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„ÄrzteTag“-Podcast

Tatort Wohnzimmer – Gewalt gegen Kinder und Frauen im Corona-Lockdown

Gewalt gegen Frauen und Kinde: Das scheint eine Schattenseite der Corona-Krise zu sein, begünstigt durch häusliche Quarantäne, Schul- und Kita-Schließungen und finanzielle Sorgen. Im Podcast sprechen Prof. Janina Steinert und Dr. Cara Ebert darüber, welche Konsequenzen aus den von ihnen erhobenen Daten gezogen werden sollten.

Ruth NeyVon Ruth Ney Veröffentlicht:
Prof. Janina Steinert (l.) forscht unter anderem an der TU München; Dr. Cara Ebert (r.) forscht in Essen am RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung.

Prof. Janina Steinert (l.) forscht unter anderem an der TU München; Dr. Cara Ebert (r.) forscht in Essen am RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung.

© Steinert/TUM; Ebert/RWI

Häusliche Quarantäne, geschlossene Schulen und Kitas, finanzielle Sorgen – immer wieder wurde von Kinder- und Frauenbeauftragten die Sorge geäußert, dass dieser Belastungsmix auf fatale Weise gewalttätige Konflikte in Familien begünstigen könnte. Jetzt hat erstmals eine wissenschaftliche Erhebung Licht ins Dunkeln gebracht mit konkreten Zahlen. Sie stammen aus einer repräsentativen Befragung zu den Erfahrungen während der strengen Phase des Lockdowns. Und sie scheinen leider die Befürchtungen zu bestätigen. So hat danach etwa jedes zehnte Kind in häuslicher Quarantäne Gewalterfahrungen gemacht.

Im Podcast berichten die beiden Autorinnen der Studie, Prof. Janina Steinert von der TU München und Dr. Cara Ebert von der RWI Essen, welche Faktoren Gewalt gegenüber Frauen und Kindern besonders zu begünstigen scheinen und welche Konsequenzen daraus gezogen werden sollten. (Dauer 16:47 Minuten)

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Dr. Thomas Georg Schätzler 12.06.202021:18 Uhr

Es ist schon schlimm genug: 3800 Frauen in Deutschland zwischen 18 und 65 Jahren wurden online nach ihren Erfahrungen befragt, Männer blieben bei der Studie außen vor.

3% der Frauen berichten von Gewalt - Professorin Janina Steinert (TUM) und Dr. Cara Ebert (RWI) befragten die Frauen zwischen dem 22.04.2020 und 08.05.2020 zu Erfahrungen im März 2020, in dem die strengsten Kontaktbeschränkungen geherrscht hatten. 3% der Frauen gaben an, Opfer körperlicher Gewalt – wie etwa Schläge – geworden zu sein. 3,6% meinten, sie seien von ihrem Partner vergewaltigt worden. Emotional fühlten sich 3,8% der Frauen von ihrem Partner bedroht. Etwa 2% gaben an, dass sie das Haus ohne Erlaubnis nicht hätten verlassen dürfen. 4,6% gaben an, dass ihr Partner die Kontakte mit anderen Personen – auch über digitale Wege – reguliert habe. Ein weiteres Ergebnis der Studie: In 6,5% aller Haushalte wurden Kinder gewalttätig bestraft.

Doch wie sehen die bisher bekannten Zahlen aus? "Jede dritte Frau [33,33%] in Deutschland ist mindestens einmal in ihrem Leben von physischer und/oder sexualisierter Gewalt betroffen. Etwa jede vierte Frau [25%] wird mindestens einmal Opfer körperlicher oder sexueller Gewalt durch ihren aktuellen oder früheren Partner...2018 [wurden] insgesamt 140.755 Menschen Opfer von Partnerschaftsgewalt. Knapp 114.393 Opfer waren weiblich. Die Statistik erfasste folgende versuchte oder vollendete Delikte gegen Frauen:
Vorsätzliche, einfache Körperverletzung: 68.500 Fälle
Gefährliche Körperverletzung: rund 12.100 Fälle
Bedrohung, Stalking, Nötigung: 28.700 Fälle
Freiheitsberaubung: 1612 Fälle
Mord und Totschlag: 324 Fälle
Bei Vergewaltigung, sexueller Nötigung und sexuellen Übergriffen in Partnerschaften sind die Opfer zu 98,4 Prozent weiblich, bei Stalking und Bedrohung in der Partnerschaft sind es fast 88,5 Prozent. Bei vorsätzlicher, einfacher Körperverletzung sowie bei Mord und Totschlag in Paarbeziehungen sind 77 Prozent der Opfer Frauen." https://www.bmfsfj.de/bmfsfj/themen/gleichstellung/frauen-vor-gewalt-schuetz

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