Frankreich

Debatte um rote Karte für blauen Dunst im Film

Gesundheitsministerin sorgt mit Verbotsplänen für viel Aufregung – nicht nur in der Filmindustrie.

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PARIS. Nachdem Frankreichs Gesundheitsministerin Professor Agnès Buzyn seit ihrem Amtsantritt eine Reihe von neuen Maßnahmen gegen den blauen Dunst vorgestellt hat, stellte sie jetzt Pläne vor, nach denen es auch in Filmen keine Szenen mehr geben sollte, in denen geraucht wird. Unterstützt von einigen Abgeordneten sowie von der nationalen Krebsstiftung und allen Antiraucher-Organisationen stellt Buzyn fest, dass rauchende Schauspieler und Schauspielerinnen in gut 70 Prozent der in den zehn letzten zehn Jahren gedrehten französischen Filme zu sehen sind. Das ist ihrer Meinung nach ein Indiz für versteckte Werbung. In unzähligen Szenen und Situationen werde systematisch gepafft, kritisiert sie.

Suchtexperten warnen vor der Vorbildfunktion von rauchenden Stars. Damit werde das Rauchen vor allem bei jungen Menschen attraktiv gemacht. Tabakwerbung ist seit Jahren in Frankreich streng verboten.

Die Äußerungen von Buzyn führten zu einem heftigen Streit in allen Medien. Der Verband der Filmregisseure lehnt ein Rauchverbot im Film mit dem Argument ab, dass damit die künstlerische Freiheit begrenzt würde. Filme zeigen die Welt wie sie ist, und nicht wie sie sein sollte, argumentierten die Regisseure. Viele Kritiker der Idee fürchten auch, dass dieses Verbot nur der Anfang wäre für weitere Restriktionen in französischen Filmen. Die Darstellung von Trinksucht zum Beispiel, Raserei im Straßenverkehr und letztlich Gewalt würden dann als Filmthema verbannt. Dann wären die Filme nur noch langweilige und fade Produktionen, die niemanden mehr interessieren würden, heißt es weiter.

Buzyn ist inzwischen nach heftigen Reaktionen einen Schritt zurückgewichen. In einer Stellungnahme gab sie bekannt, dass restriktive Maßnahmen in diesem Bereich jetzt doch nicht geplant sind. Sie will das Gespräch mit Vertretern der Kinobranche suchen. Historische Filme mit reichlich Tabakqualm seien ohnehin für sie kein Thema gewesen. (DDB)

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