Berufspolitik

Bereitschaftsdienst über Landesgrenzen hinweg

Wer nachts in Braunschweig einen Arzt braucht, landet im Callcenter der KV Schleswig-Holstein. Seit Anfang des Jahres werden die Einsätze für einige Regionen im Süden Niedersachsens vom Norden aus koordiniert.

Von Christian BenekerChristian Beneker Veröffentlicht:
Einsatz in der Nacht: Rund 800 Ärzte aus dem Süden Niedersachsens werden von Bad Segeberg aus koordiniert.

Einsatz in der Nacht: Rund 800 Ärzte aus dem Süden Niedersachsens werden von Bad Segeberg aus koordiniert.

© Tack/imago

BRAUNSCHWEIG. Organisation des Bereitschaftsdienstes über Landesgrenzen hinweg: Vier Bereitschaftsdienst-Praxen in und um Braunschweig in Niedersachsen werden seit Jahresbeginn von einem KV-Callcenter in Schleswig Holstein aus koordiniert.

Wer mitten in der Nacht im niedersächsischen Wolfenbüttel sofort einen Arzt braucht und den Bereitschaftsdienst anruft, landet im 270 Kilometer entfernten Bad Segeberg. Hier betreibt die KV Schleswig-Holstein seit 2008 ihre zentrale Leitstelle für den Einsatz der sieben Bereitschaftsdienstpraxen im Land.

Braunschweig, Helmstedt, Wolfenbüttel und Wolfsburg

Hier laufen jährlich 260.000 Anrufe auf. Jetzt gehören vier weitere Regionen dazu - aus Niedersachsen: Braunschweig, Helmstedt, Wolfenbüttel und Wolfsburg. Damit werden die Einsätze von rund 800 Ärzten nun vom hohen Norden aus gesteuert.

Wo früher pro Bereitschaftsdienstpraxis ein Sitzdienst und ein Fahrdienst plus einer Mitarbeiterin am Telefon sich fast die ganze Nacht teilen mussten, sind im Einzugsbereich der vier Praxen heute ab 23 Uhr nur noch drei Kollegen im Fahrdienst unterwegs, und auf eine Extrakraft am Telefon kann man ganz verzichten.

Diese Regelung sei näher dran am Versorgungsgeschehen. "Tatsächlich zählen wir nur etwa fünf bis sieben Fälle pro Nacht und Praxis. Das lohnte sich früher kaum", sagt Stefan Hofmann, Geschäftsführer der KV Bezirksstelle Braunschweig, zur "Ärzte Zeitung". Jetzt ist man flexibler. Die Neuregelung bringe eine Reihe von Vorteilen, erklärt Hofmann.

In dem KV-Callcenter in Bad Segeberg können die Koordinatoren am Telefon sofort entscheiden, ob der Patient in die nächste Praxis geschickt wird, ob der Fahrdienst vorbeischaut oder ob der Rettungsdienst alarmiert wird, um den Patienten sofort in die Klinik zu bringen. Das Callcenter arbeitet nach dem Ampelprinzip - grün für leichte Fälle, rot für kritische.

Callcenter mit Arzt zur besseren Einschätzung der Probleme

Zur Unterscheidung beider hat das Center einen Arzt in der Hinterhand, der am Telefon die Probleme besser einschätzen kann "Das ist natürlich für die Patienten und ihre Angehörigen viel schneller und einfacher, wenn nicht zuerst ein Arzt kommen muss, um den Patienten dann doch ins Krankenhaus bringen zu lassen", sagt Hofmann.

Die Entfernung sei dank Computertechnik kein Problem. "Per Postleitzahl können die Mitarbeiter im Callcenter ermitteln, welcher Arzt am besten übernimmt oder wo das nächstgelegene Krankenhaus ist", so Hofmann. "Die vorherigen Regelungen waren oft mehr recht als schlecht", sagt Hofmann, "jetzt nach den ersten Erfahrungen mit dem neuen Weg sind wir sehr zufrieden."

Im Mai soll erstmals die Qualität der Neuregelung geprüft werden. Deshalb wollen die Initiatoren das Projekt ausdehnen. "Wir haben schon Kontakt aufgenommen zum Landkreis Gifhorn." Und wenn der neue Notruf, 116117, kommt, braucht man in Braunschweig nur noch auf die neue Bereitschaftsdienstnummer umzustellen.

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