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Gefahren für Weltgesundheit

Folge der Finanznot: WHO kündigt möglichen Umzug von Abteilungen nach Berlin an

Minister Lauterbach will den „Fußabdruck“ Deutschlands in der globalen Gesundheit vergrößern. WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus kündigt einen möglichen Teilumzug nach Berlin an. Fachleute warnen vor zerstörerischen Einflüssen der neuen US-Politik und kündigen Reaktionen auch des privaten Sektors an.

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Wegen Trump: Noch-Gesundheitsminister Karl Lauterbach will den „Fußabdruck“ Deutschlands in der Weltgesundheitsorganisation (WHO) vergrößern. WHO-Chef Tedros Ghebreyesus muss sparen und konzentriert Teile seiner Organisation in Berlin.

Wegen Trump: Noch-Gesundheitsminister Karl Lauterbach will den „Fußabdruck“ Deutschlands in der Weltgesundheitsorganisation (WHO) vergrößern. WHO-Chef Tedros Ghebreyesus muss sparen und konzentriert Teile seiner Organisation in Berlin.

© MARTIAL TREZZINI/KEYSTONE/picture alliance

Berlin. Deutschland will auch nach dem angekündigten Ausstieg der Vereinigten Staaten ein verlässlicher Partner der Weltgesundheitsorganisation sein. Das hat Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach am Mittwochabend in Berlin angekündigt. „Aus unserer Sicht muss die WHO ihre Arbeit fortsetzen“, sagte Lauterbach (SPD) bei einer Veranstaltung mit WHO-Generalsekretär Tedros Adhanom Ghebreyesus in Berlin.

Weltweite Gesundheitssicherheit bedeute auch menschliche und nationale Sicherheit. Er sei sicher, dass die WHO auch von der nächsten Bundesregierung unterstützt werde, sagte Lauterbach. Er kündigte weitere zwei Millionen Euro an Unterstützung an.

Der Rückzug der USA biete Gelegenheit, den deutschen Fußabdruck in der Organisation zu vergrößern. Dies gelte für politische, die technische und die finanzielle Ebene. Deutschland ist aktuell nach den USA der größte Geldgeber der Organisation. In den Jahren 2022 und 2023 überwiesen die USA 1,28 Milliarden Dollar an die WHO; Deutschland folgte mit 856 Millionen US-Dollar vor der Bill und Melinda Gates-Stiftung mit 830 Millionen Dollar.

600 Millionen Dollar fehlen schon

US-Präsident Donald Trump hatte bereits am Tag seines Amtsantritts im Januar ein Dekret zum Ausstieg aus der WHO unterzeichnet. Nach den Regularien würde der Abschied somit im Januar 2026 vollzogen. Die Trump-Administration in Washington will der WHO aber wohl auch bis dahin kein Geld mehr überweisen.

Ghebreyesus berichtet von bereits effektiven Ausfällen von 600 Millionen Dollar für das laufende Jahr. „Wenn Isolationismus en vogue ist, brauchen wir neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit. Die Antwort auf globale Konflikte kann nur weltweite Zusammenarbeit sein“, sagte der WHO-Chef. Lauterbach wies in diesem Zusammanhang darauf hin, dass auch die Industrie eine zunehmend bedeutender Rolle bei den Hilfen spiele.

Die Zusammenarbeit soll allerdings nicht alleine staatlichen Stellen vorbehalten bleiben. „In die WHO zu investieren schützt“, sagte Roland Göhde, Mitgründer und Geschäftsführer der Virchow Fundation für Globale Gesundheit (German Health Alliance) bei der Veranstaltung am Mittwoch. „In Krisenzeiten ist ein vertiefter Austausch auch mit dem privaten Sektor wichtig“, sagte Göhde. Er kündigte hohe Investitionen der Unternehmen in der Europäischen Union in die globale Gesundheit an. Der Vorteil bestehe darin, das Risiko von Pandemien zu minimieren.

WHO-Ausstieg mit Hintergedanken

Professorin Beate Kampmann, Direktorin für Internationale Gesundheit am Charité Center für Globale Gesundheit betonte, dass der Ausstieg der USA aus der WHO die Strategie verfolge, Evidenzbasierung in der Wissenschaft sowie die Bedeutung von öffentlicher und globaler Gesundheit zu unterminieren.

Die Beschränkungen der Wissenschaftsfreiheit in amerikanischen Universitäten und die Degradierung der Einrichtungen für öffentliche Gesundheit werde sich zerstörerisch auswirken und Leben kosten, mahnte Kampmann. Alleine die Impfprogramme der WHO retteten vier Millionen Kinderleben weltweit jedes Jahr.

Das Haus brenne, griff Dr. Meike Ribau von der Hilfsorganisation Save the Children zu einem drastischen Bild: „Wir werden nicht alle retten können“. Der Rückzug der USA aus internationalen Hilfsorganisationen bedeute umgerechnet, dass für elf bis zwölf Millionen Kinder das Recht auf Bildung in Schulen wegfalle. Die Partner vor Ort litten am meisten. Im Sudan brächen Nahrungshilfen weg, im Kongo die Behandlungen von MPox.

Gesundschrumpfen in Berlin

Der Rückzug der USA biete der Weltgesundheitsorganisation allerdings die Chance, effektiver zu werden, merkte Lauterbach am Mittwoch an. Erste Schritte des Gesundschrumpfens kündigte Tedros Ghebreyesus an. Es werde in Betracht gezogen, einzelne WHO-Abteilungen von Genf nach Berlin zu verlegen. In der deutschen Hauptstadt gibt es seit Ende 2021 mit dem Global Hub for Pandemic and Epidemic Intelligence bereits eine Infrastruktur.

Sie soll als Plattform für weltweite Pandemieprävention dienen und staatliche Akteure, akademische Forschungseinrichtungen sowie private Einrichtungen koordinieren. Gründungspartner des WHO-Hub in der deutschen Hauptstadt waren das Robert Koch-Institut und die Berliner Charité. (af)

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