Rettungsschirm für Arztpraxen

Corona-Pandemie: KBV fordert Honorarsicherheit für Ärzte

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung fordert von der Politik einen Rettungsschirm für Arztpraxen. Für das Praxispersonal gibt es eine gute Nachricht: In Kürze schon soll es neue Atemmasken geben.

Von Thomas Hommel Veröffentlicht: 19.03.2020, 13:13 Uhr
„Es muss gewährleistet sein, dass den Praxen kein wirtschaftlicher Schaden entsteht“, sagt KBV-Chef Dr. Andreas Gassen.

„Es muss gewährleistet sein, dass den Praxen kein wirtschaftlicher Schaden entsteht“, sagt KBV-Chef Dr. Andreas Gassen.

© Stephanie Pilick

Berlin. Ärzte haben von der Bundesregierung einen Rettungsschirm zur Abfederung der Folgen der „Coronakrise“ gefordert. „Es muss gewährleistet sein, dass den Praxen kein wirtschaftlicher Schaden entsteht“, sagte der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Dr. Andreas Gassen, bei einer Online-Pressekonferenz am Donnerstag. Das, was für die Krankenhäuser richtig sei, habe auch für Arztpraxen zu gelten.

Bund und Länder hatten sich Ende vergangener Woche auf einen Schutzschirm für die knapp 2000 Krankenhäuser verständigt. Die Häuser sollen planbare Eingriffe verschieben, um Behandlungskapazitäten zur Versorgung von SARS-CoV-2-Patienten zu haben. Etwaige Einnahmeausfälle sollen ihnen von den Krankenkassen kompensiert werden.

„Keine Geldgeschenke, sondern Honorarsicherheit“

Es gebe im Zuge der „Coronakrise“ zahlreiche Einflussfaktoren, die auch die Wirtschaftlichkeit der Arztpraxen „massiv“ beeinflussten, sagte Gassen. So müssten die Vertragsärzte neben den mit SARS-CoV-2 infizierten Patienten die Regelversorgung aufrechterhalten. Sprechstunden seien dem Infektionsgeschehen ständig anzupassen und vermehrt Hausbesuche zu leisten. Psychotherapeuten wiederum hätten mit abgesagten Terminen zu kämpfen. „Wir wollen keine Geldgeschenke, wir wollen Honorarsicherheit“, sagte Gassen.

Das heiße für die KBV, dass es zu keiner Verschlechterung bei der Vergütung im Vergleich zu den Vorjahren kommen dürfe. „Das ist eine mehr als recht und billige Forderung, und die würde auch das System nicht überfordern.“ Bei Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) habe man die Forderung nach einem „Rettungsschirm“ bereits adressiert.

Ambulantes Bollwerk aufrechterhalten

KBV-Vize Dr. Stephan Hofmeister betonte, die ambulante Versorgung sei unbedingt als „Bollwerk“ aufrechtzuerhalten, damit die Versorgung in den Krankenhäusern nicht in die Knie gehe. „Die Zeiten sind alles andere als normal.“ Das „Coronafieber“ steige und drohe das Geschehen in den Arztpraxen zu überhitzen.

Hofmeister appellierte an die Bevölkerung, auf unnötige Arztbesuche zu verzichten und „verantwortungsvoll“ mit der Rufnummer des ärztlichen Bereitschaftsdienstes 116 117 umzugehen. Laut KBV waren dort zuletzt rund 170.000 Anrufe an nur einem Tag eingegangen. Man werde die Kapazitäten der 116 117 noch einmal erhöhen, sagte KBV-Chef Gassen. Informationen ließen sich auch über die entsprechende Webseite oder App abrufen, betonte Hofmeister.

Zehn Millionen neue Atemmasken

Die Arztpraxen benötigten „dringend“ Schutzausrüstung und Desinfektionsmittel, betonten die KBV-Vorstände. So langsam liefen die Praxen leer.

Die gute Nachricht sei, dass an diesem Donnerstag neues Material in Deutschland eintreffe. Hofmeister sprach von zehn Millionen neuen Atemmasken. Diese würden nun über die 17 Kassenärztlichen Vereinigungen verteilt. Spätestens Ende der Woche könne das Material in den Praxen seien. Verärgert zeigte sich Hofmeister darüber, dass man Kontakt zur Polizei habe aufnehmen müssen, um den Transport der Atemmasken zu schützen.

In engem Kontakt mit Apotheken

Mit Blick auf benötigte Desinfektionsmittel stehe man mit den Apotheken in engem Kontakt, sagte Gassen. Da, wo es besonders brenne, würden die Adressen von Praxen direkt an die Apotheker weitergereicht, um das Praxispersonal schnell beliefern zu können. Schutzmaterial werde von den Praxen sicher noch „langanhaltend“ gebraucht.

Mit Blick auf die Tests zu SARS-CoV-2 betonte die KBV-Spitze, noch reichten die Kapazitäten aus. 180.000 Tests pro Woche seien möglich. Diese seien behutsam einzusetzen. Die Tests stellten „kein Konsumgut“ dar, sagte Gassen. Es handele sich um ein „Tool“, das zum Einsatz komme, wenn es medizinisch indiziert sei.

Gassen: „Mit Ausgangssperren tue ich mich schwer“

Vordringliches Ziel in der aktuellen Situation sei es, die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen, betonte die KBV-Spitze. Die Bevölkerung solle sich an die Empfehlungen und Maßnahmen der Bundesregierung halten und soziale Kontakte so weit wie möglich einschränken. Mit Ausgangssperren tue er sich aber schwer, sagte Gassen. „Ich setze hier auf Eigenverantwortung.“

Wie stark schränkt der Ausfall von MitarbeiterInnen derzeit ihre Arbeit in der Praxis ein?

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