Corona-Folgekosten

Ersatzkassen sehen Kliniken auskömmlich finanziert – sich selbst aber nicht

Corona bringe die Krankenhäuser nicht in Existenznot, betont der Ersatzkassen-Verband – und weist Forderungen nach neuen Finanzspritzen zurück. Mit Blick auf die Finanzlage der Kassen sei allerdings der Handlungsdruck groß.

Thomas HommelVon Thomas Hommel Veröffentlicht:
Weitere Finanzspritzen für Kliniken halten die Ersatzkassen für nicht angebracht. Um ihre eigenen Finanzen machen sie sich allerdings erhebliche Sorgen.

Weitere Finanzspritzen für Kliniken halten die Ersatzkassen für nicht angebracht. Um ihre eigenen Finanzen machen sie sich allerdings erhebliche Sorgen.

© Thomas / stock.adobe.com

Berlin. Die Ersatzkassen haben Forderungen nach neuen flächendeckenden Finanzspritzen für die Krankenhäuser in der Corona-Pandemie zurückgewiesen. „Die jetzt zum Teil öffentlich kommunizierten Insolvenzszenarien gehen an den Realitäten vorbei“, sagte die Vorstandsvorsitzende des Verbandes der Ersatzkassen (vdek), Ulrike Elsner, am Mittwoch.

Die Pandemie habe sich nicht zu einer Existenzfrage der Krankenhäuser entwickelt, reagierte Elsner auf jüngste Äußerungen von Vertretern der Kliniklobby. Mit Freihaltepauschalen, einem höheren Pflegeentgeltwert und Mindererlösausgleich habe die Politik die Häuser im Pandemiejahr 2020 „auskömmlich“ gestützt. Das habe selbst die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) anerkannt.

Freihalte- als „Leerstandpauschale“ genutzt

Mit der seit Kurzem geltenden „dritten Freihaltepauschale“ habe der Gesetzgeber die Coronahilfen auf die Kliniken begrenzt, „die COVID-19-Patienten tatsächlich behandeln“, so Elsner. Das sei „folgerichtig“. Die Freihaltepauschale sei „leider oft“ als „Leerstandpauschale“ genutzt worden, kritisierte die Kassenmanagerin.

Elsner verwies auf Belegungszahlen aus gut 1700 Krankenhäusern während der ersten Corona-Welle im Frühjahr 2020. In lediglich 36,5 Prozent der Krankenhäuser seien Ersatzkassen-Versicherte mit COVID-19 intensivmedizinisch behandelt worden. Leichte Fälle seien überwiegend in Arztpraxen versorgt worden. Zugleich habe es eine Patientenwanderung vom Land in die Schwerpunkthäuser in Ballungsregionen gegeben.

Die DKG hatte am Dienstag kurzfristige und üppigere Finanzhilfen für die Krankenhäuser gefordert. Die in der zweiten Corona-Welle zugesicherte finanzielle Unterstützung der Häuser sei „kleinteilig, unsicher und völlig unzureichend“, hatte DKG-Chef Dr. Gerald Gaß moniert. Nur die Hälfte der Krankenhäuser würde, wenn überhaupt, profitieren. Betroffen von den Pandemielasten seien aber alle Kliniken, nicht nur Maximalversorger. Spanne die Politik den Rettungsschirm nicht weiter auf, drohten insbesondere kleineren Häuser und Fachkliniken „extreme Liquiditätsengpässe“.

Die Corona-Krise mache einmal mehr deutlich, dass die Krankenhauslandschaft tiefer umgepflügt werden müsse, betonte vdek-Chefin Elsner. Bund und Länder sollten sich für einen Konzentrations- und Spezialisierungsprozess stark machen. Würden digitale Möglichkeiten besser genutzt und kleinere Krankenhäuser zu einer „ambulant-stationären Basisversorgung“ umgewidmet, ließe sich auch die Versorgung auf dem Land sicherstellen. Zudem seien mehr stationäre Leistungen ambulant zu erbringen. „Wir wissen, was die Lösungskonzepte sind.“ Mit einer Reform rechne sie allerdings erst nach der Bundestagswahl, setzte Elsner hinzu.

Finanzdruck der GKV weiter groß

2020 sei für alle Krankenkassen coronabedingt ein „hartes Jahr“ gewesen, stellte vdek-Vorsitzender Uwe Klemens mit Blick auf die aktuelle Diskussion zur Finanzlage in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) fest. Mit einem einmaligen Steuerzuschuss, dem Abbau von Kassenrücklagen in Höhe von acht Milliarden Euro sowie einer „moderaten“ Erhöhung der Zusatzbeiträge von im Schnitt 0,2 bis 0,5 Prozentpunkte sei es gelungen, die Finanzierungslücke von 16 Milliarden Euro Ende 2020 zu schließen. Wäre das nicht passiert, wären die Zusatzbeiträge bereits 2021 steil nach oben gegangen.

