Welttag gegen vernachlässigte Tropenkrankheiten

Deutschland setzt auf Erneuerung der London Declaration

Zum achten Jahrestag der London Declaration zeigt sich, dass im Kampf gegen vernachlässigte Tropenkrankheiten noch Luft nach oben ist. In Kigali soll die Londoner Selbstverpflichtung fortgeschrieben werden – mit neuen finanziellen Mitteln.

Von Matthias Wallenfels Veröffentlicht: 30.01.2020, 14:00 Uhr
Deutschland setzt auf Erneuerung der London Declaration

Schistosoma sind Erreger der tropischen Infektionskrankheit Bilharziose.

© Sebastian Schreiter/Springer Medizin Verlag GmbH

London/Berlin/Darmstadt/Kigali. Die Bundesregierung will die Weltgesundheitsorganisation (WHO) im Kampf gegen die vernachlässigten Tropenkrankheiten weiterhin unterstützen. Das sagte der Arzt und Kanzleramtschef Professor Helge Braun im Rahmen einer Veranstaltung des Deutschen Netzwerks gegen vernachlässigte Tropenkrankheiten (DNTDs) anlässlich des Welttages gegen vernachlässigte Tropenkrankheiten am 30. Januar.

Große Hoffnung setze Braun auf den NTD-Gipfel, der am 25. Juni in Kigali stattfinden soll. Dort will die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ihre Strategie „NTD Roadmap 2030“ zur Ausrottung und Kontrolle der vernachlässigten Tropenkrankheiten vorstellen und 1,5 Milliarden Dollar an zusätzlichen Mitteln einwerben, um den Kampf gegen NTD bis 2030 weiter zu forcieren.

Acht Jahre „London Declaration“

Positive Erfolge hat laut Experten die am 30. Januar 2012 verfasste „London Declaration“ vorzuweisen. Ein Bündnis aus forschenden Pharmaunternehmen, Hilfsorganisationen, mehreren Staatsregierungen sowie der Weltbank unter dem Dach der Uniting to Combat Neglected Tropical Diseases Coalition hatten sich in diesem Dokument bis 2020 der Ausrottung oder Eindämmung von zehn NTD verpflichtet.

Konkret sind dies die afrikanische Trypanosomiasis (Schlafkrankheit), die Chagas-Krankheit (südamerikanische Trypanosomiasis), die viszerale Leishmaniose, Lepra, die Bilharziose (Schistosomiasis), die chronische Infektion mit bodenübertragenen Helminthen, das Trachom, die Onchozerkose, die lymphatische Filariose und Onchozerkose (Guineawurmbefall) sowie die Elefantiasis. Der Clou: Die Pharmafirmen versprachen, unter anderem Arzneimittel für rund 14 Milliarden Behandlungen zu spenden. Zudem solle die Arzneiforschung in puncto NTD intensiviert werden.

Das Darmstädter Pharmaunternehmen Merck teilte nun am Donnerstag mit, dass es der WHO im Rahmen seines Praziquantel-Spendenprogramms bisher bereits eine Milliarde Praziquantel-Tabletten kostenfrei zur Verfügung gestellt habe. Praziquantel ist der Standardwirkstoff für die Behandlung von Bilharziose. Damit habe Merck einen entscheidenden Meilenstein auf dem Weg zur Eliminierung dieser vernachlässigten Tropenkrankheit erreicht, von der vor allem Kinder in armen und ländlichen Gemeinschaften betroffen seien. Seit 2007 ermöglichten die Praziquantel-Spenden von Merck nach Unternehmensangaben die Behandlung von etwa 400 Millionen Schulkindern in den afrikanischen Ländern südlich der Sahara.

Globale Zusammenarbeit wichtig

Die Erneuerung der London Declaration in Kigali ist auch für Kanzleramtschef Braun ein wichtiger Schritt im weiteren Kampf gegen NTD. „Das Thema ist heute dringlicher als zu Zeiten der London Declaration. Warum sollte deshalb nichts geschehen?“ Persönlich würde er sich freuen, wenn mehr Programme aufgelegt werden könnten. Denn: „So kann man Menschen nicht leben lassen“, konstatiert Braun mit Blick auf die Erkrankten.

Aus seiner Erfahrung in der Bundespolitik wisse er, dass in vielen Ländern die mangelnde Gesundheit für den Wohlstandsaufbau und die Sicherheits- und Friedenspolitik ein beschränkender Faktor sei. Er hoffe, dass der aktuelle Ausbruch des Corona-Virus das Bewusstsein für die Notwendigkeit einer guten globalen Zusammenarbeit schärfe.

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