Kommentar zur Telematik

Der lange Weg zum Konsens

Von Christoph FuhrChristoph Fuhr Veröffentlicht:

Die Debatte um die Entwicklung einer Telematikinfrastruktur (TI) im deutschen Gesundheitswesen hat beim Ärztetag in Düsseldorf einmal mehr deutlich gemacht, was viele Ärzte bei diesem Thema besonders umtreibt: Es ist die Sorge, dass der weitere Aufbau einer bundesweiten TI die Kräfte zwischen Leistungserbringern und Kostenträgern einseitig verschiebt - und das zu Lasten der Ärzte. Die Arzt-Patienten-Beziehung könnte Schaden nehmen, sie basiert auf Vertrauen, das nicht zerstört werden darf.

Ein bundesweites, sektorenübergreifendes und interoperables TI-Netz soll aufgebaut werden. Das ist ein gewagtes, ehrgeiziges Unterfangen, und es ist nur logisch, dass Meinungen über dieses Projekt in der Ärzteschaft auseinandergehen. Ärzte haben hier eine Schlüsselrolle, und an welchem Punkten in diesem hochkomplexen Planungsgeschehen sie wie intensiv bremsen und intervenieren sollten, darüber lässt sich auf Ärztetagen trefflich streiten.

Die Delegierten - das wurde in Düsseldorf deutlich - haben in den vergangenen Jahren viel gelernt: Die Zeit der persönlichen Angriffe ist bei diesem Thema vorbei, und verbale Schläge unter die Gürtellinie vom Rednerpult aus gibt es nicht mehr.

Ohnehin will niemand heute noch ernsthaft die Vorteile moderner Kommunikationstechniken in der Medizin bestreiten. Zurück zum Papier geht nicht. Umso wichtiger ist es, im weiteren Planungsgeschehen konsequent Flagge zu zeigen.

Ärztetag tut sich bei diesem Thema schwer

Es muss bei der Entwicklung der Telematikinfrastruktur primär um eine bessere medizinische Versorgung gehen, stellten die Delegierten noch einmal unmissverständlich klar und warnten vor zu viel Bürokratie: Die Anwendungen müssen sich nahtlos in die Abläufe in Praxis und Klinik einfügen.

Einige Forderungen des Ärztetags sind in der Vergangenheit nicht ohne Folgen geblieben. So wurde etwa festgeklopft, dass in allen geplanten medizinischen Anwendungen eine dezentrale Speicherung von Patientendaten verankert wird.

Und dennoch: Der Ärztetag tut sich bei diesem leidigen Thema schwer. Muss die TI-Debatte wirklich so unendlich lange dauern und zuweilen so extrem redundant geführt werden (der Bundestag lässt grüßen)? Geht's nicht schneller, effizienter, pragmatischer? Nein, das geht nicht, kann man da nur sagen, denn zu viel steht auf dem Spiel. Für Ärzte, für Patienten, für kommende Generationen.

Ob es der deutschen Ärzteschaft gelingt, ihre Positionen beim Aufbau der Telematikinfrastruktur nachhaltig zu verankern?

Das Parlament der deutschen Ärzte ist streitbar und arbeitet verantwortungsbewusst . Wenn die Delegierten sich einig sind, wird es nicht gelingen, sie über den Tisch zu ziehen.

Lesen Sie dazu auch: Telematikinfrastruktur: Ärztetag macht Druck

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