Kommentar zum Pflegemodellprojekt

Guter Plan, nächster Plan

Ein Modellprojekt soll die ambulante Pflege im Norden attraktiver machen. Den nächsten Schritt zu mehr Attraktivität erst anzugehen, wenn in drei Jahren die Ergebnisse vorliegen, ist keine Option.

Dirk SchnackVon Dirk Schnack Veröffentlicht:

Ein Modellprojekt mitten in der Corona-Krise zu starten ist keine Selbstverständlichkeit. Es spricht für die Initiatoren im Norden, dass das autonome Arbeiten von Pflegeteams jetzt erprobt wird. Die Ziele sind hochgesteckt: Die Pflegequalität soll gesteigert und zugleich mehr Zeit für Gespräche mit Pflegebedürftigen geschaffen werden.

Das Arbeitsumfeld für Pflegekräfte soll attraktiver und die Eigenverantwortlichkeit gestärkt werden. Zugleich will man noch die Abrechnung vereinfachen, die Zusammenarbeit zwischen Pflegekräften und Ärzten intensivieren und damit Ärzte entlasten. Klingt nach der Quadratur des Kreises. Wenn nur ein paar dieser Ziele erreicht werden, hätte sich das dreijährige Projekt an der Westküste schon gelohnt.

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Dass die Projektträger so viele Ziele anstreben, ist richtig – zeigt aber auch den Handlungsbedarf in der ambulanten Pflege. Denn die Probleme und Defizite in diesem Bereich sind längst bekannt und haben sich in den vergangenen Jahren eher verschärft. Pflegeverbände haben immer wieder den Finger in die Wunde gelegt. Was jetzt angestrebt wird, fordern sie zum Teil schon seit Jahren.

Die Gesundheits- und Sozialpolitik hat lange gebraucht, um darauf zu reagieren. Fatal wäre es, jetzt auf die Ergebnisse des Modellprojektes zu warten, und unter Verweis auf die irgendwann vorliegenden Ergebnisse nichts zu tun. Der Fachkräftemangel zwingt alle Beteiligten, sofort tätig zu werden. Daran ändert auch die Corona-Pandemie nichts.

Schreiben Sie dem Autor: gp@springer.com

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