“Vision Zero Summit“

Für eine Welt ohne Arbeitsunfälle

Finnland will ein Zeichen in puncto Arbeitssicherheit setzen: In Helsinki beginnt der dreitägige „Vision Zero Summit“. Er soll eine weltweite Allianz für ein unfallfreies Arbeiten schmieden.

Von Matthias Wallenfels Veröffentlicht: 11.11.2019, 15:11 Uhr
Arbeitsunfälle sollten im Sinne der „Vision Zero“ bald der Vergangenheit angehören.

Arbeitsunfälle sollten im Sinne der „Vision Zero“ bald der Vergangenheit angehören.

© Halfpoint / Fotolia

Helsinki. Mitarbeiter in Praxen, Kliniken und Pflegeeinrichtungen fürchten sie wie der Teufel das Weihwasser: Nadelstichverletzungen. Mit der aktualisierten „Technischen Regel für Biologische Arbeitsstoffe im Gesundheitsdienst und in der Wohlfahrtspflege“ (TRBA 250) sind Schutzmaßnahmen zur Prävention von Stich- und Schnittverletzungen seit März 2014 in Deutschland neu geregelt.

Und siehe da: 2017 erhielt die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) aus ihren Mitgliedsbetrieben bundesweit 38 meldepflichtige Verdachtsanzeigen auf Hepatitis-B-Erkrankungen – rund 80 Prozent weniger als im Jahr 2002.

Die Zahl der bei ihr eingegangenen meldepflichtigen Verdachtsanzeigen auf Hepatitis-C-Erkrankungen fiel im selben Zeitraum um rund 90 Prozent auf 29.

Geht es nach der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV), so sollte die Zahl solcher Nadelstichverletzungen auf null sinken – im Sinne der „Vision Zero“. Diese steht hier für die Vision einer Welt ohne Arbeitsunfälle und arbeitsbedingte Erkrankungen.

Höchste Priorität hat die Vermeidung tödlicher und schwerer Arbeitsunfälle sowie Berufskrankheiten. Die Vision Zero setzt dabei auf eine umfassende Präventionskultur.

Für die Betriebe – zumindest die Unternehmen wie große Chemie-Konzerne – hat die Abwesenheit von Arbeitsunfällen einen charmanten Nebeneffekt: Die Beiträge zu den Berufsgenossenschaften sinken deutlich.

Prävention entlang der Wertschöpfungskette

Im Jahr 2015 setzten die G7-Staaten das unfallfreie Arbeiten auf die Agenda und verabschiedeten den „Vision Zero Fund“ (VZF), der inzwischen auch von der Gruppe der G20 unterstützt wird.

Der VZF soll ein unfallfreies und sicheres Arbeiten weltweit entlang der gesamten Wertschöpfungskette ermöglichen. Der VZF soll vor allem aber auch dazu beitragen, dass in Zeiten der zunehmenden Globalisierung und des ständig steigenden Preis- und Wettbewerbsdrucks öffentliche wie private Player dem Thema Arbeitssicherheit genügend Aufmerksamkeit schenken.

Der VZF sammelt Gelder von Regierungsseite wie auch von Nichtregierungsorganisationen, aber auch privaten Akteuren wie Stiftungen. Genehmigt und koordiniert werden die Projekte von der Internationalen Arbeitsorganisation ILO.

Laut ILO sterben jährlich rund 2,8 Millionen Arbeitnehmer durch arbeitsbedingte Unfälle oder Krankheiten, weitere 160 Millionensollen an arbeitsbedingten Erkrankungen leiden. Wie die ILO betont, seien 60 Prozent der Arbeitnehmer weltweit nicht ausreichend vor arbeitsbedingten Unfällen oder Berufskrankheiten geschützt.

Handeln wäre aber angesagt. Nicht zuletzt, da vier Prozent des globalen Bruttoinlandsproduktes durch arbeitsbedingte Unfälle und Berufskrankheiten verloren gingen.

Finnen wollen das große Rad drehen

Es ist offensichtlich kein Zufall, dass an diesem Dienstag in Helsinki der Startschuss für den dreitägigen „Vision Zero Summit“ fällt – unter der Schirmherrschaft der sechsmonatigen finnischen EU-Ratspräsidentschaft.

Bereits im Juli – und damit zum Auftakt der Ratspräsidentschaft – hatte Finnlands Regierung in Helsinki in die Finlandia Hall zum ersten „High-Level Forum on The Silver Economy“ geladen.

Wie berichtetet, nutzten rund 600 hochrangige Teilnehmer aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, aber auch Kunst das Treffen als Bühne für ihre Vision einer Welt voller fitter und teilhabender Senioren – die Veranstaltung verstand sich als inoffizieller Startschuss der WHO-Dekade des gesunden Alterns von 2020 bis 2030. Gesundes Altern hat auch mit gesunder Arbeit zu tun.

Finnland sieht sich – als mittlerweile rund um den Globus offiziell drittälteste Gesellschaft – in der Pflicht, Zeichen zu setzen, wie die Themenkomplexe Demografiewandel und Fachkräftemangel in den Industrieländern einerseits sowie Bevölkerungswachstum und zunehmende Armut in Entwicklungsländern andererseits im Sinne einer guten Lösung für alle angegangen werden kann.

Analog zum gesunden Altern – hier existiert bereits unter Unternehmensbeteiligung eine Global Coalition on Aging (GCOA) soll nun in Helsinki beim „Vision Zero Summit“ der Startschuss für die Global Coalition on Occupational Safety and Health (OSH) fallen.

Diese soll sich dann der praktischen Implementierung der Strategien widmen, die in der vergangenen Dekade bei globalen Foren wie zur EU-OSH-Strategie oder vonseiten der Vereinten Nationen im Hinblick auf die 2015 verabschiedeten Nachhaltigkeitsziele verabschiedet worden sind, um das Arbeiten rund um den Globus für die Arbeitnehmer sicherer zu gestalten.

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