Stellungnahme der unparteiischen Mitglieder

G-BA-Spitze schießt gegen Krankenhaustransparenzgesetz

Das Krankenhaustransparenzgesetz lehnen die unparteiischen Mitglieder des G-BA ab. Ihre Kritik: Nach dem jetzigen Entwurf wären nur verzerrte Darstellungen der Qualität in den Kliniken zu erwarten.

Veröffentlicht:
Straßenschild auf dem Krankenhaus steht

Ist das Krankenhaus gut oder schlecht? Das sollen Bürger ab 2024 auf einer Website einsehen können. Aus dem G-BA kommen Zweifel an den Plänen.

© Marcus Brandt / dpa

Berlin. „Erhebliche Bedenken“ gegen den Entwurf eines Krankenhaustransparenzgesetzes äußern die hauptamtlichen unparteiischen Mitglieder des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA). Die jetzige Version halten sie für zu oberflächlich, wichtige Haftungsfragen würden unter anderem nicht geregelt. Die geplante Datenaufbereitung werde vor allem aber nicht dazu beitragen, den Patienten ein richtiges Bild davon zu vermitteln, wie es um die Qualität in den einzelnen Kliniken bestellt ist.

Schon vor zwei Wochen hatte der Unparteiische G-BA-Vorsitzende Professor Josef Hecken seinem Unmut über das einen Tag zuvor bekannt gewordene Transparenzgesetz Luft gemacht. In der am Montag veröffentlichten Stellungnahme werden die Kritikpunkte auf 28 Seiten ausführlich erläutert.

Lesen sie auch
Lesen sie auch

Nur Strukturanforderungen reichen nicht

Vor allem äußern Hecken, Dr. Monika Lelgemann und Karin Maag Zweifel daran, dass es dem Bundesgesundheitsministerium mit den bis dato vorliegenden Regelungen gelingen wird, ein „tragfähiges und belastbares Gesamtbild der Versorgungsqualität“ jedes Krankenhauses darzustellen. Bislang werde das Transparenzverzeichnis hauptsächlich auf Strukturanforderungen aufgesetzt. Diese seien „bekanntermaßen“ jedoch keine hinreichend belastbaren Indikatoren, aus denen sich eine hohe Outcomequalität ableiten lasse.

Abgelehnt wird die von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) beabsichtigte Zuordnung der Krankenhäuser zu Versorgungsleveln. Diese ordnet das Trio als „methodisch nicht begründet“ ein. Sinnvoller wäre eine Orientierung an der „fachlich anerkannten“ G-BA-Leveleinteilung der gestuften Notfallversorgung.

Haftungsfragen noch klären

Wenig bis null Aussagekraft hat nach Ansicht der unparteiischen Mitglieder die beabsichtigte Verknüpfung von Fallzahlen und Leistungsgruppen. Das könne zwar dazu führen, dass eine Klinik für eine Leistungsgruppe beachtlich viele Fälle vorweisen könne, spezialisierte Eingriffe dieser Leistungsgruppe aber dennoch nur an wenigen oder gar keinen Patienten vornehme.

Lesen sie auch

Hecken, Maag und Lelgemann gehen davon aus, dass die geplante Transparenzliste, die ab 2024 veröffentlicht werden soll, bei einigen Krankenhäusern durch „Patientenabwanderungen“ zu wirtschaftlichen Beeinträchtigungen führen wird. Für solche Grundrechtseingriffe sei der vorliegende Gesetzentwurf in vielen Bereichen viel zu unbestimmt. So müssten etwa Regeln zur Haftung der Bundesrepublik als Auftraggeber der Qualitätsliste getroffen werden, falls Daten unrichtig erhoben oder Darstellungen sich als falsch erweisen sollten. (juk)

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Gemeinsamer Bundesausschuss

Zusatznutzen für mehrere Orphan Drugs

Das könnte Sie auch interessieren
Hybrid-DRG Plus: Ambulante Operationen per Mausklick abrechnen

© KVNO

Schnell und sicher

Hybrid-DRG Plus: Ambulante Operationen per Mausklick abrechnen

Anzeige | Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein
Kommentare
* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema
Mehr als ein oberflächlicher Eingriff: Die Krankenhausreform verändert auch an der Schnittstelle ambulant-stationär eine ganze Menge.

© Tobilander / stock.adobe.com

Folgen der Krankenhausreform für niedergelassene Ärztinnen und Ärzte

Die Klinikreform bringt Bewegung an der Schnittstelle zwischen Praxen und Krankenhäusern

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: der Deutschen Apotheker- und Ärztbank (apoBank)
In Deutschland gibt es immer weniger klinische Forschung. Was Deutschland hingegen zu leisten imstande ist, zeigte sich zuletzt bei der COVID-19-Pandemie: mRNA-basierte Impfstoffe wurden schnell entwickelt und produziert.

© metamorworks / stock.adobe.com

Handlungsempfehlungen

Deutschland-Tempo statt Bürokratie-Trägheit

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Verband forschender Pharma-Unternehmen (vfa)
Angepasste Endpunkte, moderne Studiendesigns und ungelöste Herausforderungen

© metamorworks / Getty Images / iStock

Krebsmedizin auf neuen Wegen

Angepasste Endpunkte, moderne Studiendesigns und ungelöste Herausforderungen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Pfizer Pharma GmbH, Berlin
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Lesetipps
Brustkrebs Symbolbild

© Sebastian Kaulitzki / stock.adobe.com

Risikoadaptiert und individualisiert behandeln

Frühes Mammakarzinom: So optimieren Sie die Therapie

Kooperation | In Kooperation mit: Deutscher Krebsgesellschaft und Stiftung Deutsche Krebshilfe
Eine Ärztin spricht mit einer Patientin.

© Siphosethu F / peopleimages.com / Stock.adobe.com

Krebsprävention durch Kommunikation

Zu Krebs halten sich Mythen und Irrtümer hartnäckig – Aufklärung tut not

Kooperation | In Kooperation mit: Deutscher Krebsgesellschaft und Stiftung Deutsche Krebshilfe
Drei Operateure in einem Operationssaal.

© Robert Kneschke / stock.adobe.com

Krebskongress

Tumorchirurgie: Geschlecht zählt auf beiden Seiten des Skalpells

Kooperation | In Kooperation mit: Deutscher Krebsgesellschaft und Stiftung Deutsche Krebshilfe