Förderkreis Qualitätssicherung

"Ärzte noch zögerlich bei Digitalisierung"

Warum fremdeln viele Ärzte noch immer mit der Digitalisierung? Diese Frage stand im Mittelpunkt beim Förderkreis Qualitätssicherung im Gesundheitswesen.

Von Dirk Schnack Veröffentlicht: 07.12.2015, 17:27 Uhr

KIEL. Die Digitalisierung im Gesundheitswesen eröffnet Ärzten zahlreiche neue Möglichkeiten - viele nutzen sie aber nur zögerlich. Über die Gründe diskutierten die Teilnehmer des Förderkreises Qualitätssicherung im Gesundheitswesen in Schleswig-Holstein (FKQS).

Zeitmangel, fehlende Ansprechpartner und Unterstützung, falsche Priorisierung, Kosten: Dies alles könnten nach Ansicht der Experten aus dem Norden - Ärzte, Pharmavertreter, IT-Fachleute - Motive für die noch zögerliche Nutzung digitaler Angebote sein. Fest steht aber für Allgemeinmediziner Dr. Hans von der Burchard: "Diese Gründe sterben aus."

Die Generation der Ärzte unter 40 Jahren, ist der IT-Nutzer der ersten Stunde überzeugt, werden sich wegen solcher Motive nicht von der Nutzung digitaler Angebote in ihrer Praxis abhalten lassen.

Von der Burchard hat selbst ein IT-Unternehmen aufgebaut, verkauft und erneut gegründet. Er erwartet, dass die derzeit noch ungenutzten Möglichkeiten in absehbarer Zeit als selbstverständlich gelten und täglich genutzt werden.

Übertriebene Datensicherheit?

Eine Hürde, die aus seiner Sicht vorher abgebaut werden müsste, ist die Marktmacht der großen IT-Konzerne und eine manchmal übertriebene Datensicherheit. "Unter diesem Deckmantel wird alles Mögliche verhindert", glaubt von der Burchard.

Ein Beispiel, wie zögerlich IT-Lösungen von Ärzten angenommen werden, ist das KV SafeNet. Das seit 2011 existierende System nutzen in Schleswig-Holstein nur rund zehn Prozent der Ärzte. Der sichere Datenaustausch über diesen Weg gewinnt erst jüngst an Fahrt, auch weil das KV SafeNet eines der Kriterien für die Zertifizierung der Praxisnetze ist.

Kein Hinderungsgrund ist nach Einschätzung von Dr. Franz Bartmann das Fernbehandlungsverbot. Der Telematik-Beauftragte der Bundesärztekammer erinnerte in diesem Zusammenhang an schon bestehende Angebote etwa in der Teleradiologie.

Chance und Risiko zugleich

Bartmann sieht in der Digitalisierung des Gesundheitswesens Chance und Risiko für Ärzte zugleich: Bei zu zögerlicher Nutzung könnten Ärzte bei dieser Entwicklung zunehmend ins Abseits geraten. Bei angemessener Nutzung dagegen könnten sie ihren Patienten Vorteile bieten.

"Die Präsenz-Sprechstunde wird immer notwendig sein. Aber die Digitalisierung eröffnet Ärzten viele neue Möglichkeiten", sagte Bartmann, der Programmierern und IT-Firmen riet, sich in der Entwicklung neuer Produkte intensiver mit Anregungen der Ärzte auseinanderzusetzen.

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