik würden derzeit 1000 Proben pro Tag untersucht. Die Zahl schwanke, aber im Schnitt liege die Zahl der positiven Einsendungen (aus ganz Hessen stammend) bei fünf Prozent.

Mit sogenannten Pool-Tests, bei denen Abstriche von mehreren Testpersonen zusammen untersucht werden können, könnten die Kapazitäten um das Zehnfache gesteigert werden – „damit sind deutlich flächendeckendere Tests möglich“, sagte Ciesek.

Kammerpräsident kritisiert Hanauer Maskenpflicht

Die Stadt Hanau hat unterdessen angekündigt, von kommenden Montag an eine generelle Maskenpflicht („Alltagsmasken“) einführen zu wollen. Dies gelte überall dort, wo man auf Mitmenschen treffe und die Abstandsregelung eventuell nicht einhalten könne.

Ärztekammer-Präsident Dr. Edgar Pinkowski kritisierte dies umgehend. So lange es nicht genügend wirksame Masken und Schutzkleidung für medizinisches Personal gebe, entbehre eine Verpflichtung zum Tragen eines Mundschutzes jeglicher Grundlage.“ „Wir brauchen einheitliche Regelungen und keine grundlose Verschärfung der Corona-Maßnahmen auf kommunaler Ebene.“
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