IQTiG-Qualitätsbericht

Bei diesen sieben Indikationen herrscht Handlungsbedarf

Der Qualitätsbericht des Qualitätsinstituts des GBA weist auf Dauerbaustellen in der stationären Versorgung hin. Es gibt aber Hinweise auf Besserung.

Von Anno FrickeAnno Fricke Veröffentlicht:
Endlich im OP? Auch die Wartezeit wird – für manche Indikation – als Qualitätsindikator erfasst.

Endlich im OP? Auch die Wartezeit wird – für manche Indikation – als Qualitätsindikator erfasst.

© Kzenon / Fotolia

BERLIN. Die alten Baustellen sind die neuen. Bei der externen Qualitätssicherung der stationären Versorgung hat sich auch im Berichtsjahr 2018 besonderer Handlungsbedarf in sieben Qualitätsindikatoren ergeben. Dies gilt für die prätherapeutische histologische Diagnosesicherung in der Mammachirurgie, bei der präoperativen Verweildauer von Patienten mit Oberschenkelhalsbrüchen bei osteosynthetischer Versorgung, bei der präoperativen Verweildauer in der Hüftendoprothesenversorgung, bei der Geburtshilfe, wo nach wie vor nicht immer ein Kinderarzt bei Frühgeburten anwesend ist, und für die Versorgung ambulant erworbener Lungenentzündungen, bei denen die Bestimmung der Atemfrequenz bei der Aufnahme und die vollständige Bestimmung klinischer Stabilitätskriterien bis zur Entlassung nicht ausreichend berücksichtigt werden.

264 Praxen beteiligt

Das geht aus dem Qualitätsreport 2019 des Instituts für Qualität und Tansparenz im Gesundheitswesen hervor, der am Mittwoch veröffentlicht worden ist. Der Report enthält auch Aussagen zur sektorenübergreifenden Versorgung. So wurden rund 770.000 Daten zum QS-Verfahren Perkutane koronare Intervention (PCI) zugeliefert, davon gut 68.000 aus 264 Praxen niedergelassener Ärzte und aus Medizinischen Versorgungszentren. Erstmals wurden dabei auch Daten aus der Selektivversorgung berücksichtigt, die von 20 Vertragsärzten übermittelt worden sind.

Insgesamt stützt sich der Bericht auf 2,5 Millionen Datensätze aus 1496 Krankenhäusern an insgesamt 1811 Standorten. Gemessen werden 221 Qualitätsindikatoren in insgesamt 23 Qualitätssicherungsverfahren. Bei 183 der Indikatoren hat sich kein besonderer Handlungsbedarf ergeben. 31 Indikatoren unterliegen keiner Einstufung, weil sie neu eingeführt oder verändert worden sind. Bei sieben Indikatoren hat die externe Qualitätssicherung besonderen Handlungsbedarf festgestellt.

Im Vergleich zum Vorjahr haben sich 44 der 221 Indikatoren verbessert, sieben verschlechtert. Sie unterliegen nun besonderem Handlungsbedarf. Für den Leiter des IQTiG, Dr. Christof Veit, ist diese Bilanz gut.

Kürzer Warten auf die Op

Auch die Ergebnisse für die Indikatoren mit besonderem Handlungsbedarf deuten nach Ansicht von Veit nicht grundsätzlich auf eine schlechte Versorgung hin. Er macht dies in der Einleitung zum Bericht am Beispiel von Patienten fest, die mit einer Oberschenkelhalsfraktur in ein Krankenhaus eingeliefert werden. Nach konzertierten Aktionen der Krankenhäuser, des Gemeinsamen Bundesausschusses und von Experten sei es 2018 erstmals gelungen, dass weniger als 15 Prozent der Patienten länger als 24 Stunden auf das Einsetzen eines neuen Hüftgelenks warten mussten.

Die 15 Prozent-Grenze ist ein Maß, das die externe Qualitätssicherung den Krankenhäusern gesetzt hat. 2018 mussten 14,1 Prozent der Patienten weniger als 24 Stunden auf das Verschrauben eines Oberschenkelhalsbruchs warten, bei Hüftgelen-Op waren es 13,8 Prozent. 2015 waren es noch 22,6 Prozent der Patienten.

Infektionsrate bei 3,6 Prozent

Bei diesen Indikationen kommt es ausweislich des Reports in den vergangenen vier Jahren am häufigsten zu postoperativen Pneumonien. Insgesamt ist die Lungenentzündung in der Folge einer Operation mit einem Anteil von 26 Prozent die häufigste nosokomiale Infektion.

Nach den Lungenentzündungen sind Wundinfektionen nach Operationen mit 22,4 Prozent die zweithäufigste Erscheinungsform der Infektionen. Die nosokomiale Infektionsrate lag 2016 bei 3,6 Prozent aller vollstationär behandelten Patienten.

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