Appell aus Hamburger Klinik

Ärzte fordern Kopfball-Verbot im Fußball-Training mit Kindern

Wie gefährlich sind Kopfbälle für Nachwuchsfußballer? Der DFB hält ein vorsichtiges und altersgerechtes Training für angemessen. Anders sehen es Klinikärzte aus Hamburg: Sie fordern, das Kopfball-Training zu verbieten.

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Viele Kinder gehen regelmäßig ins Fußballtraining – Kopfbälle gehören dabei dazu. Nein, sagen Hamburger Fachärzte und fordern ein Kopfball-Verbot im Fußball-Training mit Kindern.

Viele Kinder gehen regelmäßig ins Fußballtraining – Kopfbälle gehören dabei dazu. Nein, sagen Hamburger Fachärzte und fordern ein Kopfball-Verbot im Fußball-Training mit Kindern.

© Philipp Dimitri / Westend61 / picture alliance

Hamburg. Fachärzte der Hamburger Asklepios Klinik Nord haben ein Verbot von Kopfbällen im Fußball mit Kindern unter zwölf Jahren gefordert.

Die Mediziner – darunter Neurologen, Hals-Nasen-Ohren-Spezialisten und Kinderchirurgen – kritisierten zugleich die Haltung des Deutschen Fußball-Bundes, der auf altersgemäße Regelungen setzt. „Die Experten der Klinik sind sich einig darin, dass ein klares Verbot von Kopfbällen die deutlich verantwortungsvollere Version wäre“, teilte ein Sprecher der Asklepios Kliniken mit.

Der Teamarzt der Deutschen Nationalmannschaft und Leiter der medizinischen Kommission des DFB, Tim Meyer, hatte Ende Januar vor unüberlegten Verboten gewarnt: „So ein Kopfball zieht in der Regel kein greifbares medizinisches Krankheitsbild nach sich.“

Gehirnerschütterungen könnten zwar vereinzelt bei Kopfbällen auftreten. „Meistens ist es nicht der Ball, der diese Gehirnerschütterung auslöst, sondern der Kontakt mit dem Kopf des Gegners, der Schulter, der Pfosten oder dem Boden“, sagte Meyer.

DFB empfielt Training mit Schaumstoffbällen

Der DFB empfiehlt für das Training in den jüngeren Jugendklassen leichte Bälle - teils aus Schaumstoff - sowie eine geringe Zahl von Kopfball-Wiederholungen pro Training. Kleine Spielfelder bei den Jüngeren und Mini-Tore sollen dazu beitragen, dass die Bälle flach gespielt werden.

Die Ärzte der Hamburger Asklepios Klinik riefen den DFB auf, sofort Position gegen das frühe Kopfballspiel zu beziehen und das Kopfball-Training für Kinder unter zwölf Jahren auszusetzen.

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„Sich auf Kommissar Zufall zu verlassen in dem Sinne, dass sich das Problem durch veränderte Spielformen im Kleinfeld praktisch von selbst erledigt, halten wir nicht für einen ausreichenden Schutz zur langfristigen Gesunderhaltung unserer Kinder“, erklärte der Chefarzt der Kinderklinik am Asklepios Nord, Markus Kemper.

Eine schottische Studie hatte 2019 bei Fußballern ein erhöhtes Risiko dafür gefunden, an neurodegenerativen Erkrankungen zu sterben. Eine Antwort auf die Frage, ob Kopfbälle schwere Gehirnerkrankungen auslösen könnten, gibt es bisher nicht.

In England, Schottland und Nordirland besteht seit Anfang 2020 ein Verbot von Kopfbällen im Training von Kindern unter zwölf Jahren. In den USA sind Kopfbälle für Kinder unter zehn Jahren verboten. (dpa)

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