Nervengift Nowitschok nachgewiesen

Merkel: Nawalny ist Opfer eines Verbrechens

Alexej Nawalny ist nach Angaben von Bundeskanzlerin Angela Merkel mit einem Nowitschok-Nervenkampfstoff vergiftet worden. Das Nervengift macht nicht zum ersten Mal Schlagzeilen. Die Ärzte an der Charité schließen Langzeitfolgen beim russischen Oppositionspolitiker nicht aus.

Veröffentlicht:
Alexej Nawalny wird weiterhin in der Berliner Charité beatmet.

Alexej Nawalny wird weiterhin in der Berliner Charité beatmet.

© Pavel Golovkin/dpa

Berlin. Alexej Nawalny wurde mit einem Nowitschok-Nervenkampfstoff vergiftet, wie Bundeskanzlerin Angela Merkel mitteilte. So lautet das Ergebnis einer toxikologischen Untersuchungen der Bundeswehr, die die Charité in Auftrag gegeben hatte.

Seit dem 22. August wird der russische Oppositionspolitiker deshalb in dem Berliner Klinikum behandelt. „Damit ist sicher: Alexej Nawalny ist Opfer eines Verbrechens. Er sollte zum Schweigen gebracht werden und ich verurteile das auch im Namen der ganzen Bundesregierung auf das Allerschärfste“, so Merkel.

Der Gesundheitszustand von Nawalny wird von seinen Ärzten weiterhin als ernst beschrieben. Aber es gibt auch positive Nachrichten: „Die Symptomatik der durch eine nachgewiesene Vergiftung ausgelösten Cholinesterase-Hemmung ist zunehmend rückläufig. Grund dafür ist eine schrittweise Regeneration der Cholinesterase-Aktivität“, teilte die Charité mit. Nawalny werde weiter auf einer Intensivstation behandelt und maschinell beatmet. Die Ärzte rechnen mit einem längeren Krankheitsverlauf. „Langzeitfolgen der schweren Vergiftung sind weiterhin nicht auszuschließen“, so die Ärzte.

Entwickelt wurde das Nervengift in den 70ern

Nowitschok (zu deutsch Neuling) gilt als einer der tödlichsten je erfundenen Kampfstoffe. Bereits im Jahr 2018 wurde der frühere russische Doppel-Agent Sergej Skripal damit vergiftet. Entwickelt wurde die Serie von Nervengiften in den 1970er und 80er Jahren von sowjetischen Forschern – im Geheimen, um internationale Verbote zu umgehen.

Zu Nowitschok sind nur wenige Details bekannt. Vermutlich besteht es aus zwei an sich ungiftigen Komponenten, die ihre tödliche Gefahr erst beim Mischen entfalten.

Das Relikt aus dem Kalten Krieg soll fünf bis zehn Mal stärker wirken als der chemische Kampfstoff VX. Mit diesem war im Februar 2017 der Halbbruder des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong Un in Malaysia ermordet worden.

Nowitschok, das oft in Form eines extrem feinen Pulvers Verwendung findet, gelangt über Haut oder Atemwege in den Körper und führt meist binnen weniger Stunden zum Erstickungstod. Das Gift ist nur schwer nachzuweisen, die Überlebenschancen sind gering. Selbst bei Vergiftungen dieser Art übliche Gegenmittel wie Atropin können meist nur wenig ausrichten. (mas/dpa)

Lesen sie auch
Lesen sie auch
Mehr zum Thema

Virchowbund

Kaspar-Roos-Medaille für Lundershausen

Corona-Winter

Unnötige Millionen-Ausgaben für Ungeimpfte

Kommentare

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Jetzt anmelden / registrieren »

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

» kostenlos und direkt in Ihr Postfach

Am Morgen: Ihr individueller Themenmix

Zum Feierabend: das tagesaktuelle Telegramm

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Impetigo bei einem fünf Jahre alten Kind.

© FotoHelin / stock.adobe.com

practica 2021

Bei Impetigo contagiosa ist Abstrich meist überflüssig

Impfausweis mit Comirnaty-Eintrag: Welcher ist immunogener – der Corona-Impfstoff von BioNTech oder der von Moderna?

© Bikej Barakus / stock.adobe.com

Corona-Studien-Splitter

Dritte Impfung mit Comirnaty® frischt Schutz zuverlässig auf

Gut ausgebildete Medizinische Fachangestellte werden immer häufiger aus den Praxen abgeworben, beklagt Virchowbund-Vorsitzender Dr. Dirk Heinrich. In der Corona-Pandemie habe sich gezeigt, wie systemrelevant MFA sind.

© Virchowbund

MFA häufig abgeworben

Virchowbund-Chef: „Ein Arzt alleine ist noch keine Praxis!“