Gleichwohl setze sich der Finanzdruck 2021 fort, warnte Klemens, der als Versichertenvertreter im vdek sitzt. „Die Vermögen der Kassen werden im Laufe des Jahres weitestgehend aufgebraucht sein.“ Passiere „nix“, könnten sich die Zusatzbeitragssätze im Jahr 2022 „nahezu verdoppeln“ – aus heutiger Sicht wären das rund 2,5 Prozentpunkte. Die Politik habe spätestens nach der Bundestagswahl für „stabile Beitragssätze“ zu sorgen, forderte Klemens.

Grüne: Die Rechnung kommt noch

Die Grünen sprachen sich derweil für einen höheren Steuerzuschuss zur GKV aus. Öffentliche Aufgaben wie der Freibetrag bei den Betriebsrenten oder die Beiträge für die Empfänger von Arbeitslosengeld II dürften zudem nicht länger den Beitragszahlern aufgebürdet werden, sagte die gesundheitspolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion, Maria Klein-Schmeink, am Mittwoch.

Im Übrigen seien die Kostensteigerungen bei den Kassen nicht allein der Pandemie geschuldet, sondern auch „kostenintensiven Gesetzen“. Die Beitragszahler würden das nach der Wahl mit voller Wucht zu spüren bekommen. „Die Kassenrücklagen sind dann abgebaut.“

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
DMykG 2025: So dringt Bifonazol effektiv in die Nagelplatte ein

© Matt LaVigne | iStock

Neue in-vitro-Daten

DMykG 2025: So dringt Bifonazol effektiv in die Nagelplatte ein

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Bifonazol: Antimykotikum mit antientzündlicher Wirkung

© Irina Esau | Getty Images/iStockphoto

Fokus: Integrität der Haut

Bifonazol: Antimykotikum mit antientzündlicher Wirkung

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Die Bedeutung von Bifonazol in der Therapie der Tinea capitis

© Prof. Dr. med. Hans-Jürgen Tietz

Pilzinfektion Kopfhaut

Die Bedeutung von Bifonazol in der Therapie der Tinea capitis

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Für Menschen ab 60 Jahren sind die Impfungen gegen Influenza, Corona, Pneumokokken und Herpes zoster (beide nicht im Bild) Standard-Impfungen. Für Menschen ab 75 Jahren kommt die RSV-Impfung hinzu.

© angellodeco / stock.adobe.com

Respiratorisches Synzytial Virus

STIKO: Alle Menschen ab 75 gegen RSV impfen!

Blickdiagnose: klinisches Bild mit typischen Effloreszenzen bei Herpes zoster.

© Mumemories / Getty Images / iStock

Zoster-Impfung

Schutz vor Herpes zoster und Rezidiven

Kommentare
* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema
Mehr als ein oberflächlicher Eingriff: Die Krankenhausreform verändert auch an der Schnittstelle ambulant-stationär eine ganze Menge.

© Tobilander / stock.adobe.com

Folgen der Krankenhausreform für niedergelassene Ärztinnen und Ärzte

Die Klinikreform bringt Bewegung an der Schnittstelle zwischen Praxen und Krankenhäusern

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: der Deutschen Apotheker- und Ärztbank (apoBank)
Abb. 1: Zeitaufwand pro Verabreichung von Natalizumab s.c. bzw. i.v.

© Springer Medizin Verlag GmbH, modifiziert nach [9]

Familienplanung und Impfen bei Multipler Sklerose

Sondersituationen in der MS-Therapie

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Biogen GmbH, München
Protest vor dem Bundestag: Die Aktionsgruppe „NichtGenesen“ positionierte im Juli auf dem Gelände vor dem Reichstagsgebäude Rollstühle und machte darauf aufmerksam, dass es in Deutschland über drei Millionen Menschen gebe, dievon einem Post-COVID-Syndrom oder Post-Vac betroffen sind.

© picture alliance / Panama Pictures | Christoph Hardt

Symposium in Berlin

Post-COVID: Das Rätsel für Ärzte und Forscher

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: vfa und Paul-Martini-Stiftung
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Einsatz im Kriegsgebiet

Essener HNO-Ärztin hilft Menschen im Iran via Telemedizin

Herzchirurg mit Installateurfirma

Das Doppelleben des Dr. Jean-Philippe Grimaud: Arzt und Klempner

Lesetipps
Endoskopische Auffälligkeiten bei der Colitis ulcerosa

© Gastrolab / Science Photo Library

Interview

Das ist neu in der S3-Leitlinie Colitis ulcerosa

Was bringt die Messung von Lipoprotein(a)?

© Gina Sanders / stock.adobe.com

Pro & Contra

Was bringt die Messung von Lipoprotein(a)?