Barmer GEK schlägt Alarm

Deutlich mehr Pflegebedürftige als gedacht

Die Barmer GEK rechnet in ihrem aktuellen Pflegereport für 2060 mit deutlich mehr Pflegebedürftigen als bislang angenommen. Die Kasse sieht weiteren Handlungsdruck - auch wenn die aktuelle Reform gelungen sei.

Von Susanne Werner Veröffentlicht:

BERLIN. Die Prognosen über die künftige Zahl der Pflegebedürftigen müssen offenbar nach oben korrigiert werden. Dies geht aus dem aktuellen Pflegereport der Barmer GEK hervor.

Demnach ist 2060 mit insgesamt 4,52 Millionen pflegebedürftigen Menschen zu rechnen. Die Zahl liegt um 221.000 über den bisherigen Schätzungen. In der aktuellen Prognose waren die Effekte des neuen Zensus 2011 mit früheren Modellrechnungen verglichen worden.

Dr. Christoph Straub, Vorstandsvorsitzender der Barmer GEK, verwies bei der Vorstellung des Reports darauf, dass mit der steigenden Lebenserwartung auch die Zahl der Pflegebedürftigen zunehme.

Lob für die Pflegereform

"Männer, die 90 Jahren oder älter sind, haben eine Wahrscheinlichkeit von 45 Prozent pflegebedürftig zu sein, bei gleichaltrigen Frauen liegt der Wert sogar bei 65 Prozent", sagte Straub.

Den größten Zuwachs an Pflegebedürftigen gibt es laut der aktuellen Prognose demnach bei den Männern. Von den zusätzlichen 221.000 Pflegebedürftigen stellen sie etwa 176.000.

Straub lobte ausdrücklich die aktuelle Pflegereform. Durch die Umstellung von den Pflegestufen auf die Pflegegrade verbessere das Pflegestärkungsgesetz II (PSG II) die Situation vieler Pflegebedürftiger. Dennoch werde die Pflege ein "Politikfeld mit stetigem Handlungsdruck" bleiben.

Der Studienleiter des Pflegereports, Professor Heinz Rothgang von der Universität Bremen, nennt das PSG II eine "bemerkenswert großzügiges Gesetz". Die Mehrausgaben entlasten insbesondere die Pflegebedürftigen, die künftig mehr Leistungen erhalten und in höhere Pflegegrade eingestuft werden.

Positiv bewertet Rothgang auch den "einheitlichen Eigenanteil" im stationären Bereich. Dieser sieht vor, dass die Zuzahlungen über alle Pflegegrade hinweg gleich bleiben.

"Nach unseren Berechnungen lag der Eigenanteil bei Pflegestufe I durchschnittlich bei 391 Euro im Monat und konnte in Pflegestufe III auf durchschnittlich 815 Euro im Monat ansteigen.

Mehr Pflegefachkräfte gebraucht

"Der Eigenanteil im neuen System liegt durchschnittlich bei 580 Euro im Monat und bleibt über alle Pflegegrade hinweg gleich", erklärte Rothgang. Menschen, die neu als pflegebedürftig eingestuft werden, würden zunächst stärker belastet als bislang, brauchen einen Anstieg der Zahlungen mit den Pflegegraden nicht zu fürchten.

Im Pflegereport waren auch die Kapazitäten in der ambulanten und stationären Versorgung untersucht worden. Demnach ist die Zahl der Vollzeitstellen in der Pflege von 1999 bis 2013 um 70 Prozent gewachsen.

Diese werden in der Praxis vordringlich mit Teilzeitkräften oder geringfügig Beschäftigten besetzt.

"Angesichts der hohen Zahl an Pflegebedürftigen ist es nötig, die Zahl der Pflegefachkräfte bis 2050 zu verdoppeln. Die Pflege muss attraktiver werden", sagte Rothgang.

Pia Zimmermann, pflegepolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE, forderte ebenso mehr qualifizierte Pflegefachkräfte. Dass die Kapazitäten gewachsen seien sei kein Grund zur Entwarnung.

"Das bedeutet noch lange keine bedarfsdeckende Personalausstattung, wenn das Ausgangsniveau viel zu niedrig ist", sagte sie.

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