Proteste in Frankreich

Gelbwesten erzürnen Ärzte

Ärzte können mit der Form des Protests der Gelbwesten in Frankreich wenig anfangen und reagieren verärgert auf Behinderungen.

Denis Durand de BousingenVon Denis Durand de Bousingen Veröffentlicht:
Die Straßenblockaden der Gelbwesten versperren vielen Patienten auch den Weg zum Arzt.

Die Straßenblockaden der Gelbwesten versperren vielen Patienten auch den Weg zum Arzt.

© N.E. / Nurphoto

PARIS. Die Massenproteste der sogenannte Gelbwesten in Frankreich haben auch gravierende Auswirkungen auf die Arbeit von Ärzten.

Allein am vergangenen Samstag sind wieder weit mehr als 100.000 Menschen auf die Straße gegangen, davon mindestens 10.000 in Paris.

Ärzte müssen wegen der Unruhen mit erheblichen Verspätungen bei Hausbesuchen und Dienstfahrten rechnen. Viel schlimmer erleben sie aber die Gleichgültigkeit vieler Demonstranten, die allzu oft kein Verständnis für ihre Arbeit zeigen. Eine Haltung, die fatale Folgen haben kann.

Am 17. November, dem ersten Aktionstag der Gelbwesten, musste eine 85-jährige Frau sterben, weil das Rettungsteam, das sie ins Krankenhaus bringen sollte, stundenlang in einem Stau stecken geblieben war.

Seitdem wird immer wieder von blockierten Notdiensteinsätzen berichtet, bis jetzt allerdings ohne weitere Todesfälle. Neben Demonstranten, die durchaus mit Verständnis auf die Arbeit der Ärzte reagieren, gibt es Gelbwesten, die sich unerbittlich weigern, bei Straßenblockaden den Weg für Rettungsdienste frei zu machen.

Wege zu den Ärzten versperrt

In Ärzteforen berichteten niedergelassene Ärzte, dass sie beschimpft und zuweilen auch grenzwertig bedrängt werden, wenn sie sich einen Weg durch die Demonstranten bahnen wollen, um zu ihren Patienten zu gelangen.

Hinzu kommen viele Terminstornierungen in Praxen, weil die betroffenen Patienten wegen der vielen Straßenblockaden keine Chance haben, rechtzeitig bei ihrem Arzt anzukommen.

Mehrmals haben inzwischen Gesundheitsbehörden, darunter Gesundheitsministerin Dr. Agnès Buzyn und alle Ärzteverbände die Demonstranten zur Besonnenheit aufgerufen. Sie warnen vor möglichen tragischen Folgen und mahnen auch, dass keine politische Aktion Gewalt rechtfertigen dürfe.

Der Ärger mit uneinsichtigen Gelbwesten ist aber nur einer der Gründe, warum die Bewegung in der Ärzteschaft so unpopulär ist.

Laut einiger nicht repräsentativer Umfragen lehnen rund zwei Drittel der französischen Ärzte diese Protestaktionen ab, weil sie aus ihrer Sicht zu stark von rechts- und linksradikalen Parolen geprägt sind.

Harsche Kritik an Form des Protests

Viele Ärzte haben für die sozialen und finanziellen Probleme der Demonstranten durchaus Verständnis, dennoch stößt die Form des Protests auf harsche Ablehnung. Dazu widersprechen die Forderungen der Gelbwesten vielen Themen, die der Ärzteschaft besonders am Herzen liegen.

Zur Erinnerung: Begonnen hatte der Protest mit der geplanten – und inzwischen von der Regierung zurückgenommenen Erhöhung der Kraftstoffsteuer. Nicht nur bei Klimaschützern, sondern auch bei vielen Ärzten beschädigte dieser Rückzieher die Glaubwürdigkeit der französischen Regierung.

Eigentlich ging es um die Fortsetzung einer klimafreundlicheren Politik, die unter anderem durch eine höhere steuerliche Belastung für Treib-und Brennstoffe gefördert werden sollte.

Nicht nur für Ärzte, sondern auch für Vertreter anderer Gesundheitsberufe haben die Blockaden und Demos unmittelbare Folgen: Am schlimmsten sind Apotheker betroffen: In den vergangenen drei Wochen wurden mindestens 10 Apotheken geplündert, die meisten davon in Paris.

Und schließlich gibt es Ausfälle, die nicht nur Vertreter der Gesundheitsberufe, sondern die Bevölkerung generell empören: Gewaltbereite Demonstranten haben teure Radargeräte zerstört, die seit ihrer Inbetriebnahme im Jahr 2002 mit dazu beigetragen haben, dass die Zahl der Verkehrstoten in Frankreich drastisch reduziert werden konnte.

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