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41. Hausärztetag

Hausärzte wollen mehr Qualität bei Infektbehandlung

Die Hausärzte wollen die Infektpatienten zurück in die Praxen holen. Die Digitalstrategie von Regierung und gematik steht beim 41. Hausärztetag in Berlin im Zentrum massiver Kritik.

Anno FrickeVon Anno Fricke Veröffentlicht:
Abstrich auf SARS-CoV-2: Etwa 500 Infektzentren haben zu den Hochzeiten der Pandemie in Deutschland gearbeitet.

Abstrich auf SARS-CoV-2: Etwa 500 Infektzentren haben zu den Hochzeiten der Pandemie in Deutschland gearbeitet.

© Moritz Frankenberg/dpa

Berlin. Der Vorsitzende des Deutschen Hausärzteverbands Ulrich Weigeldt hat die Digitalstrategie der Regierung aufs Korn genommen. „Anstatt ein Produkt so attraktiv zu machen, dass es von den Ärzten freiwillig angenommen wird, werden Sanktionen verhängt“, sagte Weigeldt mit Blick auf die geforderte Vernetzung der Praxen über Konnektoren.

Dieses Meinungsbild soll der Deutsche Hausärztetag in Beschlüsse fassen. „Die Technik ist eine Katastrophe“, sagte Weigeldt vor der eigentlichen Eröffnung des Hausärztetages. Es falle schwer, ein Fan der gematik zu sein.

Die elektronische Patientenakte werde ab Januar mit unstrukturierten PDF-Dokumenten starten. Damit ergebe sich kein Fortschritt im Vergleich zu heute. Dass Mängel in der Umsetzung der technischen Vorgaben des Gesetzgebers strafbewehrt seien, sei „dreist“.

Politik: Ärzte sollen bei E-Health nicht bremsen

Aus der Politik gab es dafür umgehend Schelte. Der Verband solle mit eigenen Vorschlägen die Technisierung der Praxen vorantreiben, anstatt auf die Bremse zu treten, sagte der CDU-Gesundheitspolitiker Alexander Krauß.

Dass es funktionierende Alternativen der Vernetzung gebe, belege das Modell der Hausarztzentrierten Versorgung in Baden-Württemberg, das die Ärzte selbst auf die Beine gestellt hätten, sagte Weigeldt.

Anstatt ein Produkt so attraktiv zu machen, dass es von den Ärzten freiwillig angenommen wird, werden Sanktionen verhängt.

Ulrich Weigeldt, Vorsitzender des Deutschen Hausärzteverbands, mit Blick auf die Anbindung der Praxen über Konnektoren

Die Hausärzte wollen Infektpatienten nicht noch einmal zentral behandeln wie zu Beginn der Pandemie. „Ziel ist es, die Patientenversorgung in der kommenden Saison in den Praxen zu lassen“, sagte Anke Richter-Scheer, Erste Vorsitzende des Hausärzteverbands Westfalen-Lippe am Donnerstag.

Gute Gründe für Abkehr von Infektzentren

Etwa 500 solcher Infektzentren haben zu den Hochzeiten der Pandemie in Deutschland gearbeitet. In der Regel dienten sie dazu, Abstriche vorzunehmen. Inzwischen sind die Zentren weitgehend rückgebaut.

Ausschlaggebend für die Entscheidung, solche Zentren nicht mehr zu aktivieren, sind Qualitätsgründe. Im Nachhinein habe sich herausgestellt, dass die Patienten in den Zentren nicht optimal versorgt worden seien: Abstrich und eventuell Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ausstellen – „die sind mit vielen Fragen nach Hause gegangen“, sagte Richter-Scheer. Die Hausärzte hätten einen höheren Anspruch an die Patientenversorgung.

Gleichwohl müssten die Praxen darauf achten, Infektpatienten zu trennen. Sollten sich die Zahlen von Infektpatienten deutlich erhöhen, müssten Hausärzte über vor den Praxen installierte Drive-ins, Container oder Zelte nachdenken.

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Kommentare
Dr. A. Constantin Rocke 17.09.202019:51 Uhr

Solange die Mehrarbeit / Aufwand nicht adäquat honoriert werden (wer hält denn bitte freie Räume, Zelte, Container, Personal und Schutzausrüstung im Überschuss vorrätig?) hält sich die Begeisterung über noch mehr infektiöse Patienten in der Praxis in Grenzen! Was Kassen und Politiker über den Wert hausärztlicher Mehrarbeit durch COVID-19 denken, zeigen die aktuellen Vergütungen/Honorarabschlüsse doch eindrücklich.

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