Klinik-Fallpauschalen

DIVI will Kinder- und Erwachsenenmedizin entkoppeln

Intensiv- und Notfallmediziner fordern eine auskömmliche Finanzierung der Kinder- und Jugendmedizin. Derzeit seien die Kliniken und Abteilungen unterfinanziert.

Veröffentlicht: 06.08.2020, 15:22 Uhr
Die Unterfinanzierung der Kinder- und Jugendkliniken hat inzwischen auch die Politik auf den Plan gerufen

Die Unterfinanzierung der Kinder- und Jugendkliniken hat inzwischen auch die Politik auf den Plan gerufen

© Kzenon / stock.adobe.com

Berlin. In die Debatte um die künftige Finanzierung der Kinder- und Jugendkliniken haben sich jetzt auch Intensiv- und Notfallmediziner eingeschaltet. „Wir behandeln immer mehr Kinder, bekommen aber immer weniger Geld – das muss sich ändern“, sagte Dr. Florian Hoffmann, Präsidiumsmitglied der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI), am Donnerstag.

„Äpfel mit Birnen verrechnet“

Die Kinderkliniken steckten in einem Dilemma, so Hoffmann. Das Abrechnungssystem nach Fallpauschalen (DRG) könne sich für die Häuser nicht rechnen, da die Behandlung von Kindern einen höheren personellen, technischen und zeitlichen Aufwand nach sich ziehe als die von Erwachsenen.

Die Finanzierung von Erwachsenen- und Kindermedizin sei deshalb zu „entkoppeln“, da „hier schlichtweg Äpfel mit Birnen verrechnet werden“, sagte Hoffmann, der auch Sprecher der DIVI-Sektion „Pädiatrische Intensiv- und Notfallmedizin“ ist.

DIVI-Präsidiumsmitglied Dr. Axel Hübler betonte, „die durch das DRG-System bedingte Unterfinanzierung der Pädiatrie“ habe über die vergangenen 15 Jahre zu einer spürbaren Umstrukturierung der Versorgungslandschaft geführt. Pädiatrische Versorgungskapazitäten seien bei gleichzeitig steigenden Patientenzahlen „konsequent“ abgebaut worden.

„Borgen uns Personal und Technik“

Besonders dramatisch stelle sich die Situation in der Kindernotfall- und Intensivmedizin dar, warnten die beiden DIVI-Vertreter. Diese Spezialgebiete setzten ausreichend qualifiziertes Personal und ein hohes Niveau an technischer Ausstattung voraus. Das koste Geld.

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Die Kindernotfall- und Intensivmedizin sei daher „regelmäßig“ auf die Querfinanzierung anderer Krankenhausbereiche angewiesen. Mitarbeiter und Technik müsse man sich ebenfalls von anderen Abteilungen „borgen“.

Bundesratsinitiative aus Nordost

Die Unterfinanzierung der Kinder- und Jugendkliniken hatte zuletzt auch die Politik auf den Plan gerufen. Mecklenburg-Vorpommern hat eine Bundesratsinitiative dazu angekündigt.

Ziel ist es, die Fallpauschalen für den die Kinder- und Jugendmedizin abzuschaffen. Einen entsprechenden Antrag will das Land bei der nächsten Bundesratssitzung am 18. September im Plenum einbringen. (hom)

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