Kommentar zur Fortpflanzungsmedizin

Aufwachen, lieber Bundestag!

Florian StaeckVon Florian Staeck Veröffentlicht:

Was die Leopoldina und andere Wissenschaftsorganisationen an Vorschlägen für ein Fortpflanzungsmedizin-Gesetz vorgelegt haben, darf man als Klatsche für den Gesetzgeber lesen: Die Kritik trifft vor allem das fast 30 Jahre alte Embryonenschutzgesetz: inkonsistent, Männer und Frauen ungleich behandelnd, den medizinischen Stand der Reproduktionsmedizin missachtend.

Was die Akademien in ihrer Stellungnahme „Fortpflanzungsmedizin in Deutschland – für eine zeitgemäße Gesetzgebung“ vorlegen, ist aber vor allem ein Weckruf. Seit mehreren Legislaturperioden wird eine kohärente Regelung ausgesessen. Spätestens seit 2006 hätte der Bundestag im Zuge der Föderalismusreform hinreichend Regelungskompetenz besessen – allein, es fehlte der Wille, dieses sperrige Terrain zu beackern.

Doch die gesellschaftliche Bedeutung dieses Themas ist enorm. Das „Retortenbaby“ von einst wird heute im „Kinderwunschzentrum“ behandelt – und die liegen immer häufiger im Ausland, weil der deutsche Gesetzgeber betroffenen Paaren außer Verboten und Strafen keine Angebote macht.

Ausgeblendet wird auch die sozialpolitische Schlagseite: Wer unerfüllte Kinderwünsche realisieren will, muss in Deutschland zahlungskräftig sein. Hallo, Abgeordnete, aufwachen!

Lesen Sie dazu auch: Leopoldina und Akademienunion fodern: Radikaler Kurswechsel in der Reproduktionsmedizin

Mehr zum Thema
Kommentare
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Das war der Tag: Der tägliche Nachrichtenüberblick mit den neuesten Infos aus Gesundheitspolitik, Medizin, Beruf und Praxis-/Klinikalltag.

Eil-Meldungen: Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Interview

„Weniger Kunststoff, weniger Verpackungsmüll bei Impfstoffen“

Blick in die überarbeitete Leitlinie

Auf Antibiotika verzichten? Was bei unkomplizierter Zystitis hilft

Lesetipps