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Ärzte sollen für Klimaschutz sensibilisieren

Ärzte, Forscher und Medizinstudenten sehen den Planeten vor dem Kollaps. Noch sei Zeit, um gegenzusteuern, betonen sie anlässlich des „World Health Summit“ – und fordern auch ein Umdenken bei den Themen Landwirtschaft und Ernährung.

Von Thomas Hommel Veröffentlicht: 28.10.2019, 13:28 Uhr
Ärzte sollen für Klimaschutz sensibilisieren

Gemeinsam gegen den Klimawandel: Auch die Ärzte werden stärker in die Pflicht genommen.

© freshidea / stock.adobe.com

Berlin. Ärzte, Gesundheitsforscher und Medizinstudierende haben Gesellschaft und Politik zu mehr Engagement beim Klimaschutz aufgerufen.

„Gesunde Menschen gibt es nur auf einem gesunden Planeten“, sagte Sylvia Hartmann, Vorstandsmitglied der Deutschen Allianz Klimawandel und Gesundheit bei einem Pressegespräch zur „World Health Summit“-Konferenz am Montag in Berlin.

Der Klimawandel und seine Folgen bilden einen Schwerpunkt der internationalen Tagung, an der noch bis Dienstag rund 2500 Teilnehmer aus etwa 100 Nationen teilnehmen.

Die Klimakrise sei nicht nur eine ökologische, sondern auch eine humanitäre Katastrophe. Die Folgen seien bereits heute weltweit spürbar, betonte Hartmann, die auch Mitglied der Bundesvertretung der Medizinstudierenden ist. Im Studium würden die Zusammenhänge zwischen Klimaveränderungen und Gesundheit noch zu wenig thematisiert.

Klimawandel ins Medizinstudium

Die Gesellschaft müsse zudem aufhören, bei Klimaschutz immer nur über Verzicht und höhere Kosten zu sprechen. „Wir müssen darüber reden, was wir durch Klimaschutz gewinnen können.“ Es sei gut, dass der nächste Deutsche Ärztetag 2020 in Mainz das Thema aufgreife. Die Medizinstudenten hätten hohe Erwartungen. „Es wird nicht ausreichen, ein paar wichtig klingende Statements aufzuschreiben“, betonte Hartmann.

Der Arzt und Moderator Dr. Eckart von Hirschhausen sprach vom Klimawandel als der „größten Bedrohung, vor der wir derzeit stehen“. Die gesundheitlichen Auswirkungen von Klimaveränderungen würden bislang zu wenig thematisiert.

Temperaturen von über 40 Grad im Schatten führten zu einer steigenden Zahl von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Allergien, zu Hitzestress und sogar zu Hitzetoten. Weil die Winter in Europa zunehmend milder ausfielen, tauchten in hiesigen Gefilden auch neue krankheitsübertragende Mückenarten wie die Tigermücke auf.

Gesundheitsgefahren durch Klimawandel

Derartige Gesundheitsgefahren durch Klimaveränderungen gehörten auf die politische Agenda. Es sei geradezu „absurd“, dass Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) nicht dem sogenannten Klimakabinett von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) angehöre, kritisierte Hirschhausen.

Mediziner und Angehörige der Gesundheitsberufe genössen in der Gesellschaft großes Vertrauen. Dieses Pfund müssten sie einbringen, um die Menschen für den Klimawandel und seine Folgen zu sensibilisieren.

Das Argument, den Medizinern fehle dafür die Zeit im Praxisalltag, springe zu kurz. Ärzte gehörten zur geistigen Elite dieses Landes und man könne von ihnen erwarten, dass sie „über den Tellerrand schauen“ und beim Thema Klimaschutz mit gutem Beispiel vorangingen, so Hirschhausen. Medizinstudentin Hartmann wies darauf hin, dass es in Deutschland bereits erste Ärzte gebe, die Klimasprechstunden in ihrer Praxis anböten.

Die Gesundheitsforscherin Professor Sabine Gabrysch rief die Menschen in den westlichen Industrieländern zum Umdenken bei Ernährungsfragen auf. Fleisch sei in Herstellung und Produktion sehr viel energieaufwendiger als Obst und Gemüse und verursache damit mehr umweltschädliches Kohlendioxid, betonte die Ärztin und Epidemiologin.

Auf den Speiseplänen vieler öffentlicher Einrichtungen, darunter auch Kliniken, stünden immer noch deutlich mehr Fleischgerichte als vegetarische Essensangebote, kritisierte Gabrysch, die seit Kurzem am Institut für Public Health der Berliner Charité zu den gesundheitlichen Auswirkungen des Klimawandels forscht.

Einfache Botschaften kommen an

Ärzten und Pflegekräften müsse verdeutlicht werden, dass es beim Klimaschutz nicht bloß um Erderwärmung und CO-2-Ausstoß gehe. „Es geht auch darum, wie gehen wir als Menschen mit der Natur, wie gehen wir untereinander und mit uns selbst um.“

Gabrysch erinnerte in diesem Zusammenhang an die Aktion „Rettet die Medizin!“. Hier sprächen sich Ärzte und Pflegekräfte dagegen aus, in Kliniken immer schneller arbeiten zu müssen und immer weniger Zeit für die Patienten zu haben. Das Prinzip „höher, schneller, weiter“ stoße aber nicht nur in der Medizin, sondern insgesamt an seine Grenzen.

Der frühere Vorstandsvorsitzende der Charité Professor Detlev Ganten sagte, das Thema Klimaschutz brauche wenn möglich einfache Botschaften. „Es geht hier um die Gesundheit der Erde und um unsere Gesundheit. Das verstehen die Menschen.“

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Kommentare
Göpel

Ich bin fassungslos wegen des Unsinns in diesem Artikel! Hier wird von Klimaschutz geredet, bekannterweise können wir das Klima nicht schützen, sonder wir müssen uns vor dem Klima schützen. Der "Klimawandel" ist ein völlig natürlicher Vorgang, den es seit Jahrmillionen gibt, hervorgerufen durch die Sonnenaktivität. Und die Panikmache des Kollegen Hirschhausen (Klimawandel als der „größten Bedrohung, vor der wir derzeit stehen) dient durch nur der allgemeinen Strömung um aus Panik Geld zu machen! Erderwärmung und CO2-ausstoß: Die Erderwärmung ist 1. minimal und hat 2. nichts mit dem "CO2-Ausstoß" zu tun. Der CO2-anstieg folgt der Änderung der Temperatur der Meere, hervorgerufen durch die Sonnenaktivität und nicht umgekehrt! (Physik, erstes Semester!) Und , liebe Frau Professorin Gabrysch, sie sollten doch mal über ihren Ausspruch nachdenken - "umweltschädliches Kohlendioxid" - CO2 ist genauso umweltschädlich wie O2, nämlich garnicht!. I


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