Katastrophenschutz

Rettungskräfte beraten in Berlin

Anschläge in Großstädten und Urlaubsorten, Terror mit Bomben, Lastwagen und Äxten: Beim Katastrophenschutzkongress in Berlin diskutieren Rettungskräfte die veränderte Gefahrenlage und neue Hilfsansätze.

Von Gisela Gross Veröffentlicht:

BERLIN. Anschläge in Berlin und anderen europäischen Städten, der Amoklauf von München mit neun Todesopfern im vorigen Jahr, unvermittelte Attacken in Zügen: Die terroristische Bedrohung und andere Verbrechen der vergangenen Jahre haben aus Expertensicht zu neuen Fragen auch bei den Rettungskräften geführt.

"Wie man die eigenen Kräfte schonen und vorbereiten kann – das bringt viel Unsicherheit in die eigenen Reihen", sagte "Behörden Spiegel"-Chefredakteur Uwe Proll vor dem Europäischen Katastrophenschutzkongress in Berlin. Das Fachmedium veranstaltet den Kongress an diesem Dienstag und Mittwoch. Erwartet werden rund 600 Teilnehmer, unter anderem von Feuerwehren und Hilfswerken. Der "Behörden Spiegel" ist die auflagenstärkste unabhängige Zeitung für den Öffentlichen Dienst in Deutschland.

Für Einsatzkräfte gehe es etwa in Fällen mit hohen Verletztenzahlen einerseits um ihren eigenen Schutz, andererseits um das Retten von Leben, so Proll. Die Retter beschäftige die Frage, wie sie mit Zonen umgehen sollen, in denen gefährliche Kampfhandlungen zu erwarten sind.

Dieses Thema sei in Deutschland insbesondere nach dem Amoklauf in München und Gerüchten über weitere bewaffnete Täter in der Stadt aufgekommen, sagte Proll. Denn Feuerwehrleute und Sanitäter verfügten weder über schutzsichere Helme und Westen noch über Waffen. Derartige Zusatzausrüstung könne im Einsatz eher hinderlich sein.

In Frankreich hingegen gibt es Proll zufolge Ärzte in den Reihen der französischen Spezialeinheit RAID. Diese gingen bewaffnet mit an die vorderste Front des Geschehens und hätten vorrangig die Aufgabe, eigene Kräfte aus der Kampfzone zu holen. Auch bei der Versorgung Schwerverletzter wie nach dem Attentat im Pariser Musikclub "Bataclan" setzten sich dort militärische Verfahren durch.

Zudem soll bei dem Kongress der Zivilschutz besprochen werden. Seit Jahrzehnten sei dieser in Deutschland "de facto abgewickelt", sagte Proll. "Es gibt keine Schutzräume mehr für die Bevölkerung, es gibt nur noch mangelhafte Grundnahrungsmittel-Bevorratung, und es gibt auch kein komplett vernünftiges Warnsystem der Bevölkerung."

Daneben wollen die Experten – unter anderem aus Anlass des tödlichen Explosionsunglücks auf dem Gelände von BASF in Ludwigshafen 2016 – die Gefährdung durch sogenannte kritische Infrastrukturen besprechen. Gemeint sind atomare, chemische und biologische Katastrophen, die etwa durch Industrieunfälle ausgelöst werden könnten. (dpa)

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